„Seltenheit“: Breitreifen-Elektro-fastfalter

Ein Unikat – vorläufig – hat die Werkstatt verlassen. Ein Zwitter: vorne falter mit stillgelegten Rahmenscharnieren, hinten Schwinge für 60 mm breiten Reifen, dazu der bekannten Bafang-Motor. Es war die Umrüstung eines ehemaligen falters, die Rohloff war schon länger drin. Letztendlich war es eine aufwendige Angelegenheit. Aber es scheint sich gelohn zu haben. Nach zwei Tagen Einfahren, könnte man sich auch als purer Muskelkraftler dran gewöhnen, fährt klasse: So könnte man künftig E-fastfalter bauen.

Besagter ehemaliger falter ist fleißigen news-Lesern wohlbekannt. Der war seinerzeit von Tübingen nach Hongkong unterwegs gewesen (am besten aufzufinden über: http://www.radnabel.com/category/reise/).

Jetzt gibt‘s für den eine neue Aufgabe als Neckartal-Blitz. Er wird den Martin in seinem neuen Beruf als Bauwagen-Bauer künftig die 30km zur Bauwagen-Baustelle bringen – und wieder zurück.

Kleine Randbemerkung: neben den beiden großen Berufsgruppen unter den Kunden, den Ärzten und Lehrern (die sich relativ leicht ein gewissenhaftes Leben – mit teurem atl – leisten können, denn das Geld kommt ja „vom Konto“), entwickelt sich die Berufsgruppe der seltenen Bauwagenbauer erfreulicherweise zu einer signifikanten im Kundenprofil. Die hat es nicht ganz so leicht mit dem Lebensunterhalt. Da ist wohl Geistesverwandtschaft im Spiel zum Liegeradhersteller.

„Heimweg durchs Piratenmeer“

So stand’s gestern im Lokalblatt. Nachdem sie bereits einen guten Monat wieder zuhause sind, wurde heute dieser Abschlussbericht abgedruckt. 2014.04.02

Plötzlich stehen sie hier Schlange und wollen alle solche Räder haben – sollte man meinen.

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Post aus Hong Kong

Kam gestern, war immerhin zwölf Tage unterwegs: im Flieger. Unsere zwei hatten an dieser Distanz ein Dreivierteljahr ihr Vergnügen – sozusagen. Sie haben’s also geschafft, ich freu mich mit. Und die Räder gibt’s auch noch. Tiefen Dank für das Vorschussvertrauen und den Mut, dass Ihr Euch mit solchen – leider immer noch gar nicht allgegenwärtigen – Fahrzeugen so weit in die Fremde gewagt habtue_hong_kongt. Auch ich bin froh, dass sie so gut durchgehalten haben. Wenn man den Berichten (gell, neue Homepage: clickt auf „reise“ dann stehen unter dieser news die älteren zum Thema, da gibt’s den Link zum Reiseblog schon mehrfach) glaubt und nichts überlesen hat, dann waren fünf Platten auf zweimal 12612 Kilometer alles an Voplattenrfällen?? Auf halber Strecke hatten wir im Iran einen Kettenwechsel organisiert. Wir hatten immer mal Mailkontakt. Und jetzt also diese schöne Karte: selbergemacht, eindeutig. Der rote Strich ist in echt ein roter Faden, an dem die Crew hin und her fahren kann. Scheint als habe die fernöstliche Couvert-Verschlusssicherung inspiriert. Zurück geht’s inzwischen auf einem Containerschiff. Das werden sicher noch einmal spannende Erlebnisse und Einsichten. ZB die da, steht frisch im Reiseblog (sowas macht mich immer hellwach):

„noch vor fuenf jahren sind alle containerschiffe immer volle leistung gefahren, bis zu 24 knoten schnell. seit „die krise“ kam und die spritpreise hoch sind, sinds nur noch 18 bis 20. der verbrauch ist dadurch von 250 auf 100 tonnen pro tag runtergegangen, ein hoch auf die krise!“

Dann bis die Tage!

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Bei den Chinesen

Heute berichtet unsere Zeitung wieder von den Beiden aus der news vom 30.03.2013. Sie sind schon da: in China! 20131106Tolles Bild, anscheinend sind unsere Alpen nix Besonderes. Überhaupt, diese Vielfalt, die sie beschreiben in ihrem Blog http://www.radeln-fuers-bleiberecht.org/. Doch ganz schön groß, der Planet. Und dennoch ist es möglich so weit zu gelangen allein mit eigener Muskelkraft. Ob ich sowas vielleicht auch nochmal erlebe? Bis dahin: uneingeschränkter Neid!

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atl und „Sportliche“

Am Ende der letzten news war zu lesen vom Bedauern darüber, dass Radnabel es nur selten vermag, „Sportliche“ zu überzeugen. Tatsächlich haben wir nichts gegen Genussradeln, gegen Entschleunigung und die Entdeckung der Langsamkeit. Doch leider funktioniert unser Alltag nach wie vor im verordneten „Schnell-Schnell“, und wo Genießen geht, geht es oft nur, weil andernorts andere für einen hetzen.

Dass ein atl eben auch gute Unterstützung leistet bei einer effizienten Alltagsbewältigung, das soll hier Thema sein. Dazu ein paar Eckdaten einer Dienstreise von neulich:

Anreise übers Wochenende zu einem Arbeitseinsatz andernorts, mittelschweres Gepäck inkl Regenverkleidung, ernstes Radfahren pur, Arbeitszeit, steuerlich absetzbare Reisekosten, Kilometerfressen, ca. 260 Kilometer in zweimal gut 6 Stunden, einige hundert Höhenmeter waren es schon auch.

Ein paar Eindrücke:

Zum Streckemachen und um allzuhäufige Kartenlese-Stops zu vermeiden, die direkten Routen genommen entlang von Hauptverkehrsstraßen: Deutschland ist inzwischen so hässlich mit dem ewigen Wechsel von Wohnländern, Obis, Logistik-Megahallen, Industrie-„Parks“. Für Radler, die sich sonst die verbliebenen noch natürlicheren Gebieten aussuchen, eine erschreckende Erkenntnis.

Nach einiger Fahrzeit bemerkt, noch von keinem Rad überholt worden zu sein. Im Folgenden darauf geachtet. Am Ende zwei Tage lang nicht einmal überholt worden, trotz Gepäck. Und die gewohnten abendlichen Schönwetter-Kurzstrecken-Rennradler waren dann auch wieder am Start.

Sicher hundertfünfzig rote Ampeln überfahren. Jede mit einer Minute gerechnet, wären die Fahrzeit sonst zweieinhalb Stunden länger gewesen. Passend steht dazu heute in einem Lokal-Leserbrief: „… neulich in England: Fußgänger und Radfahrer überqueren wie selbstverständlich rote Ampeln (…) Für Fußgänger und Radler sind rote Ampeln Warnsignale, nicht Vorschrift.“

Mit einem (von mir so genannten:) E-Mofa ginge so eine Reise nicht.

Es gibt Spektakuläreres, zB. rein Sportliches – also Unwichtiges, wie es uns die Medien täglich drücken und womit viel Geld abgeschöpft wird. Diese Distanzüberwindung jedoch galt dem Lebensunterhalt, somit war sie wichtig. Darum ist man ein wenig stolz. Einmal mehr ist bewiesen, dass man auch mit so einem Allrounder einfach schnell fahren kann. Vielfahrer – wir hätten gerne mehr von Euch als Kunden, dieser Text möge Euch ermuntern, Euch auf unser Radkonzept einzulassen, mit dem dann doch manches mehr zu bewerkstelligen ist als nur Kilometer zu fressen. Ihr müsst aber ein wenig Geduld aufbringen. Immer wieder betonen wir: gerade Leute, die auf ihr bisheriges Rad gut eintrainiert sind, tun sich am Anfang richtig schwer mit einem atl. Das Umtrainieren kann ein halbes Jahr dauern. Lasst Euch drauf ein, nach dieser Umgewöhnung habt Ihr es leichter im Alltag, versprochen.

Noch zwei atls auf Weltreise

20130328

Aufbruchsbild

Sodele, jetzt sind sie weg, auch die zweiten Beiden. Gestartet Donnerstag 16 Uhr ab Werkstatt – nach Übergabe allerletzter Ersatzmaterialien, einem Abschiedskaffee, sowie diesem Aufbruchsbild – bei „2013-Normalwetter“. Auch ihr Ziel ist irgendwann irgendwo in China. Bescheiden wie sie sind haben sie garnicht so viel vorab verraten. Das Meiste wissen wir erst jetzt, wo’s heute in der Zeitung steht. 20130330Gerade mal den Link zum Reiseblog http://www.radeln-fuers-bleiberecht.org/ haben sie verraten: Radeln für eine Gute Sache, Spenden willkommen (schauen: diese Adresse auf dem Anhänger ist auf dem Zeitungsbild geschwärzt, steht dann aber doch im Textanhang). Der Blog noch ganz weiß, vorläufig. Wird schon bunter werden mit der Zeit, hoffentlich nicht zu bunt: hoffentlich hält Radnabels „Beitrag“.

Mit Marfalter_staenderadaptertin zusammen Anfang letzter Woche eben noch schnell extra die ultimative Doppelständer-Halterung für diese China-falter erfunden. Das hätten wir jetzt also auch. Wird demnächst vorgestellt. Hier ein Vorab-Bild.

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Atl auf Weltreise

Wenn das immer noch nicht reicht, es hätte noch mehr Lesestoff.

ZZ ist es anscheinend Mode, mit faltern nach China zu radeln. Nächsten Monat startet hier ein gemischtes Päärle dorthin, wir sind gerade am Vorbereiten. Ein Brüderpaar ist inzwischen schon ein halbes Jahr unterwegs. Gerade kam eine Nachricht aus Singapur, dabei diese Links: Stefans Blog mit vielen Bildern und das Diskussionsforum dazu Das Meiste Gesagte schmeichelt, ist pure Werbung, danke. Zum fehlenden Ständer am falter muss man den Stefan zum frühen Start bedauern, weil: haben wir doch inzwischen. Stefan, schau mal da unten in die news vom 10.08.2012.

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Eine Deutschlandreise

Wir haben’s geschafft: standen am 20. August abends an Rios Grab im Gartenfresenhagen.2 des reetgedeckten Hofes in Fresenhagen ganz im Norden Schleswigholsteins (news vom 06.01.2010: lesen!). Es war Rios vierzehnter Todestag. Dieses Jahr in stillem Gedenken, denn sie sind mal wieder pleite da oben (aller Ehren wert in diesen Zeiten!). Statt des schon traditionellen Festivals war in diesem Jahr eine Krisensitzung der Hinterbliebenen angesetzt. fresenhagenSo hatten wir die Ehre, ua die beiden Rio-Brüder Gerd und Peter Möbius (Rio = Ralph Möbius) ganz aus der Nähe zu erleben. Wir durften sogar einer Privatführung Peters durchs Museum beiwohnen, da gab’s manche sehr private Zusatzinfo. Die perfekte Belohnung für 17 regennasse Radeltage einmal längs durch die Republik. Deren private Eindrücke werden hier nicht ausgebreitet. Was aber interessieren könnte:

Sehr zu empfehlen so eine Reise durchs Heimatland, wo alle 2-3 Tage liebe Bekannte wohnen, bei denen man abends die Beine untern Tisch strecken darf. Danke Euch!

Nass war’s, wie gesagt: ua zwei Tage in Folge kompletter Dauerschauer, der perfekte Test für die Verkleidungen. Verbesserungs-Wünsche und -Vorschläge wurden nach Rückkehr umgehend an AWS weitergeleitet. Gibt sicher bald wieder eine Entwicklungssession am Starnberger See.

Habe als ansonsten nach Süden orientierter Sonnengläubiger nun endlich einmal das Wind-Thema da oben im Flachland am eigenen Leib kennengelernt. Schon faszinierend, tagelang im Wind zu radeln – begleitet immer wieder von Regenschauern – , wo’s mit dem Wind sicher viermal so schnell ginge.

Noch was politisches, das ich mir nicht verkneifen kann: habe mir während des Durchquerens des Landes auch diese „Brille“ aufgesetzt: „Wo sind eigentlich die behaupteten 99,?? % nicht genutzte Sonnenenergie, von denen die Regenerativen-Lobbyisten so gerne schwafeln?“. Sie sind annähernd nicht vorhanden! Praktisch alles ist Kulturland, wird genutzt, sei’s als Mega-Getreidefelder im Osten, stinkende Agrardiesel-Rapsfelder, Wälder, Wiesen, alles wird genutzt, sogar auf den Deichen mähen Unmengen von Wollespendern freiwillig die Rasen, bevor wir sie verspeisen. Bleiben zum Mehr-Sonne-Einfangen gerade mal die Dächer (wird gemacht), die Straßen, die Fußball- und die Golf-Plätze.

Ach ja, das noch, kleiner Leistungsbericht. Da stand im Harz der Brocken so verlockend im Weg. Es war einer seiner wenigen unbenebelten Momente, ich musste da rauf, während die andern weiterzuckelten. Gepäck in die Büsche und los. Bilanz: unter reger Anteilnahme von xxxx Wanderern eine Pferdekutsche, ein Faltrad, drei Mounties und fünf Rennräder, ja was wohl: versägt natürlich.

PS: In Bezug auf den vorletzten Abschnitt kamen Suggestiv-Rückfragen zu meinem gestörten Verhältnis gegenüber den Regenerativen. Dazu ist ja eigentlich genügend in älteren news ausgeführt, mein Lieblingsthema. Hier noch einmal kompakt (wie ich es einem E-atl-Kunden zurückschrieb):

„Gegen alternative Enregieerzeugung bin ich natürlich garnicht! Aber ich verwahre mich vehement gegen diese positivistische Message der Wohlfühlökos, nachdem das schon irgendwie gehen wird, verleugnend meine Einsicht, dass der Umbau auf die Regenerativen nur dann noch einigermaßen erträglich gelingen kann, wenn wir auf Verprassen verzichten. Sonst erwartet uns eben ein Energieengpass, der vielen Menschen das Leben kosten wird. Davor wird man doch warnen dürfen?

Und genau darum finde ich es goldrichtig, mich für diese besseren Fahrräder zu engagieren. Weil die Motormobilität eben das Erste (weil Unnötigste) ist, wo wir das Verprassen am schmerzfreiesten verringern können.

Natürlich müssen die Regenerativen her, aber Verzicht auf Verprassen hat mindestens als flankierende Maßnahme allerhöchste Priorität!“

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Mit den LINKEN in Berlin

Nette Berlinreise gehabt letzte Woche, halb privat, halb politisch; ein bissle Radnabel-PR war dabei. Letzteres begann schon mit der Anreise mit drei faltern im ICE, Bodo als Fotograf und – vor allem – Christophorus waren mit. Das Ganze war eine Gratis-Reise mit den Tübinger Linken zu unserer MDB Heike Hänsel. Als zuallererst in Anti-Kriegspolitik engagierte hat sie die Peace-Fahne jederzeit mit am Start (sie war es auch, die neulich im Bundestag diese Kundus-Plakataktion initiierte, deretwegen die gesamte Linke in der Folge von der Debatte ausgeschlossen wurde. Eine Aktion, die in der islamischen Welt großes Aufsehen erregte).

Straffes Programm, und doch noch Zeit für eigene Unternehmungen, den faltern sei Dank: gleich am ersten Abend Treffen mit den Vor-Ort-Freunden zu den traditionellen Kässpätzles, tags darauf die Ehrenloge in der Philharmonie. Und am Freitag – kurz nach der geschichtsverdächtigen Abstimmung im Reichstag über die Deutschen 150 Mia für den „Rettungsschirm“ – gab’s dann wirklich dieses kurze Wunschtreffen mit meinem Lieblings-Abgeordneten stroebele.jpgHans-Christian Ströbele. Den muss man – hoff ich doch – nicht weiter vorstellen: ehedem RAF-Verteidiger, Urgrüner mit schon zum zweiten Mal einzigem Grünem Direktmandat aus Kreuzberg. Und Radfahrer, darum ging’s natürlich bei dem Treff. Aber es war gleich klar: mit einem atl war da nicht zu punkten, gegen so einen Charakter-Schrottgöppel ist nicht anzukommen.

Ströbele erzählte auch gleich die Geschichte, wie die unerschütterliche Liebe zu SEINEM Rad endgültig zementiert wurde: zweimal durch Klau getrennt, sich zweimal wiedergefunden, beim letzten Mal durch Mobilmachung der kompletten Berliner Radlerscene mit promptem Erfolg nach nur ein paar Stunden. Nichts läge mir ferner als in so eine Beziehung einzugreifen. Doch Mitleid gab’s dann doch keines, als er sich beklagte, dass er sich seit Jahr und Tag bei der Bahn beklage, dass sein Rad nicht im ICE mitdürfe. Gemeinsam mit Henning Zierok (dem Rechtsaußen auf dem Viererbild), Heike Hänsels Mitstreiter und Initiator der „Kultur des Friedens“, verabredeten wir, eine Kampagne loszutreten: „Mandatsträger aufs Rad“, mal schauen.

Der Wichtigste auf dem Viererbild ist aber – jedenfalls für mich – der in der Bildmitte, mit dem ich wenig später in der Reichstag-Kuppel posierte – mit Handy: peinlich.

Sieger

Es war das Schönste an dieser Reise, sie mit ihm zu machen. War mein Liebster vor fast einem Vierteljahrhundert, kennt die Werkstatt von ganz früh, ist längst fürsorglicher Familienvater, und doch gehören auch wir ein Stück zusammen. War früher manchmal nicht ganz einfach miteinander, mal mehr für den einen, mal den andern. Inzwischen können wir’s einfach genießen.

Deutschlandreise wird geplant

Was fängt man auch an mit diesen langen dunklen Abenden? Man träumt von besseren Zeiten, beispielsweise vom nächsten Sommerabenteuer, besser: man plant das jetzt schon. Es gibt schon länger das Projekt einer Deutschlandquerung – per Rad versteht sich. Vielleicht wird’s ja dieses Jahr was: Start in TÜ Anfang August, Ziel am 21. kurz vor der Dänischen Grenze in Fresenhagen. Dort wird dann, wie leider schon seit dreizehn Jahren zwei Tage lang das Rio-Gedächtnisfestival steigen. Wer der Rio Reiser war, das weiß man hoffentlich – oder man mache sich schleunigst schlau, lese zB seine Autobiografie „König von Deutschland“, die noch kurz vor seinem Tod 1996 erschienen ist. Hier nur kurz das Wichtigste: Er war in früher Jugend zusammen mit seinen älteren Brüdern Verfasser der ersten Rockoper, später dann der Frontman der „Ton-Steine-Scherben“, DER 68-er-Band. Wer kennt nicht die Slogans „Keine Macht für niemand“ oder „Macht kaputt, was Euch kaputt macht“. Diese Band hat so viel bewegt damals, die Jungs waren zB immer dabei, wenn eine Hausbesetzung anstand, so beim Rauchhaus in Berlin – und eben auch hier in TÜ bei der Besetzung des späteren Epplehauses – noch heute Jugendhaus. Natürlich hab ich sie damals hier verpasst, war noch viel zu brav. Ich hab den Rio erst wahrgenommen, als es mit den „Scherben“ schon vorbei war, sie waren schlicht pleitegegangen, weil zu oft klar war, dass sie bei den immer politischen Anlässen für Umme spielten. Rio beschreibt so schön in seiner Biografie, wie er danach eines Nachts aufwachte und den Entschluss fasste, er müsse jetzt „auf den Strich“ gehen: Er begann eine Pop-Solokarriere, sein erster Hit – eben „König von Deutschland“ – kam sofort auf Platz eins der Charts. Das war im Werkstatt-Gründungsjahr 1986, und es war die erste Kassette, die hier rauf und runter lief, sie hatte der Claus angebracht, mein erster Mitschaffer. Rios neue Songs waren alles andere als Mainstream, sie waren meist politisch, auf eine eingängige Art eben. Mir imponiert bis heute, dass er immer ein Anliegen hatte, in seinen poetischen Texten hat er oft eine pessimistische Sicht auf die Weltentwicklung versteckt. Heute noch kann es passieren, dass ich manche Passage endlich zu verstehen glaube. Andere Songs waren Liebeslieder, die zu den schönsten zählen. Wer’s wusste, wusste das: die richteten sich immer an Jungs: Songs wie „Für immer und Dich“ oder „Junimond“ berühren mich immer wieder, wenn ich sie höre. Hätte die Werkstatt mich damals nicht voll beansprucht, ich hätte dem Größenwahn erliegen können, dem Rio klarzumachen, dass ich da gerne mit meinem E-Bass mitgemacht hätte. Schade, ich habe ihn nicht mehr kennen gelernt. Ich weiß nicht, woran Rio zuletzt eher zerbrochen ist, daran, wohin sich die Welt unaufhaltsam entwickelte, oder an seinen sicher allermeist unerfüllbaren Liebschaften. Ich möchte jetzt einfach mal da gewesen sein, wo er die letzten Jahre gelebt hat, wo er auch begraben ist, einem einsamen Hof ganz da oben, drum diese Tour. Dabei soll im besten Sinne der Weg das Ziel sein. Es gibt so viele Gegenden im Land, wo ich noch nie war. Ich stell mir einen großen Bogen nach Osten vor, da ich vor allem von dort noch fast nichts kenne. Dürften gut 1200 km werden, 60 km am Tag im Schnitt, nicht viel und doch genug, wenn man’s in einer Gruppe macht, und ich möcht eben auch Zeit haben zum Verweilen. Wir sind zZ drei oder vier, die das in Angriff nehmen wollen. Ich mach den Plan hier öffentlich, damit sich uns vielleicht noch ein paar mehr anschließen. Wenn man hier auf der Homepage gelandet ist und der Rio einem was bedeutet, dann seh ich keine Gefahr, dass man’s nicht drei Wochen mitnander aushalten könnte. Also, wenn wer Lust hat mitzukommen, bitte melden über „Kontakt“. Vielleicht machen wir dann vorab mal ein Radl-Wochenende zum Beschnuppern. Wir sind übrigens offen gegenüber „falschen“ Fahrrädern, es dürfen alle mit. Aber Vorsicht: es wäre nicht das erste Mal, dass es nach so einer Tour zu Spontankäufen kommt…

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