IHK und grüne Regierung?

Allenthalben kann man ja in allerlei Zeitschriften über Firmen wie der unseren, sowie deren Produkte lesen, meistens nicht das relevanteste. Doch diese Veröffentlichungen hier sind schon bemerkenswert. Gleich zwei Artikelchen auf einem Terrain, wie es fremder kaum sein kann: in der Monatszeitschrift „Wirtschaft“

"Wirtschaft"

„Wirtschaft“

der für uns „zuständigen“ Industrie- und Handelskammer (IHK) Reutlingen. Die hat sich zuletzt primär hervorgetan als Dauergastgeberin unseres soeben weggemachten CDU-MP Rambo-Mappus.

(Ein befreundeter Kunde und Firmeneigner lässt gerade gerichtlich prüfen, wie es sein konnte, dass diese IHK die Beiträge aus unserer Zwangsmitgliedschaft dazu verwandte, sich dermaßen pro Stuttgart 21 engagiert zu haben).

In dieser Zeitschrift – ansonsten in kühlen Blassblau-Grau-Farbtönen gehalten, was wohl landauf-landab eine speziell verstandene „Seriosität“ signalisieren soll – wirken diese Beiträge schon noch erfrischend anders. Die Vorgeschichte grob: Bosch (in Reutlingen größter Arbeitgeber) springt auf den Elektrorad-Markt auf mit eigenem Antriebskonzept. In konzertierter Aktion mit der IHK soll dieses promotet werden. Es gibt eine Kampagnen-Eröffnungsveranstaltung, geladen die regionale Fahrradbranche, der Baumann wird extra begrüßt: als kritischer Fremdkörper (sie kam also bereits an, Radnabels Kritik in dieser Sache – siehe die Trilogie zum Elektrofahrrad in früheren news). Als erster weiterer Coup der Kampagne war wohl die Titelstory „Mein Bike“ in dieser IHK-Zeitschrift gedacht. Der Kampagne-Chef schreibt seine reißerische Pro-E-Bike-Intro. Danach wird die real existierende Radbranche der Region portraitiert, da ist der Umgang mit dem E-Zusatzmotor dann mindestens

"entspannt"

„entspannt“

„entspannt“. Und dann liefert drei Seiten weiter ein anderer Redakteur diesen „Unfall“ mit dem Portrait von Jens, dem Ersten,

Portrait von Jens

Portrait von Jens

einem unserer – garnicht so seltenen – Vorzeigekunden (rechnen Sie mal: 16 Jahre mal 200 Arbeitstage mal 38 Kilometer. Teilen Sie die in diesen 16 Jahren inkl Reparaturen insgesamt ausgegebenen vielleicht 6000 Euren durch die oben errechneten Kilometer, dann haben Sie den Radnabel-Kilometerpreis, geht’s billiger?).

Lieger + Krawatte: Symbol einer künftigen Annäherung von Kammer + Antifirma? Wäre Redaktionsschluss nicht schon vor der Landtagswahl gewesen, könnte man unterstellen: hier übt eine IHK schon, sich auf die neue politische Lage im Musterländle einzustellen. Schön wär’s, ging’s tatsächlich in dieser Richtung weiter.

Übrigens: oben genannter Kunde und Firmeneigner hat soeben eine Initiative losgetreten mit dem Ziel: es möge in den Grün-Roten Koalitionsvertrag aufgenommen werden die Zwangsmitgliedschaften in IHKs, sowie in Handwerkskammern zu beenden. Klasse, was da jetzt plötzlich geht!

Klimawandel?

USA-Schneestürme, hierzulande Frostwinter in Serie und der diesjährige Piss-Sommer, es manifestiert sich inzwischen: die Sonne mag nicht mehr so richtig bis auf weiteres. Die Sonnenflecken bleiben tatsächlich weitgehend aus. Hierzu nochmal lesen: den letzten Abschnitt der news vom 03.02.2010. Aktuelles zu diesem Phänomen, dessen Ausmaß noch nicht absehbar ist zB in diesen Spiegel-Artikeln unter den Titeln:
„Klimaforschung, Experten prophezeien lange Sonnenschwäche“
und:
„Erderwärmung, so beeinflussen Sonnenflecken das Weltklima“.
Oder in die Suchmaschine mit „Sonnenflecken“.

Auto.Mobil.Krise, ein Kongress der LINKEN

Möchte doch noch etwas schreiben über das letzte Wochenende (28. – 30. 10.). Habe teilgenommen an der dreitägigen Konferenz „Auto.Mobil.Krise“ in Stuttgart, veranstaltet von der Rosa Luxemburg Stiftung und der Bundestagsfraktion der Linken. Es war eine parteiübergreifende Konferenz unter internationaler Beteiligung: eine wichtige Konferenz. Und es war mein Thema. Darüber, dass die Linke diesen Komplex überhaupt zum Thema macht, war ich vorab schon positiv überrascht. Vor Ort dann hat mich der geballten Sachverstand dann nochmals erstaunt. Sowohl die Referenten, als auch wir, das Publikum, waren durch die Bank vom Fach. Was mich dann aber wirklich überraschte, war die fast einmütig pessimistische Einschätzung gegenüber einer automobilen Zukunft (genauer gesagt: einer künftigen Massen-Automobilität. Mobilität ist ja schon heute für Ärmere nicht mehr vorgesehen). Habe das Wort „Konversion“ kennengelernt, was soviel bedeutet wie gemeinschaftliche Anstrengungen bei einen Übergang in ein anderes Zeitalter, vor allem die wegfallenden Arbeitsplätze in der Automobilindustrie betreffend. Mancher Gewerkschafter tat sich noch schwer, sich diesen Veränderungen zu stellen, die schon in den nächsten 15-20 Jahren der Autobranche ins Haus stehen. Richtig klasse war gleich der Konferenzstart am Donnerstagabend mit einer Crash-Runde: jeder konnte sich einen Sachverständigen für eine halbe Stunde exklusiv buchen zum Vier-Augen-Gespräch. Musste mir erst mal klar werden, ob ich mich das traue und habe mir dann den Winnie Wolf gekrallt, früher MDB der Linken, nach wie vor Bahn-Spezialist (Bürgerbahn statt Börsenbahn) und als solcher allererster S21-Gegner seit 94 schon: super. Am Samstag gab es eine Runde, in der das Elektro-Auto sachgerecht zerlegt wurde (da sollte eigentlich Hermann Scheer die positivistische Seite übernehmen, diese war nach seinem plötzlichen Tod praktisch nicht mehr vertreten – er hätte einen schweren Stand gehabt). Die Mühe des Zerlegens machte sich in vorderster Front Wolfgang Lohbeck von Greenpeace, seinerzeit Initiator des ersten FCKW-freien Kühlschranks, der sich nun als neue Aufgabe die Illusion einer Massen-Elektromobilität ausgesucht hat. Anknüpfend an seinen Vortrag konnte ich mir es nicht verkneifen, unter allgemeinem Schmunzeln dann auch noch das Letztverbliebene mitzuzerlegen: das Elektro-Fahrrad.

Leserbrief im SPIEGEL

Es ist passiert: Heute stand die wichtigste Botschaft unseres Zeitalters zum ersten Mal im Spiegel. Aufmerksame Leser der radnabel-news kennen sie schon lange. Hier die Kurzversion, wie sie Heute in Heft 39/2010 auf S 8 gleich oben als Auszug meines Leserbriefs zu finden ist:

Die Fragestellung müsste sein: „Wieviel Energie ist aufzuwenden, um hinterher wieviel Energie zu erhalten?“. Wenn man an der irreführenden Fragestellung festhalten will: „Wieviel kostet wieviel regenerative Energie?“, dann muss man bitteschön mit diesen bereits in naher Zukunft drastisch steigenden Energiekosten rechnen.
Tübingen Dieter Bruno Baumann

Aber, wer versteht das so? Der komplette Leserbrief sah so aus:

Betrifft: Titel Nr. 38/20.9.10 „Der teure Traum von der sauberen Energie“

Leserbrief

Sie schreiben S 90, Spalte 3: „Machbar ist sie, die Energiewende, das räumen sogar die größten Skeptiker ein“.

Da ist Ihnen offenbar eine deprimierende Tatsache noch nicht bekannt:

Der Aufbau der regenerativen Netze erfordert nicht nur Menpower und Geld, sondern leider auch eine Menge Energie als Vorleistung. Energie, die irgendwo abgezweigt werden muss. Wie soll das noch gehen, jetzt, nach peak oil? Sobald die Krise „überwunden“ ist und die Turbo-Wirtschaft wieder brummt, werden wir merken, dass mittlerweile die Ölnachfrage das Angebot übersteigt. Im Spiegel konnte man bereits von 200 Euro pro Barrel in naher Zukunft lesen. Die richtige Fragestellung müsste sein: „Wieviel Energie ist aufzuwenden, um hinterher wieviel Energie zu erhalten?“ (EROEI, Energy Returned On Energy Invested). Wenn man an der irreführenden Fragestellung festhalten will: „Wieviel kostet wieviel regenerative Energie?“, dann muss man bitteschön mit diesen bereits in naher Zukunft drastisch steigenden Energiekosten rechnen. Wir haben den Zeitpunkt eines schmerzfreien Umstiegs auf die Regenerativen eben doch schon verpasst.

Logisch: diesen letzten Depri-Satz darf man eben doch noch nicht sagen.

Mit den LINKEN in Berlin

Nette Berlinreise gehabt letzte Woche, halb privat, halb politisch; ein bissle Radnabel-PR war dabei. Letzteres begann schon mit der Anreise mit drei faltern im ICE, Bodo als Fotograf und – vor allem – Christophorus waren mit. Das Ganze war eine Gratis-Reise mit den Tübinger Linken zu unserer MDB Heike Hänsel. Als zuallererst in Anti-Kriegspolitik engagierte hat sie die Peace-Fahne jederzeit mit am Start (sie war es auch, die neulich im Bundestag diese Kundus-Plakataktion initiierte, deretwegen die gesamte Linke in der Folge von der Debatte ausgeschlossen wurde. Eine Aktion, die in der islamischen Welt großes Aufsehen erregte).

Straffes Programm, und doch noch Zeit für eigene Unternehmungen, den faltern sei Dank: gleich am ersten Abend Treffen mit den Vor-Ort-Freunden zu den traditionellen Kässpätzles, tags darauf die Ehrenloge in der Philharmonie. Und am Freitag – kurz nach der geschichtsverdächtigen Abstimmung im Reichstag über die Deutschen 150 Mia für den „Rettungsschirm“ – gab’s dann wirklich dieses kurze Wunschtreffen mit meinem Lieblings-Abgeordneten stroebele.jpgHans-Christian Ströbele. Den muss man – hoff ich doch – nicht weiter vorstellen: ehedem RAF-Verteidiger, Urgrüner mit schon zum zweiten Mal einzigem Grünem Direktmandat aus Kreuzberg. Und Radfahrer, darum ging’s natürlich bei dem Treff. Aber es war gleich klar: mit einem atl war da nicht zu punkten, gegen so einen Charakter-Schrottgöppel ist nicht anzukommen.

Ströbele erzählte auch gleich die Geschichte, wie die unerschütterliche Liebe zu SEINEM Rad endgültig zementiert wurde: zweimal durch Klau getrennt, sich zweimal wiedergefunden, beim letzten Mal durch Mobilmachung der kompletten Berliner Radlerscene mit promptem Erfolg nach nur ein paar Stunden. Nichts läge mir ferner als in so eine Beziehung einzugreifen. Doch Mitleid gab’s dann doch keines, als er sich beklagte, dass er sich seit Jahr und Tag bei der Bahn beklage, dass sein Rad nicht im ICE mitdürfe. Gemeinsam mit Henning Zierok (dem Rechtsaußen auf dem Viererbild), Heike Hänsels Mitstreiter und Initiator der „Kultur des Friedens“, verabredeten wir, eine Kampagne loszutreten: „Mandatsträger aufs Rad“, mal schauen.

Der Wichtigste auf dem Viererbild ist aber – jedenfalls für mich – der in der Bildmitte, mit dem ich wenig später in der Reichstag-Kuppel posierte – mit Handy: peinlich.

Sieger

Es war das Schönste an dieser Reise, sie mit ihm zu machen. War mein Liebster vor fast einem Vierteljahrhundert, kennt die Werkstatt von ganz früh, ist längst fürsorglicher Familienvater, und doch gehören auch wir ein Stück zusammen. War früher manchmal nicht ganz einfach miteinander, mal mehr für den einen, mal den andern. Inzwischen können wir’s einfach genießen.

Radfahren im Winter

Aus gegebenem Anlass nach Jahren wieder was zum Thema atl im Winter. Wer schon genug hat von unserer Eigenwerbung, kann das hier überspringen, sollte sich aber den abgetrennten Abschnitt dieser news weiter unten ansehen. Das dort Umrissene könnte noch wichtig werden… Wir hören zZ fast nichts von unserer Kundschaft, doch das wenige Feedback, das wir erhalten, ist durchweg beruhigend: Auch in einem richtigen Winter fährt es sich bestens mit den atls. Mögliche Probleme des Winterradelns:
a) Kalter Fahrtwind, den halten unsere Verkleidungen delfin und shark effektiv ab.
b) Eis und Schnee, da haben wir ja gut fünf Jahre lang für gescheite Spikes-Winterreifen Lobbyarbeit betrieben und haben sie nun seit drei Jahren (news vom 29.11.2007). Selber benutze ich die Spikes diesen Winter zum ersten Mal. Bin wirklich begeistert, wie problemlos man damit überall durchkommt: null Angst vorm Stürzen (und wenn, könnt’s ja kaum schlimm enden mit so einem Lieger).
c) Korrosion durch den Salz, dieses Problem in den Griff zu bekommen, haben wir uns seit vielen Jahren – denke inzwischen sehr erfolgreich – bemüht. Unsere Rahmen sind nach wie vor aus hochwertigem Stahl (einzelne Teile sind inzwischen komplett aus nichtrostendem Stahl), der prinzipiell rosten kann. Da ist effektiver Korrosionsschutz extrem wichtig. Mit unserem Pulverbeschichter haben wir lange experimentiert, seit einigen Jahren verwenden wir nun schon eine Mehrfachbeschichtung, die einfach „hält“. Der Konkurrenz sei’s hiermit verraten: Nach dem Sandstrahlen bekommen die nackten Rahmenteile zunächst eine Phosphatierung, die verhindert, dass sich der Rost ausgehend von Kratzern unter dem Pulver weiterarbeitet, bis dahin sollte es noch allgemeiner Standard sein. Dann kommt’s aber: vor der Deckbeschichtung kommt nun erst noch eine Grundierbeschichtung, die feinsten Zinkstaub enthält, der macht eindiffundierende korrosionsaktive Substanzen unschädlich. Erst darauf kommt die Deckbeschichtung aus Spezialpulver mit wiederum korrosionsschützenden Eigenschaften. Eine kurze Abhandlung zum „rostfreien“ Alu: das unedle Alu rostet nur deshalb nicht, weil es sofort an der Oberfläche eine dichte Alumimiumoxidschicht bildet, die das Weiterrosten verhindert. Nun hatte ich gerade gestern ein Gespräch mit unserem Kontaktmann zum weltbekannten schwäbischen Hydraulikbremsen-Hersteller. Der beklagte, dass ihnen der Salz die Stahlschrauben im Alu festbacken lässt. Es entsteht eine chemische Verbindung beider Metalle, dreht man eine festgebackene Schraube gewaltsam heraus, zerstört man unweigerlich das Alugewinde, das Aluteil ist Schrott. Genau dieses Problems wegen gibt es am atl keine Alugewinde. Was man am atl an Aluteilen findet sind: Lenker, Felgen, Nabenhülsen, Rohrschellen, alles gewindelose Teile. Nebenbei: dass Aluminium keine Dauerfestigkeit besitzt, ist der Grund, warum wir am Rahmenmaterial Stahl festhalten, dazu vielleicht später einmal eine eigene news.
d) Bleiben die Komponenten, die wir an unseren Rädern verbauen. Es gibt sie, die wintertauglichen Schaltungen, Lichtanlagen, Bremsen, sind nur nicht billig. Da ist zuallererst die Rohloff-14-Gang-Nabe, die einfach immer tut (naja, wenn’s nicht gar zu frostig und das Getriebeöl zu zäh wird: dann solle man’s doch einfach etwas verdünnen, wie die Rohloffs neulich verlauten ließen). Diese Nabe kombiniert mit unserer Ketten-Vollverkleidung – und man ist das Problem der vom Rost geplagten Kette los. Lichtanlagen, die ebenfalls immer tun, gibt’s bekanntlich von der befreundeten Nachbarfirma SON hier aus Tübingen. Und Bremsen bauen wir ja nun seit letztem Jahr selber: Trommelbremsen auf der Basis des Bremsträgers von Sturmey Archer mit eigenen Niro-Trommeln, die wiederum beispielsweise auf die SON-Nabendynamos angeflanscht werden (news vom 08.05.2009 und 06.06.2009, wie sich das inzwischen weiterentwickelt hat, kommt in Kürze in einer weiteren news). Sagte der Frank, SON-Kollege und Rohloff-falter-Fahrer, doch gerade: Hab vor Weihnachten die Spikes montiert, seitdem fahr ich einfach, null Wartung: so ein langweiliges Fahrrad!

So, nun zum „gegebenen Anlass“, da wird’s gleich wieder politisch. Ist doch erstaunlich, so ein Winter nach all den Jahren. Es gibt eine noch wenig bekannte Erklärung: Es könnte mit den ausbleibenden Sonnenflecken zu tun haben, dass das mit dem Klimawandel eine überraschende Wendung nehmen könnte. Es ist noch sehr vage, doch beunruhigt die Fachwelt zZ folgendes Phänomen. Es gibt eine lange bekannten Zyklus von ca elf Jahren, wo die Sonne mal viele, mal gar keine Sonnenflecken aufweist. Immer wenn sie viele dieser Flecken produziert, ist ihre Strahlung größer, sie ist heißer, und auch auf der Erde ist es dann wärmer. Das letzte Sonnenfleckentief war vor zwei Jahren. Und seither warten die Astrologen auf eine erneute Zunahme dieser Flecken, doch die lässt nun schon zwei Jahre auf sich warten. Mittlerweile darf man befürchten, dass da vielleicht etwas auf uns zukommt, das es zuletzt in den Jahren zwischen 1645 und 1715 gab. Damals blieben die Sonnenflecken über 70 Jahre komplett aus, das war die letzte Zwischeneiszeit. Es wurde auf der Erde abrupt sehr viel kälter. Die Folgen waren fatal, es gab Hungersnöte, die Bevölkerung schrumpfte. Was wäre, wenn uns jetzt genau so ein Zeitalter unvorbereitet träfe? Zunächst könnte man denken: prima, dann haben wir mit unseren Maßnahmen gegen den Klimawandel ja noch einmal eine Verschnaufpause. Vielleicht, doch ich muss zu bedenken geben: nicht nur bei uns, sondern weltweit würde der Energieaufwand fürs Heizen zunehmen. Das liefe diametral gegen das Vorhaben, die regenerativen Energienetze rasch auszubauen. Denn – ich muss es immer wieder sagen, es ist so wichtig – regenerative Energienetze im großen Stil aufbauen erfordert neben Manpower und Geld eben auch Energie, die muss man irgendwo abzweigen, und dies bei abnehmender Öl- und Gasförderung nach Peak-Oil. Der von mir hier schon mehrfach beschworene Energie-Engpass dürfte sich eher verschärfen. Gab neulich einen ersten Artikel im Spiegel über die ausbleibenden Sonnenflecken, das zu thematisieren rechne ich denen hoch an. Ganz aktuell nun ein Spiegel-Artikel zu falschen (gefälschten?) Prognosen zum ach so raschen Abschmelzen der Himalaja-Gletscher. Offenbar gibt es inzwischen schon ein „auf der Klimawelle Mitreiten“, und es ist wohltuend, dass der Spiegel dies aufdeckt. Wie schon oft gesagt: ich halte nicht das Problem des Klimawandels als das letztlich Fatale für die Menschheit, sondern das der Energieverknappung.

Trilogie zur E-Mobilität (die dritte)

Dritter Teil der Trilogie zum Elektrorad, deren ersten und zweiten Teil die news vom 23.02.2009 und 20.04.2009 enthalten. Die hier beschriebene Begebenheit ist nun auch schon sechs Wochen her, wir haben da unsrer Tübinger Lokalzeitung beim Füllen des Sommerlochs geholfen, und nun haben es also auch Fahrräder auf die Kulturseite geschafft! Es gab zunächst wieder einen Artikel zum Thema, wonach sich im Blatt eine Leserbriefdebatte entspann. Daran habe ich mich zunächst mit folgendem Beitrag beteiligt:

Danke, Ihr Artikel war einer der ausgewogensten unter den inflationär vielen zum Thema. Dennoch blieb auch hier der eigentliche Problembereich ausgeklammert, die jetzt üblichen Lithium-Ionen-Akkus. Abgesehen davon, dass Lithium selten ist, und es diese Akkus nie in großen Massen für alle geben kann, hier zwei erschütternde Zahlen: Akku für ca. 50km Reichweite kostet im Mittel 700Euro und hält im Schnitt 500 Ladezyklen. Aus Platzmangel: detaillierte Rechnung ist auf www.radnabel.de in der news vom 20.04.2009 hinterlegt. Hier nur das Ergebnis: Ladestrom 10Cent/100km, Abschreibung Akku 2,80Euro/100km, Gesamtkosten des Elektrozusatzantriebs 2,90Euro/100km, das 29-fache! Das Wichtige kommt aber noch, die dritte erschütternde Zahl, die Akkuhersteller vermeiden es tunlichst darüber Auskunft zu geben: Wieviel kostete die Energie, die bei der Herstellung eines Akkus bereits in ihm versenkt wurde? Es kursiert dazu aber eine plausible Zahl: Etwa 1/3 des Preises entfällt auf die Herstellenergie. Damit lässt sich nun der tatsächliche Energieverbrauch eines Pedelec überschlagen: 10Cent für Ladestrom plus 93Cent (=1/3 der 2,80Euro Akku-Abschreibung), machen zusammen 1,03Euro auf 100km allein für Energie. Wo ist der Fortschritt? Das schaffen Mofas seit Jahrzehnten, sind ehrlicher und zeigen den verursachten Dreck vor Ort! Einigen wir uns doch darauf: Es gibt immer Nischen, wo neue Technologien sinnvoll einzusetzen sind, Pedelecs für Reiche, Alte, Faule, Kranke, Behinderte, E-Motoren in Lastenrädern. Und: Für einen autofreien OB ist das voll ok und vorbildlich. Aber Elektroräder für alle ist Käse.

Dazu muss man wohl erklären, dass unser grüner OB heftig mitpusht bei den E-Rädern. „ Das schaffen Mofas seit Jahrzehnten, sind ehrlicher und zeigen den verursachten Dreck vor Ort! “ schaffte es zum fetten Tagesspruch am Kopf des Blattes. Es gab weitere skeptische Beiträge. Die Verfasser deren zwei forderte ein Herr darauf hin zum Beradeln unseres Hausbergs heraus, um den vermeintlich Flachländern vorzuführen, wie anstrengend 150 Höhenmeterchen seien ohne „Viagra“ – also ohne E-Hilfsmotor . Da kam er beim Kollegen Andreas Oehler, Chef-Elektroniker bei den SONs, und mir natürlich genau an die Richtigen. Meine Antwort:

Auch ich habe mich ja skeptisch zu Elektrorädern geäußert, bin aber nicht von Ihnen, Herr Bering, zum Waldhäuser beradeln herausgefordert. Dennoch möchte ich mich zur Verfügung stellen als Ersatzkandidat für den voraussichtlich verhinderten Andreas Oehler. Der wird wohl noch auf der Eurobike in Friedrichshafen sein in seiner Funktion als Leiter des Fachausschusses Technik beim ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club). In diesem Ausschuss ist das Aufklären über das, was ich am 1. September „erschütternde Zahlen“ nannte, zur Zeit wichtiges Thema. Und wir beide stehen diesbezüglich in engem Kontakt. Selber wollte ich am Freitag die 180 km nach Friedrichshafen geradelt sein, gebe das aber gerne drein, um mit Ihnen einmal mehr da hoch zu fahren: Ich wohne ganz da oben seit fast ewig, und ich brauch das Hochradeln als Tagesabschluss fürs Wohlbefinden. Ich hoffe, wir nehmen’s mit ein wenig Humor. Machen wir doch ein kleines Fest draus: Wer das lustig findet, soll doch einfach mitkommen: Samstag 16 Uhr Neckarbrücke. Ich bin dann der mit dem dunkelgrünen Lieger aus eigener Produktion.

Dank moderner Informationstechnik ließ sich Andreas verständigen, so stellten wir uns am 5. September doch beide der Herausforderung. Der zweite Herausgeforderte hatte sich abgemeldet, er sei Busbenutzer und fahre überhaupt nicht Rad. Dafür stellte sich ein anderer wohltrainierter Kandidat ein, er war extra die 10km aus Dusslingen angereist. Und die Presse fand das ganze auch lustig. So erschien am folgenden Montag folgender Artikel in unserem Blatt, auf der Kulturseite, wie gesagt, als Beispiel einer neuen Streitkultur.

In diesem Artikel komme ja ich nur am Rande vor. Der Grund: am Sonntag versuchte die Redakteurin uns Wettfahrer nochmal telefonisch zu erreichen, um zu erfahren, wie unsere Auseinandersetzung beim verdienten Apfelschorle geendet habe. Es war halt Radelwetter, und ich war nochmal über alle Berge – Wahlspruch 317: „Wirklich Wichtige sind manchmal nicht erreichbar“. Was ich der Dame gesagt hätte, hätte sie mich erreicht, ist größtenteils bereits in den fettgedruckten politischen news „seit Sommer 2006“ und „Super-Frühjahr 2007“ enthalten. Es ist halt einfach so: Diese Elektrorad-Kampagne bringt mich richtig auf die Palme. Da bietet man nun seit 20 Jahren gutmütig allen Gutmütigen Räder an, mit denen Autofreiheit zumutbar machbar ist. Und dann kommt da eine Branche daher und versucht abzusahnen mit dieser fraglichen Ökobilanz. Nun, das mit den E-Rädern ist ja vielleicht wirklich nicht soo schlimm, nur: Dass man jetzt den Radfahrern als Versuchskaninchen diesen teuren Akku-Schrott andreht, geschieht doch nur, weil’s in hundertfacher Größe in Autos ja nun wirklich kaum jemand zahlen kann. Was man da so liest: Arme-Leute-Autolein mit 30.000-Euro-Akku mit Reichweite 30 Kilometer, dann muss erst mal ein Tag geladen werden. Haha: bei 500 Ladezyklen macht das eine Akku-Abschreibung von 2 Euro pro Kilometer!! Dabei staunt man, dass jetzt sogar die Grünen aufs E-Auto setzen. Was werden da jetzt Steuermittel verbraten fürs Entwickeln effizienterer Batterien, als ob man da nicht schon seit 20 Jahren dran sei: mit diesem dürftigen Ergebnis. Man bedenke, die großen Sprünge macht jede Technologie am Anfang, danach gibt’s nur noch kleine Optimierungsverbesserungen. Wir müssen von dieser Akkuforschungs-Förderei also wirklich keine entscheidenden Technologiesprünge erwarten.

(Da fällt mir dieser Klasse-Spruch eines Kunden und freien Fraunhofer-Zuarbeiters ein. Gegen Ende der 10-jährigen Forschungen zur Brennstoffzelle meinte der vor ein paar Jahren: „Was wir hier machen ist schlicht: Forschungsgelder UNSCHÄDLICH“. Was ist eigentlich aus der Brennstoffzelle geworden: Eine Technologie für „Superreiche“, sie findet heute ihren Haupteinsatz bei den Militärs in U-Booten)

Mit der heutigen Akku-Förderei schaut allenfalls wieder eine Geldelite, dass sie ihre Mobilität von morgen gesichert bekommt. E-Autos erschwinglich für alle wird’s nie geben. Wenn doch, dann wären die allenfalls hübsch anzuschauen. Massenweise betreiben würde man sie nicht können, mit welcher Energie denn auch? Wie sähe es denn aus, wenn in ca 25 Jahren alle Autos ans Stromnetz gingen? Über’n Daumen haben wir heute diesen Energiemix: je 1/3 Strom, Verkehr, sonstige (wobei: nimmt man die Industrien, die mit der Herstellung von Verkehrsmitteln befasst sind, zum Verkehr dazu, dann geht etwa die Hälfte allen Energieverbrauchs für die Mobilität drauf – geschenkt). Auf den ersten Blick möchte man meinen, gingen alle Autos ans Netz, dann müsste selbiges auf das Doppelte ausgebaut werden. Die E-Lobby führt zurecht noch den dreimal höheren Wirkungsgrad von E-Motoren gegenüber Verbrennungsmotoren ins Feld und behauptet somit, man müsse das jetzige Netz nur um ein Drittel erweitern. Dabei lässt die E-Lobby natürlich unser Akkuproblem untern Tisch fallen. Wir haben den tatsächlichen Energieverbrauch ja mit dem gut 10-fachen der reinen Ladeenergie überschlagen. Also müssten wir das Netz nicht auf 1 + 1/3 vergrößern, sondern um den Faktor 1 + 10/3 = 4,333 aufgeblähen, oje! Und das ohne Öl, weil’s das kaum mehr geben wird, und ohne Kohle, weil’s wegen der CO2-Emissionen nicht mehr tragbar sein wird. Leider ist ja heute schon klar, dass es nicht mehr zu schaffen ist, das immer weniger zur Verfügung stehende Öl in gleicher Größenordnung durch regenerative Energien zu ersetzten (das ist wiederum bereits dargelegt in diesen politischen news „seit Sommer 2006“ und „Super-Frühjahr 2007“. Nur nochmal kurz der Hinweis: Regenerative Netze aufbauen benötigt vorab Energie, die man irgendwo abzweigen muss. Doch wie macht man das in einer Energiemangelgesellschaft nach dem Peak-Oil?). Damit ist doch wohl klar: wenn wir die heutige Netzkapazität bald nicht mehr aufrechterhalten können, dann werden wir’s gerade schaffen, diese auf das mehr als das Vierfache zu erweitern! Also Leute, nehmt Vernunft an, das war’s mit der Massenmobilität. Die Autobranche hat jetzt alle erdenklichen mobilen Energiespeicher-Medien durchdekliniert. Nach der Akku-Pleite ist von denen kein weiterer Pups mehr zu befürchten, Ende aus vorbei. Sollen wir das Spielchen jetzt noch mit dem Massenflugverkehr durchspielen? Mag mal jemand ausrechnen, wie schwer der Akku eines Interkontinentalfliegers mit nicht 30, sondern 18000 Kilometern Reichweite sein müsste? Wie stark müssten die E-Turbinen (gibt‘ sowas überhaupt?) für so eine Flugmasse sein und wie schwer dann erst die Mega-Akkus für diese Mega-Turbinen und wie stark erst müssten dann die Mega-Mega-Turbinen sein und endlos so weiter…

Trilogie zur E-Mobilität (die zweite)

Die Spezi naht: unser Jahresauftritt auf der Spezialradmesse in Germersheim am nächsten Wochenende. Wir sind seit langem einmal wieder unter „Neuheiten“ gelistet mit den bereits in der letzten news beschriebenen Elektro-atls. Ist uns ein bissle peinlich. Denn schon vor Jahren lautete unser Spezi-Slogan ja: „nichts neues…“. Haben dafür gut Prügel bezogen, was uns aber eher in unserer Meinung bestärkt hat, es stehe von den Spezialrad-Konstrukteuren genügend in ausreichender Funktion zur Verfügung. Bevor dies nicht massenweise genutzt wird, bestünde keinen Bedarf, auf Teufel komm raus „Neuheiten“ zu kreieren. Und – wie neulich geschildert – ein E-atl ist wahrlich nichts neues, das gab’s schon vor 20 Jahren. Was die Fahrzeugtechnik der neuen betrifft, gibt es keine nennenswerten Veränderungen zum damaligen „Tour-De-Sol“ – Ur-atl. Einzig beim Akku habe es inzwischen Fortschritte gegeben – dachte ich bis vor drei Wochen. Zugegeben, seit dem Rückbau dieses Ur-atls zum reinen Muskelkraftrad habe ich die Elektrorad-Scene nur am Rande verfolgt. So haben wir nun unsere ersten Heinzmann-Bausätze recht unbedarft verbaut und uns über die handlichen, leichten Akkus gefreut. Wie erstaunt war ich aber, als mir dann ein befreundeter Kunde, Chemiker von Beruf, die Zahl von gerade mal 300 Ladezyklen nannte, die diese tollen Lithium-Ionen-Akkus erleben. Soll das jetzt bitte Fortschritt sein? Na ja, wir hatten schon vor 20 Jahren den Eindruck, auch in dieser Scene wird mit Lug + Trug gearbeitet. Beispielsweise mussten wir auf unseren „Tour-De-Sol“ – Geschossen je einen Quadratmeter Solarzellen mitführen, um dem Publikum zu suggerieren, damit könne man sich autark fortbewegen. In Wahrheit hatten wir zwei fette Begleitautos mit 400kg Batterien im Anhänger – prallvoll mit Atomstrom – zum Tourstart mitgebracht. Während der Tagesetappen waren 2 bis 3 Batteriewechsel erlaubt, man fuhr immer full speed. Die leeren Batterien wurden dann mit 20qm Solarzellen auf den Autodächern dürftig nachgeladen. Erst am 5. Tag kamen die ersten nachgeladenen Batterien erneut zum Einsatz – und damit der erste wirkliche Solarstrom. Und siehe da: am 6. und 7. Tag, den beiden letzten, war plötzlich Energiehaushalten angesagt. (Einschub, soll keine Angeberei sein, sondern untermauern, dass wir schon meinen von all dem ein bissle Ahnung zu haben: 1) Unser damaliger Tour-Elektroniker Franz Heim hat’s danach rasch zum Multimillionär gebracht in der gehätschelten Photovoltaik-Branche. 2) Da kam damals zum Wochenende immer ein Waldorfschülerchen aus Stuttgart zu uns in die Lehre: der Hannes Neupert verdient heute gutes Geld mit seinem Verein „Extra Energy“ und dem weltumspannenden Promoten von E-Bikes). Zurück zu Lug + Trug in der Elektrorad-Scene und dem Lithium-Ionen-Akku. Rechnen wir doch mal selber. Lesen tut man von 500 bis 800 Ladezyklen. Also nehmen wir nicht die 300 des Chemiker-Freunds, nehmen wir die zugegebenen 500. Der Strom, den ich im Netz ziehe, um einen Akku einmal zu laden kostet vielleicht 5Cent. Damit soll man 70km weit kommen, „bis zu 70km“ versteht sich, also dann doch nur 50. Aber klingt doch super: 0,10Euro/100km. Muss ich aber die Abschreibung von 1/500 des Akku-Neupreises dazurechnen: stattliche 700 Euro. Durch 500 ergibt 1,40Euro. Tatsächlich kostet mich eine Akku-Ladung also 1,45 Euro, wären 2,90Euro/100km. Die Wahrheit unterscheidet sich um den Faktor 29! Von dieser Wahrheit hört man in der Branche niemanden reden. Meine Rechnung geht aber weiter: üblich ist ja dieses hier gerade betriebene Rechnen mit Geldeswerten. Sie ist aber raffiniert irreführend. Die richtige Rechnung ist die mit tatsächlichen Energiewerten. Denn DAS ist das DAS THEMA unserer Zeit: Energieverbrauch im ausgehenden Öl-Zeitalter (Verweis auf die politischen news, die fettgedruckten). Ich bin noch nicht sehr weit gekommen mit meinen Recherchen darüber, wie dieser eigentlich doch irre Preis für so einen Akku zustandekommt. Trotzdem muss diese Abhandlung jetzt so halbfertig raus vor unserem Spezi-Auftritt. An dieser Stelle sollen dann noch konkretere Zahlen nachgeliefert werden. Erst mal gibt’s eine Handelsspanne, ok. Lithium sei selten und teuer, ok. Aber da bleibt noch ein dicker Restbetrag. Und ich muss vermuten, dass ein Gutteil davon daher rührt, dass zur Herstellung des Lithiumgitters eine erhebliche Energiemenge verbraucht wird (ähnlich wie bei der Herstellung von Photovoltaik-Zellen). Diese bereits vorab im Akku versenkte Energie muss der Akku-User auf sein Konto nehmen. Heißt: ein nicht unerheblicher Teil meiner 2,90Euro/100km sind reine Energiekosten, sind also gleichzusetzten mit entsprechendem tatsächlichem Energieverbrauch. Für 2,90Euro kann ich auch gleich drei Liter Diesel kaufen, was nicht heißen soll, mein harmloses E-Bike wäre mit vom Energieverbrauch nix anderes als ein Dreiliterauto. Aber bei einem Verbrauch von 1 bis 2 Litern Dieseläquivalent dürfte man dann doch richtig liegen bei so nem harmlos daherkommenden Fahrrad. Klar, immer noch besser als jedes Auto, die können aber auch einiges mehr. Nun noch einen Blick auf den letzten – tschuldigung – Furz der Autobranche. Angesichts der Ölverknappung sucht die ja inzwischen fieberhaft nach einem neuen Energiespeichermedium. Da war die Brennstoffzelle – nur noch für Nischenanwendung um Gespräch. Dann war da das Verfeuern von Nahrungsmitteln, Sprit aus Weizen uÄ – da haben sie gewaltig eins auf die Finger bekommen bei der Welternährungslage. Und jetzt wollen sie mit den Autos halt auch ans Netz – zeitgleich zum Ausstieg aus Atomkraft und dem Wunsch, keine neuen Kohlekraftwerke mehr zu bauen. Mit Lithium-Ionen-Akkus wie bei den E-Bikes, nur dass die Akkus 100-mal größer sein müssten. Hieße 70.000Euro für nen Akku, der nach 500 Ladezyklen mau wäre. Das könnte ja wohl nur was für Superreiche werden. Wenn man das nach meiner Rechnung mit Energieäquivalenten anschaut, wären das 100- bis 200-Liter-Autos. Und: sowohl Lithium als auch Kupfer für die Motoren reichen nicht für die Masse. Immerhin hat neulich ein Elektroauto-Symposium das Ergebnis gebracht, dass es solche E-Autos in Massen frühestens in 25 Jahren geben könnte, da müsste man noch manche Generation von Akkus abwarten. Ob’s Öl wohl noch so lange für alle reicht? Soeben hat das Wissenschaftsministerium wieder immense Geldbeträge für die E-Auto-Forschung bereitgestellt. Es scheint bezeichnend, dass die Politik sich immer wieder an solchen Strohhalmen festhält in der Hoffnung, dass es vielleicht doch nochmal so bequem weitergehen könnte wie bisher. Den Mut, zuzugeben, dass uns wohl bald ein heftiges Rückwärts bevorsteht – das umso mehr weh tun wird, je länger man es hinauszögert – kann sich Politik in einer Demokratie nicht leisten, denn sie muss ja wiedergewählt werden. Da kommen Zweifel auf, ob eine Demokratie die drohenden Probleme meistern kann. Es gibt Beispiele aus der Geschichte, wo nur rigide Maßnahmen eher (öko)-diktatorischer Systeme den Untergang einer Gesellschaft verhindern konnten (ich arbeite mich zZ durch den fetten Wälzer von Jared Diamond „KOLLAPS“ Fischer ISBN 978-3-596-16730-2 viel zu billige 9,95Euro, in dem der untersucht, woran es lag, dass Gesellschaften in den letzten 40.000 Jahren bis zur Gegenwart untergingen – oder auch Krisen überlebten , sehr zu empfehlen). Jetzt ist’s doch wieder politisch geworden. Ich denke halt, ich muss das nutzten und wenigstens an diesem Ort meine Gedanken öffentlich machen. Vielleicht erreichen sie ja doch ein paar Versprengte. Jedenfalls, den E-atl gibt’s jetzt. Es gibt sicher Einsatzbereiche, wo so ein Fahrzeug sinnvoll ist, und E-Radeln ist sicher noch eins der umweltverträglicheren Hobbys. Allerdings werden wir uns die E-ats reell bezahlen lassen, da gibt’s keinen Öko-Bonus. Das sei hier mal wieder betont: wer sich einen normalen Muskelkraft-atl zulegt kriegt von uns was geschenkt, dafür reißen wir uns alle Arme aus. Dafür erwarten wir dann auch, dass der anständig genutzt wird: Damit es noch eine Zeitlang weitergeht mit uns Menschen.

Nachtrag vom 01.05.2009: Konnte mich in Germersheim ein wenig umhorchen. Ich traf zunächst den Dietrich Lohmeyer beim Kaffee. Habe ihm gebeichtet, dass wir neulich fremdgegangen sind mit unseren Heinzmann-atls. Er fand das ganz ok, er verwende selber ab und zu Heinzmann-Bausätze, das sei für Freizeitradler der Narrensicherheit wegen die richtige Wahl. Lohmeyer-Antriebe, deren Vorteil in der größeren Effektivität liegt, eignen sich eher für geübte Vielfahrer (übrigens fahren mindestens drei Lohmeyer-atls rum, die allerdings bei denen höchstselbst nachträglich motorisiert wurden). Zu den Akkus meinte er, es gäbe in der Tat chinesische, die es tatsächlich nur auf 300 Zyklen brächten. Und es gäbe eben auch gute Akkus zB aus deutschen Landen, die sowohl er als auch Heinzmann verwenden. Da rechnet man mit 1000 Zyklen, sein privater sei jetzt bei 1100 und bringe noch 80% der Anfangskapazität. Später kam Ken Ching zu uns an den Stand, ein hübscher junger Chinese, den sein Vater extra aus Shanghai nach Germersheim sandte, um Kundschaft für die gemeinsame Firma aufzutun. Sie betreiben daheim ein kleines feines High-Tech-Unternehmen mit 40 Angestellten und bieten eine Produktpallette, die der von Heinzmann sehr nahe kommt. Habe mich mit Ken lange unterhalten auf englisch und sogar deutsch. Meine Hemmschwelle, tatsächlich einmal etwas von so ferne zu bestellen, ist dadurch kräftig gesunken. Wahrscheinlich wird man’s dann doch nicht machen, denn die Heizmänner sind ja in Radelnähe im schönen Schönau bei den Stromrebellen im Schwarzwald kurz hinterm Feldberg. Habe den Ken dann auch nach den Ladezyklen ihrer Akkus gefragt. Und er bestätigte die 300 bis 350 ihrer Akkus. Ich danke Ken für seine Ehrlichkeit, und auch Lohmeyers Angaben kann man sicher trauen. Aber auch mit 1000 Ladezyklen wird meine og Rechnung nur graduell besser. Versuchen Sie’s mal selber: ersetzen Sie meine 500 durch 1000 Zyklen. Dann erhalten Sie immer noch 50- bis 100-Literautos. Klasse, was!

Nachtrag vom 15.10.2009: Die news von heute vervollständigt die Trilogie zum Elektrorad. Darin enthalten die noch nachzuliefernde Zahl zum Energiekosten-Anteil am teuren Lithium-Ionen-Akku-Preis. Diese Zahl ist nicht endgültig gesichert aber plausibel.

Trilogie zur E-Mobilität (die erste)

Neulich gab’s sowas wie ein Dejavue. War aber keines, denn fast genau die gleiche Begebenheit trug sich fast genau vor 20 Jahren schon einmal zu: ein noch unlackierter, eben fertigmontierter atl bringt mich in Windeseile meinen allnächtlichen 150-Höhenmeter-Berg hoch, unter reger Mithilfe eines E-Motors. Damals war es der allererste atl-Prototyp, der unlackiert gleich mal antriebstechnisch aufgepeppt wurde für die Teilnahme an der „Tour de Sol 1989“ (Solarmobil-Weltmeisterschaft in der Schweiz, siehe die letzte news hier drunter). Also, neu ist das wirklich nicht, was wir da jetzt wieder haben. Neu ist, dass man’s jetzt auch kaufen kann. Aus den Erfahrungen dieser Solar-Ralley hatten wir damals mitgenommen: über Elektroantrieb am Fahrrad kann man wieder reden, wenn sich Entscheidendes beim Stromspeicher getan hat. Es hat sich was getan, das Akkugewicht ist inzwischen bei einem Viertel von damals angelangt. Da wird’s langsam reell. In den letzten Jahren hatten wir immer wieder mal Anfragen nach E-atls, haben allerlei Varianten durchgespielt, -kalkuliert. Bestellt hatte dann aber doch keiner. So habe ich einem neuerlichen Interessenten mitte letzten Jahres recht deutlich gemacht: wir fangen diesmal erst an zu rechnen, wenn klar ist, dass eine Bestellung draus wird. Und so lief der rege Mail-Verkehr (hat sich freundschaftlich entwickelt, man ist beim Du) im folgenden unter „Betrifft: Bestellung Elektro-atl“. Der Herr outete sich gleich zu Beginn als Freizeitradler, der sich selber was schenken wolle. Wir haben das ja eher selten, den Kontakt mit der Freizeit-Branche. Die Mehrzahl unserer Kundschaft lässt sich in die Schublade Alltagsradler stecken – passend zum alt (=All-Tags-Lieger). Diese Alltags-Branche besteht allermeist aus immer wieder erstaunlich pflegeleichten Zeitgenossen, da wird nicht so schnell gemeckert, die sind schnell glücklich mit dem, was sie von uns kriegen. Und glücklich sind wiederum wir, dass wir es so außergewöhnlich oft mit solchen lieben Menschen zu tun haben. Anders die Freizeit-Branche, die hat zwei andere Vorteile. Der eine ist, dass es bei Ausgaben für Freizeitspaß offenbar kaum Grenzen gibt, da fällt dann auch für uns was ab. Der andere „Vorteil“ ist, dass bei Freizeit-Dingen alles aber auch alles stimmen muss. Soll heißen, die Freizeit-Branche lässt sich als eher heikel bezeichnen, da hat man an allem noch was auszusetzen. Meist sind’s Luftschlösser die man denen mühsam als solche ausreden muss. Aber manchmal bringt uns das Meckern auch weiter, da werden dann doch kleine Innovationen angeschuckt: diesmal könnte es eine weitere Sitzvariante werden. Wir hatten uns für den neuen Heinzmann-Hinterradmotor entschieden. Es zog sich ewig hin bis die Heinzmänner lieferten. Dann dauerte es gerade mal drei Tage – und schon begab sich og Quasi-Dejavue-Ereignis. Es ist ja heute überhaupt kein Hexenwerk mehr, so einen Bausatz zu installieren. Die Heinzmann-Komponenten passen alle haarscharf in den atl als seien sie nur dafür gemacht, sehr nett. Gerade mal sechs zusätzliche Gewindeösen, zwei Akkuhalte-Bleche und ein Sensorhalter sind der gesamte Zusatzaufwand. Wenn man das einmal hat, lässt es sich leicht kopieren. Heißt, wir können diese Kombination ab sofort anbieten. Und wir können sie auch tatsächlich empfehlen: Heinzmann + atl, der bewährte atl-Fahrkomfort und der starke Heinzmann, das scheint bis auf weiteres die Heirat der Wahl zu sein. Eigentlich ist alles genau wie damals schon. Der Unterschied: der Neue ist auch narrensicher (Rosenmontag). Wir haben ihn eine Weile so unlackiert getestet und letztlich für gut empfunden. Jetzt ist dieser erste E-atl der neuen Generation sauber pulverbeschichtet und kann sich sehen lassen.

Heinzmann atl

atl-klassik mit Heinzmann-HR-Nabenmotor

Und weil die beiden was miteinander zu tun haben, an dieser Stelle noch ein Bild vom heiligen Original-atl, dem noch handgefeilten eben 20-jährig gewordenen. Er sieht leider inzwischen sehr alt aus, hier seine Geschichte in aller Kürze: Nach der erfolgreichen WM-Teilnahme hatte er Farbe bekommen und fuhr dann noch eine Zeitlang als E-Mobil herum. Dann, während die Vorbereitungen für die erste atl-Serie anliefen, gab’s den konsequenten Rückbau zum reinen Fahrrad. So hat der Chef ihn dann jahrelang gefahren. Und es war einfach so wie’s wohl häufig ist: kein Serien-atl fuhr sich je so angenehm wie das Original. Dieser erste war im Detail überall ein wenig anders. Aber genau darum hat man ihn früh in Pension geschickt, denn alle möglichen Serien-Anbauteile passten haarscharf nicht dran. Und die wollten wir a) selber getestet haben und b) auch gern selber benutzen. So fand der Original-atl seine Ruhe in einer Garage und harrte dort auf einen fernen Tag, da er als berühmter Erster in ein Museum hätte einziehen sollen. Doch das hat sich vor recht genau einem Jahr erledigt. Frommen Eltern hatten es versäumt, ihren Waldorf-Milchbubis beizubringen, wie man mit Böllern umgeht. Also haben die’s selber erforscht. Wurde ein tolles Feuerwerk, war live bei Google-earth zu verfolgen: eine Zeile von zehn Garagen ging in Flammen auf, unsere war eine der mittleren. Wenn unser Hausmeister zwei Tage danach nicht geistesgegenwärtig gewesen wäre, ich hätte den Leichnam nicht einmal mehr zu Gesicht bekommen. Er rief an, ob ich die rostigen Reste nicht noch schnell aus einem Schrottcontauner ziehen wolle. Seither hat der Tote hier in der Werkstatt einen Ehrenplatz. Täglich wird er mehrfach von einer Ecke zur nächsten getragen, er ist halt überall im Weg, aber das ist egal. Bei der Fotosession für den Heinzmann-atl haben wir nun gleich noch ein paar Abschiedsbilder gemacht vom Original.

Heinzmann atl

Original nach Brand

Zieht’s Euch runter, und haltet’s in Ehren. Nach einem Jahr Betrauern werden wir jetzt wohl doch bald Platz schaffen für Neues.

Fahrradhelm und atl, past das zusammen?

Seit Tagen findet im Leserforum der hiesigen Lokalzeitung ein Schlagabtausch um das Fahrradhelmtragen statt. Ausgelöst hat ihn eine guten Bekannten, die sich darüber beschwerte, dass in Berichten über Fahrradunfälle mit schöner Regelmäßigkeit genüsslich sachlich konstatiert wird, dass die RadlerINNEN wieder mal keinen Helm trugen, wenn dem so war. Radnabel mischte nun mit, hier der Beitrag: „Die Debatte beschränkt sich bisher auf gefährliche „Hochräder“, die eigentlich längst überholt sind. Zugegeben, hier betreibt der örtliche „Sesselrad“-Hersteller einmal mehr Lobbyarbeit, er darf das: es dient der Wahrheitsfindung. Die bald 20-jährige Erfahrung mit unserer – auch zugegeben – überschaubaren Kundschaft, zu der dafür enger Kontakt besteht, verzeichnet keinen einzigen Sturz, der im Krankenhaus geendet wäre. Wohl sind bald alle unserer KundINNen mal geflogen (meist auf glitschigem Untergrund, wenn die Räder ausbrachen). Das endete für gewöhnlich glimpflich auf dem Hinterteil. In den meisten Gefahrensituationen steigt man/frau instinktiv voll in die Eisen (geht ohne Kopfübersturz dank des tieferen Schwerpunkts und des weit vorn angeordneten Vorderrads), stemmt sich mit den Händen gegen den (klassisch) vorn angeordneten Lenker, sowie mit beiden Füßen auf die Fahrbahn (geht ebenfalls wegen des niederen Sitzens) und kommt so bei unerreicht kurzem Bremsweg sicher zum Stehen. Oft haben wir den Eindruck, andere Verkehrsteilnehmer empfinden unser Verhalten im Verkehr als ungebührlich riskant, ist es nicht: wir haben’s im Griff! Unsereins genießt es, sich sommers barhäuptig der Sonne hinzugeben (zum Radeln in der nassen Jahreszeit haben wir andere Antworten zur Genüge). Meine bescheidene private Drohung besteht: Käme einmal eine Fahrrad-Helmpflicht, ich stiege sofort um: auf’s Motorrad!“