Cheflieger gemopst?

Das ist nun die Konsequenz, wenn man zuviel hat: man verliert den Überblick und merkt erst mal garnicht, wenn was fehlt. Wo ist der Chef-klassik-atl geblieben? Seit´s den falter gibt, den neuen Liebling, war er fast nur noch Winterrad und stand sommers oft im Weg, wurde drum meist über´n Tag mit allen anderen Übriggebliebenen vor die Werkstatttür gestellt. Vor ungefähr zehn Tagen hab´ich´s dann bemerkt: an seiner Stelle war´s merkwürdig leer. Wo ist der eigentlich, mein guter alter klassik? Ist er verliehen, wie so oft – mir fiel niemand ein. Hat ihn sich jemand geschnappt, der hier Zugang hat – von den Infragekommenden hat ihn nienand gemopst. Er muss wohl WEG SEIN! Bleibt dieser Fahndungs-Nachruf: Sollte jemandem ein klassik in ozeanblau (meergrün) begegnen, schaut doch mal auf die Rahmennummer 960700 unterm Tretlager. Besondere Kennzeichen: 1) da ist der wertvolle Prototyp des klassik-Faltsitzes mit den Hasenöhrchenlehnen drauf. 2) er hat das TA-68-Zähne-Angeber-Kettenblatt. 3) er hat die gute alte 92/93-Ausstattung, die immer noch funktioniert, weil wir hier an der Quelle zur „Müllverwertung“ sind. Schade, dieses Rad hatte den Ruf, am allerbesten zu laufen (logo: Chef-Lieger) und hat als langer Test-klassik so manchen Kunden akquiriert. Hätte ihn, den Vernachlässigten, saugerne wieder, jetzt, wo seine Winter-Einsatzzeit bald begänne. Nachtrag: Hier mal alle inzwischen vermissten atls:

klassik
900501
910308
910317
920705
920714
930149
930150
960700
960703
960718 mit Rohloff 016343 silber
960785

falter
13/13
31/31    mit Rohloff 072856 silber
64/64

 

Auflösung hier!

Testbericht mit Nachtritt

Wenn Sie nun diesertage hier gelandet sind, gehören Sie wahrscheinlich zu denen, die unserer Seitenaufrufstatistik jetzt mal wieder eine Delle nach oben bescheren. Und Sie landen hier, trotz dem, dass Sie in der „Radwelt“ (3/05 Seite 35) den Artikel über den falter gelesen haben. – Spaß beiseite, der ist gar nicht so daneben ausgefallen wie befürchtet. Man muss schon dankbar sein, heutzutage für sowas eine halbe Seite zu bekommen. Übrigens, es ist kein Geld geflossen, und es wurden keine Nachfolge-Werbeanzeigen in Aussicht gestellt. Aber, als vor zwölf Jahren unser klassik hoch gelobt wurde, tat man das noch auf vier eng beschriebenen Seiten. Immerhin, im Gegensatz zu dem, was letztes Jahr in „Aktiv Radfahren“ über den falter stand, ist diesmal das Meiste auch korrekt. Dass da gleich zu Beginn unser „Anspruch“ thematisiert ist, erfreut uns (das zieht sich hier in den benachbarten Seiten durch als roter Faden). Leider fehlt dann doch zweierlei: Erst mal: Ein Bild vom Faltknäuel, aber das gibt´s hier auf der falter-Seite. Vor allem aber fehlt komplett die zweite Hälfte: Die Verkleidung. Die ist alles andere als unwesentlich. Denn die erst verleiht dem Rad seine Allroundtauglichkeit, macht es bei jedem Wetter und ganzjährig verwendbar. Dann erst geht´s wirklich ohne Auto, DAS ist unser „Anspruch“. Natürlich muss in jedem Test auch was kritisiert werden. Leider ist das mit schöner Regelmäßigkeit stets dasselbe: Das mutmaßliche Lenker-Knie-Kollisionsproblem. Es ist schon ein bissle lästig, immer wieder darauf eingehen zu müssen. Es ist das typische Anfängerproblem, fast alle Neu-Probefahrer haben da erst mal Schwierigkeiten. Wenn sie dann ein paar Stunden Gewöhnung haben, ist es gegessen. Wie sonst könnten wir sechzehn Jahre lang unsere Räder so bauen, wenn da wirklich ein Problem wäre? Unsere Lenkgeometrie IST ausgefuxt! Ich glaube, selbst im Suff fahre ich Ihnen einen 2m-Radius-Kringel. Solche Radien gehen sowieso nur im Lauftempo. Dann darf man doch auch die Füße von den Pedalen nehmen, auf die Fahrbahn stellen und sitzend „gehen“. Dass dies geht, ist doch gerade ein Vorteil unserer Räder. Und sie sind – wenigstens unbeladen – einfach am Lenker angehoben ausbalanciert, und wegen des tiefen Durchstiegs KÖNNEN sie einfach über dem Rad stehend auf der Stelle gewendet werden, MÜSSEN aber nicht. Nun, leider erreichen die Profitester der Radzeitungen aus Zeitgründen nie diese Gewöhnungsreife. Es ist schon blöd, dass sich so ein Vorurteil nach mehreren Testberichten dann manifestiert. Andererseits: Wir können doch damit leben, wenn es sonst nichts Kritisierbares gibt, und der einzige Kritikpunkt garkeiner ist.

Nichts Neues

Und das brachte die diesjährige Spezi dann auch noch. Alljährlich wird unter Zeitnot in der Woche zuvor die aktuelle Ausgabe der Prospekte zusammengeflickt. Unser Messemotto dieses Jahr lautete: „NICHTS NEUES, längst perfekt“. So gab es dieses Mal Änderungen fast nur in den Preislisten. Die waren allerdings überfällig. Beim klassik haben wir die Preiserhöhung moderat gehalten. Bei den Verkleidungen hatte es in den zwölf Jahren, seit wir die bauen, nie eine Anpassung gegeben. Deshalb darf die Erhöhung hier schon auffallen. Und beim Falter – das steht in der News vom 20.02.2005 bereits – war eine deutliche Annäherung an unseren tatsächlichen Aufwand notwendig. Natürlich macht man sich so seine Gedanken, ob man mit solchen Preisen noch zeitgemäß ist, wenn die potentiellen Kunden erschreckend schnell verarmt werden (die, bei denen unser Geld landet, fallen ja per se wegen Skrupellosigkeit als Anwärter auf ein autofreies Leben aus). Und doch kann man so hochpreisige Räder nach wie vor guten Gewissens anbieten, denn sie funktionieren. Der atl war von vorn herein als Allrounder konzipiert: nur ein einziges Rad für alle Anwendungen, rasch den verschiedenen Gebrauchssituationen anpassbar, der treue Begleiter in allen Lebenslagen. Man gibt einmal unverschämt viel aus und hat dann ziemlich Ruhe. Bei manchen rückt erst mit so einem Rad ein autofreier Alltag in den Bereich der Zumutbarkeit. Und unsere Vielradler-Kunden sind schnell bei km-Preisen unter 10 Cent angekommen. Ganz stolz sind wir auf unsere Hartz4-Kundschaft. Da gibt´s erstaunliche Existenzen mit erfrischend unüblichen Wertungen. Man ernährt sich kostenlos von dem was beim Vortages-Halbpreisbäcker am zweiten Abend immer noch übrig ist, lebt fast mietfrei im zugigen Gartenhäusle, aber man leistet sich gleich zwei atls! Der Trend geht sowieso zum Zweit-atl, seit´s die falter gibt. Und man munkelt auch schon, diese Räder zu besitzen, sei eine sichere Wertanlage.

Habemus…

HABEMUS DYNAMEM – oder so ähnlich! Während sich der Rest der Tübinger an einem Papst ergötzt, der in den Sechzigern hier mit dem Radl durchs Städtle fuhr, wird bei uns hurtig eingespeicht und tags darauf in Germersheim (die SPEZI, Spezialradmesse , alljährlich am letzten Aprilwochenende, unser Jahresauftritt) eine Weltneuheit präsentiert. Just in time – wie verabredet – hatte unser befreundeter Nachbar den Prototypen unserer Wunschkomponente Nr1 fertig: den kleinen Spezial SON-Nabendynamo, an dem die I-Brake der Srams angeflanscht wird. Da sind wir nun endlich, das Vorderrad betreffend, wunschlos glücklich. Lange hat´s gedauert. Vor 10 Jahren musste ich anfangen – damals noch bei Sachs – zu nerven. Die hatten gerade den Kahlschlag bei ihren guten alten Trommelbremsen eingeleutet, wegen unsportlichen Images, wie sie sagten. Seit damals lag ich regelmäßig den wechselnden Product-Managern in den Ohren und drängte auf die Nachfolge-Nabenbremse hin. So habe ich den Werdegang der I-Brake aus der Ferne stets mitverfolgt, die konstruktiven Irrwege, bis nun wieder eine altbewährte Trommelbremse daraus wurde – mit vielen echten Verbesserungen gegenüber den alten. Die wichtigste: die I-Brake ist nicht in eine Nabe integriert, sie kann statt dessen an allerlei Naben angeflanscht werden. Und da lag es nahe, bei den Schmidts anzuklopfen und so dem I-SON zum Leben zu verhelfen. Davon testen wir jetzt die ersten zwei Prototypen. Bis in drei Monaten soll die erste Serie über die Bühne gehen. Die Bremse macht bis jetzt einen sehr guten Eindruck. Sie ist weich zu dosieren und hat Reserven, locker bis zum Blockieren. Sie ist äußerst preiswert (made in China) und sicher ähnlich langlebig wie ihre Vorgängerinnen.

I-SON

I-SON

Im Winter atln

Jetzt müssten wir ja wohl bald durch sein: „Mit dem atl durch den Winter“ war dieses Jahr ein ausgiebeger und variantenreicher Selbstversuch, und der verlief rundum zufriedenstellend. Ein All-Tags-Lieger muss eben jeden Alltag bewältigen, nur dann ermöglicht er den gänzlichen Autoverzicht, und nur dann kann sich ein so teures Fahrzeug rechnen! Für die Jahreszeit erstaunlich viele Transportfahrten waren zu erledigen: georderte Rahmen zum Sandstrahlen, Galvanisieren und Pulverbeschichten bringen und wieder abholen. All das erledigen wir mit dem Rad, bei jedem Wetter. Es sind Fahrten in die umliegenden Städte: Rottenburg (15km entfernt), Reutlingen (15km) und Pfullingen (20km). Das Transportgut – bis zu drei Rahmensätze – kommt in eine Kiste, die vorn auf die runtergeklappte Frontverkleidung gestellt und verspannt wird. Wenn´s regnet oder schneit, wird die Kiste wasserdicht eingepackt, und der Fahrer stülpt sich das Cape über (im Spektrum hat´s das passende Bild „Transport im Regen“). Variantenreich waren die diesjährigen Winterfahrten in sofern, dass alle erdenklichen „Straßen“-Verhältnisse vorkamen: feste Schneedecke (herrlich), angetaut Matschiges (der wahre Kampf), getautes wieder Gefrohrenes (Vorsicht) oder Schneeverwehungen (da waren einmal 300m zu schieben). Es war aber nie nötig, auf die geräumten Autostraßen auszuweichen, es war zu machen, wie immer die Radwege abseits in einsamer Natur zu benützen. Alles was einem da begegnete, waren Langlaufskifahrer – und ein einziger Mountainbiker. Ich wollte schon denken, na ja, der hat jetzt wohl doch einen kleinen Vorteil – der tiefer sitzende kommt halt schneller in Schräglage, dafür haben wir doch meist die Füße noch rechtzeitig am Boden. Da, kurz bevor wir aneinander vorbeigefahren wären, machte es wutsch, und er lag im Schnee! Das A&O sind natürlich taugliche Winterreifen, die gibt´s längst auch für die 20″-Fraktion mit erstaunlich guten Rolleigenschaften. Ganz selten hätte man sich Spikes gewünscht. Ich bin Anfang Winter mit der entsprechenden Bitte an Schwalbe herangetreten, die betreuen uns Kleine bestens. Und es könnte sein, dass wir bereits nächstes Jahr unsere 20″-Spikesreifen bekommen. Bleibt zu hoffen, dass der nächste kalte Winter nicht wieder ein Jahrzehnt auf sich warten lässt – aber der versiegende Golfstrom wird´s schon richten??

ADFC und Radwelt

Habe gestern eine Gewalttour hinter mich gebracht: 14 Stunden im ICE nach Bremen und zurück an einem Tag, natürlich mit falter + delfin im Gepäck. Dort gab´s zwei Stunden Aufenthalt in der „Zentrale der Macht“ beim ADFC und der Redaktion ihrer Vereinszeitschrift RADWELT. Unser „Ressortleiter Öffentlichkeitsarbeit“ und Hartz4-Null-Euro-Prakti Bodo, hatte die Chefredakteurin Alexandra Kirsch so lange mit Mails und Telefonaten eingedeckt, dass wir nun tatsächlich dort den falter präsentieren durften. Bodo, der falter+tramp-Pendler zwischen TÜ und HH, kam aus der Hansestadt angereist. Ein exquisites Exemplar des falter hatte ich mitgebracht: auf Kundenwunsch haben wir versuchsweise den Rahmen komplett vernickelt und anschließend mit transparentem Pulver beschichtet, sehr technische Optik nur Metall und schwarz, sehr edel. Frau Kirsch erklärte sich gleich als technisch nicht kompetent und verwies, obwohl die ganze Zeit anwesend, an einen jungen Kollegen, der sich sehr ausführlich alles erklären ließ und gezielt nachfragte. Wenn auch für ihn Liegeräder bisher eher fremd waren, war er doch vom Faltmaß angetan und redete gleich von Fernreisen usw. Da musste ich dann doch mein Sprüchlein loswerden, dass ich es lange müde bin, dass mir die einschlägigen Zeitschriften immer nur mit Freizeit, Genießen, Spaß und Fun kommen. Frau Kirsch meinte nur, Ernstes und Politisches verkaufe sich nicht. Doch muss sie ja garnichts verkaufen, wenn ihre Zeitschrift zunächst mal alle Mitglieder des ADFC automatisch erhalten. Und ich denke doch, ich bin nicht dessen einziges Mitglied, dem an ERNSTEM RADELN gelegen ist. Der ADFC versteht sich ja wohl schon noch als politischer Verein. Warum muss dann die Vereinszeitschrift dieses Freizeit-Image pflegen, das so weit von den Vereinszielen entfernt ist? Ich als einfaches Midglied wäre z.B. letzten Winter beinahe aus dem Verein ausgetreten, als die RADWELT sich folgendes leistete: zum Thema Radfahren im Winter gab´s ein Titelbild mit zwei Mouny-Yuppies, die vermutlich per Heli auf irgendeinem Alpengipfel ausgesetzt waren, und die nach zwei Metern Radeln sich hatten in den Tiefschnee fallen lassen. Der Humor, sowas witzig zu finden, geht mir ab. Na, mal sehen, was da demnächst in der RADWELT über unseren falter steht…

Gedenken an Ralf

Ein gutes Stück ihrer Seele hat die Werkstatt nun verloren. Noch bevor der atl-Prototyp zu Ende geboren war, kam vor 16 Jahren der Ralf, damals gerade 17-jährig, hier hereingeschneit. Ich habe mich gleich in ihn verliebt. Er konnte dies nicht erwidern, konnte aber damit umgehen, weil er „sowas“ schon kannte. Wir gewöhnten uns aneinander, und es wurde eine lange, sehr enge Freundschaft daraus, dem Findelkind wurde ich zum Ersatzvater. Ich bin stolz darauf, dass die Werkstatt ihm ab sofort und nun für fast sein halbes Leben zur Ersatzheimat wurde. Er hatte von Geburt an Schlimmes durchgemacht, war unehelich gebohren zur Adoption freigegeben worden, hatte sein erstes Dreivierteljahr ohne Bezugsperson im Bettchen gelegen, bevor ihn die Schumachers in Wiesbaden adoptierten. Sie haben sich danach 13 Jahre lang alle erdenkliche Mühe mit ihm gemacht, und haben letztendlich kapituliert. Es schloss sich seine zweite Heimkariere an, bis zum therapeutischen Segeln im Mittelmeer und der Rund-um-die-Uhr-Einzelbetreuung. Ralf blieb nun bei mir und arbeitete fortan in der Werkstatt mit. Er war begnadet geschickt bei der Metallerei, dem Löten, dem Fahrradschrauben. Die Räder wurden sein Ein und Alles, wenn ihn auch modebedingt mehr die Mounties und BMX-Räder faszinierten. Zusammen – es waren noch andere dabei – knüppelten wir die erste atl-Serie durch. Vielleicht war das seine glücklichste Zeit. Nebenher wurde aber auch das Feiern mit seinen Kumpeln wichtig, das tägliche Feierabendbier gab´s immer früher. Der Werkstatt fehlte es leider bald am gebührenden Umsatz, um Mitarbeiter zu halten. Damals erst, vor 10 Jahren, als ich gezwungen war, die Werkstatt alleine weiterzuführen, wurden seine Probleme mit dem Alkohol sichtbar. Und schon damals redete er über seine Todessehnsucht, wir waren also schon lange vorbereitet. Aber ich hatte für mich beschlossen, ich bringe es mit ihm zu Ende, so oder so. Nun hatten wir zusammen immerhin noch ein Jahrzehnt, mit dramatischen Tiefen, aber auch sehr schönen Zeiten. Zwischen langen Absturzphasen hatte er immer wieder ganz klare Zeiten. Bald hatten wir die Vereinbarung, dass er mir die schlimmen Phasen erspart, dann herrschte Funkstille (war das letztendlich mein Fehler?). Oft habe ich den Beginn der klaren Lebensabschnitte auszulösen vermocht, weil ich diese Funkstille nicht länger ertragen habe: Ich musste nur dort auftauchen, wo er sich mit seinen „Kumpels“ aufhielt, und am nächsten Morgen kam er mit klarem Kopf zum Werkstattkaffee. Meist wurden daraus gute Wochen, wo wir viel zusammen waren und zusammen gearbeitet haben. Neben dem Radbauen hat er sein künstlerisches Talent entwickelt, er fing an, aus den Metallabfällen phantasievolle Skulpturen zu schweißen. Meistens waren es Menschen, oft sehr abstrakte, auf den zweiten Blick als solche zu erkennen, die er da erschuf, oder die „Weltkugel“, hohl, nur die Kontinente, durch feine Drähte zusammengehalten. Einige Kunstwerke hat er verschenkt an die Menschen, die ihm wichtig waren. Die meisten blieben in der Werkstatt, in allen Ecken stehen originale „Ralfs“. Trotzdem ging es mit ihm allmählich bergab, er holte sich nach und nach bleibende körperliche Beschädigungen. Der Moment der entgültigen Entscheidung rückte immer näher. Den letzten Schub gab ihm erst vor Kurzem die Ansteckung mit Hepatitis. Als er mir davon berichte, habe ich ihn ein letztes Mal unter Tränen erlebt. Nun hatte er auch dem Heroin, der bisherigen Horrordroge, nicht länger standgehalten. In diesen Tagen haben wir sehr konkret über´s Ende und das Danach geredet. Das ist erst sechs Wochen her. Er hatte da noch einmal gute Wochen, lief nochmal zu alter Form auf, als er für die Werkstatt und damit für mich ein letztes Mal ein kniffliges Vorrichtungsproblem löste. Dann kam sein letzter Absturz. Und ich habe dieses Mal standgehalten: Zum ersten Mal habe ich ihn über die beschissene Weihnachtszeit alleine gelassen. Mein Plan war, ihn danach mit Hochdruck zur anstehenden, sehr schmerzlichen Hepatitis-Therapie zu drängen. Es hätte den bedingungslosen Alkoholverzicht bedeutet. Ein kleiner Wink in diesen Tagen hätte vielleicht auch diesmal genügt, wieder umzusteuern. Für wie lange? Vielleicht für immer! Der Moment der Entscheidung war jetzt da. Ralf hat Neujahr noch überlebt. Am Morgen danach fand man ihn, es war schon zu spät, noch mit der Spritze in der Hand. Als es nur der Alk war, hatte er zu oft einfach nur Glück, dass man ihn immer wieder gerade noch rechtzeitig irgendwo fand. Nun hat er ein einziges Mal Pech gehabt, einmal reicht. Niemand war da. Ich war nicht da! Sicher hast Du schlimme Dinge gedreht. Für die meisten hast Du im Knast gebüst. Und doch hast Du gekämpft um ein anständiges Leben. Für Viele gab es nur den Ralf als Kotzbrocken, die haben Dich wohl nie weinend erlebt und wie Du versucht hast, hart mit Dir zu sein. Was mag es Dich Anstrengung gekostet haben, Dich immer wieder runter zu dosieren. Du hast es immer für Dich behalten. Wir waren uns einig, dass wir an nichts glauben, weil wir uns nicht selber bescheißen wollten. Es blieb die Hoffnung, dass mit dem Ende auch die Leiden ein Ende haben. Ralf, hast Du jetzt Ruhe? Was wäre ich freudig überrascht, wenn wir uns, wie auch immer, noch einmal begegnen. Es war so schön, dass es Dich gab.

10. November 1971 Ralf Paul Schumacher 2. Januar 2005

10. November 1971 Ralf Paul Schumacher 2. Januar 2005

Im Fernsehen

Am Sonntag 05.09.04 gibt’s Radnabel auf TV. Mal wieder: Zur Volksbelustigung eignet sich so ’ne Firma ja prächtig. Diesmal könnte es aber halbwegs ernst zu nehmen sein. Da gibt’s zur besten Sendezeit nach dem Sonntagsbraten um 13.45 auf ARD die Sendung „Bilderbuch Deutschland“, diesmal mit einem Tübingen-Portrait. Haben die Ehre, da dabei zu sein. Die Regisseurin hat mich da beim Interviewteil in Verlegenheit gebracht, als sie nochmal genau wissen wollte, wie das denn jetzt zu verstehen sei, dass, kein Blut im Irak für’s Restöl opfern zu müssen, andererseits bedeutet, dann nimmer Auto zu fahren, und dies der ATL vielen erst ermöglichen könnte. Bei ihren späteren Anrufen zum nachrecherchieren beteuerte sie, dass sie mein Gestammel tatsächlich zu senden gedenkt: Ein Lob auf die Öffentlich Rechtlichen!

PR und Wochenende

Jetzt ist bei Radnabel „Erntedank“: Letzten Freitag unternahmen Bodo und ich die lang gehegte Expedition nach Regensburg. Dort ansässig ist die Redaktion der Zeitschrift „Aktiv Radfahren“. Wir reisten an per Bahn mit drei faltern + drei kompletten Verkleidungen + Zelt, Isomatten und Schlafsäcken. Bei der Redaktion wurden wir sehr herzlich aufgenommen. Der Chef-Redakteur, Daniel Fikuart, kümmerte sich persönlich um uns und war sehr angetan vom falter, sein Fotograf machte gleich ausführlich Aufnahmen vom roten Erstling in allen Faltstadien. Unser gelber Prototyp ist nun erstmal dort zum Test. Wir haben Grund zur Hoffnung auf eine gute Besprechung in einer der nächsten Ausgaben der „Aktiv Radfahren“. Tip: mal reinschauen! Anschließend gab’s eine Bilderbuch-Mai-Tour vor Ort, die uns Daniel Fikuart vorschlug, durch Naab- und Vilstal nach Neumarkt, der Stadt der legendären Express-Räder und weiter am Ludwig-Main-Donau-Kanal bis zum Altmühltal und dieses weit aufwärs, bis wir uns irgendwann in den Zug zurück setzen mussten. Unsere Allwetterverkleidungen waren einen halben Tag lang von großem Nutzen!

Veröffentlicht unter test

Faltlieger-Wettbewerb, der zweite

Während der „Spezi 2004“ fand dieses Jahr ein zweiter Faltliegerwettbewerb statt (2002 ging der erste klar an unseren falter).

Faltwettbewerb 2002

Faltwettbewerb 2002

Dagegen habe ich mich im Vorfeld heftig gewandt, da mir die Wettbewerbskriterien nicht einleuchtend waren: gewertet wurden dieses Mal nur die Faltzeit, das Faltmaß und das Gewicht. Ob und wie die Konstrukte fahrbar sind, spielte keine Rolle, ganz zu schweigen von einer umfassenden Alltagstauglichkeit, wie sie der atl-falter bietet. Bis zuletzt habe ich mir die Teilnahme offengehalten und dann doch beschlossen, die Gelegenheit zu nutzen, unseren falter erneut zu präsentieren. Nun, einen solchen Wettbewerb kann unser falter nicht gewinnen. Aber, unter solchen Bedingungen dennoch den Dritten zu machen, gereicht dem falter zur Ehre! Dokumentiert sind nun seine Faltzeiten von 35s fürs Einfalten und 30s fürs Auffalten. Nächstes Jahr gibt’s vielleicht ein Spruchband auf unserem Messestand: „Verlierer des Faltliegerwettbewerbs 2004“. Wer uns darauf anspricht, kann sich unsere detailierten Ansichten zu diesem Wettbewerb anhören…