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News and Infos

vorab... ... ein Wegweiser: Näheres zu unseren zwei atl-Modellen finden Sie über obige Menueleiste unter "atl-klassik" und "atl-falter". Unter "atl-Verkleidungen" erfahren Sie mehr über shark und delfin, die beiden speziell für unsere Räder konzipierten Allwetterverkleidungen. Bei "atl-Spektrum" finden Sie Bilder, zunächst von Ausstattungs-Beispielen unserer Räder, dann der Räder in allerlei Gebrauch-Situationen, und zuletzt noch ein Mix weiterer Bilder. Über "Preise" finden Sie auch eine Preisliste als pdf zum downloaden. Ganz unten auf dieser Startseite finden Sie im "Downloadbereich" pdfs der Papierprospekte über unsere Räder. Dort ist auch eine Auswahl hochauflösender Bilder hinterlegt. Und was sich bis da unten als Bleiwüste in schier endlose Tiefen erstreckt, hat's in sich! Die wirklich wichtigen news - die politischen und die traurige - sind fettgedruckt und somit leicht auffindbar. Immer mal ist ein Link auf weitere Bilder versteckt...

Und wer garantiert nichts verpassen will, sollte etwa wöchentlich hier vorbeischauen, um "Das aktuelle Bild" anzusehen, welches nicht immer mit Fahrrädern zu tun haben muss.

Bis Anfang April 2011... ... muss an dieser prominenten Stelle hierauf hingewiesen werden: Wer vor hat, in absehbarer Zeit eine Verkleidung zu ordern, sollte dies noch vor April tun. Denn ab Mitte dieses Monats wird Alfred Schaefer von "AWS" , der die sharks und delfins fertigt, "dann mal weg" sein: auf einem halbjährigen Segelturn durch die halbe Welt, der Glückliche. Erst ab Oktober können dann wieder Bestellungen bearbeitet werden.

28.12.2010 USA-Schneestürme, hierzulande Frostwinter in Serie und der diesjährige Piss-Sommer, es manifestiert sich inzwischen: die Sonne mag nicht mehr so richtig bis auf weiteres. Die Sonnenflecken bleiben tatsächlich weitgehend aus. Hierzu nochmal lesen: den letzten Abschnitt der news vom 03.02.2010. Aktuelles zu diesem Phänomen, dessen Ausmaß noch nicht absehbar ist zB in diesen Spiegel-Artikeln unter den Titeln:
"Klimaforschung, Experten prophezeien lange Sonnenschwäche"
und:
"Erderwärmung, so beeinflussen Sonnenflecken das Weltklima".
Oder in die Suchmaschine mit "Sonnenflecken".

06.11.2010 Möchte doch noch etwas schreiben über das letzte Wochenende (28. - 30. 10.). Habe teilgenommen an der dreitägigen Konferenz "Auto.Mobil.Krise" in Stuttgart, veranstaltet von der Rosa Luxemburg Stiftung und der Bundestagsfraktion der Linken. Es war eine parteiübergreifende Konferenz unter internationaler Beteiligung: eine wichtige Konferenz. Und es war mein Thema. Darüber, dass die Linke diesen Komplex überhaupt zum Thema macht, war ich vorab schon positiv überrascht. Vor Ort dann hat mich der geballten Sachverstand dann nochmals erstaunt. Sowohl die Referenten, als auch wir, das Publikum, waren durch die Bank vom Fach. Was mich dann aber wirklich überraschte, war die fast einmütig pessimistische Einschätzung gegenüber einer automobilen Zukunft (genauer gesagt: einer künftigen Massen-Automobilität. Mobilität ist ja schon heute für Ärmere nicht mehr vorgesehen). Habe das Wort "Konversion" kennengelernt, was soviel bedeutet wie gemeinschaftliche Anstrengungen bei einen Übergang in ein anderes Zeitalter, vor allem die wegfallenden Arbeitsplätze in der Automobilindustrie betreffend. Mancher Gewerkschafter tat sich noch schwer, sich diesen Veränderungen zu stellen, die schon in den nächsten 15-20 Jahren der Autobranche ins Haus stehen. Richtig klasse war gleich der Konferenzstart am Donnerstagabend mit einer Crash-Runde: jeder konnte sich einen Sachverständigen für eine halbe Stunde exklusiv buchen zum Vier-Augen-Gespräch. Musste mir erst mal klar werden, ob ich mich das traue und habe mir dann den Winnie Wolf gekrallt, früher MDB der Linken, nach wie vor Bahn-Spezialist (Bürgerbahn statt Börsenbahn) und als solcher allererster S21-Gegner seit 94 schon: super. Am Samstag gab es eine Runde, in der das Elektro-Auto sachgerecht zerlegt wurde (da sollte eigentlich Hermann Scheer die positivistische Seite übernehmen, diese war nach seinem plötzlichen Tod praktisch nicht mehr vertreten - er hätte einen schweren Stand gehabt). Die Mühe des Zerlegens machte sich in vorderster Front Wolfgang Lohbeck von Greenpeace, seinerzeit Initiator des ersten FCKW-freien Kühlschranks, der sich nun als neue Aufgabe die Illusion einer Massen-Elektromobilität ausgesucht hat. Anknüpfend an seinen Vortrag konnte ich mir es nicht verkneifen, unter allgemeinem Schmunzeln dann auch noch das Letztverbliebene mitzuzerlegen: das Elektro-Fahrrad.

27.09.2010 Es ist passiert: Heute stand die wichtigste Botschaft unseres Zeitalters zum ersten Mal im Spiegel. Aufmerksame Leser der radnabel-news kennen sie schon lange. Hier die Kurzversion, wie sie Heute in Heft 39/2010 auf S 8 gleich oben als Auszug meines Leserbriefs zu finden ist:

Die Fragestellung müsste sein: "Wieviel Energie ist aufzuwenden, um hinterher wieviel Energie zu erhalten?". Wenn man an der irreführenden Fragestellung festhalten will: "Wieviel kostet wieviel regenerative Energie?", dann muss man bitteschön mit diesen bereits in naher Zukunft drastisch steigenden Energiekosten rechnen.
Tübingen Dieter Bruno Baumann

Aber, wer versteht das so? Der komplette Leserbrief sah so aus:

Betrifft: Titel Nr. 38/20.9.10 "Der teure Traum von der sauberen Energie"

Leserbrief

Sie schreiben S 90, Spalte 3: "Machbar ist sie, die Energiewende, das räumen sogar die größten Skeptiker ein".

Da ist Ihnen offenbar eine deprimierende Tatsache noch nicht bekannt:

Der Aufbau der regenerativen Netze erfordert nicht nur Menpower und Geld, sondern leider auch eine Menge Energie als Vorleistung. Energie, die irgendwo abgezweigt werden muss. Wie soll das noch gehen, jetzt, nach peak oil? Sobald die Krise "überwunden" ist und die Turbo-Wirtschaft wieder brummt, werden wir merken, dass mittlerweile die Ölnachfrage das Angebot übersteigt. Im Spiegel konnte man bereits von 200 Euro pro Barrel in naher Zukunft lesen.
Die richtige Fragestellung müsste sein: "Wieviel Energie ist aufzuwenden, um hinterher wieviel Energie zu erhalten?" (EROEI, energy retourn on energy in). Wenn man an der irreführenden Fragestellung festhalten will: "Wieviel kostet wieviel regenerative Energie?", dann muss man bitteschön mit diesen bereits in naher Zukunft drastisch steigenden Energiekosten rechnen. Wir haben den Zeitpunkt eines schmerzfreien Umstiegs auf die Regenerativen eben doch schon verpasst.

Logisch: diesen letzten Depri-Satz darf man eben doch noch nicht sagen.

01.09.2010 Wir haben's geschafft: standen am 20. August abends an Rios Grab im Garten des reetgedeckten Hofes in Fresenhagen ganz im Norden Schleswigholsteins (news vom 06.01.2010: lesen!). Es war Rios vierzehnter Todestag. Dieses Jahr in stillem Gedenken, denn sie sind mal wieder pleite da oben (aller Ehren wert in diesen Zeiten!). Statt des schon traditionellen Festivals war in diesem Jahr eine Krisensitzung der Hinterbliebenen angesetzt. So hatten wir die Ehre, ua die beiden Rio-Brüder Gerd und Peter Möbius (Rio = Ralph Möbius) ganz aus der Nähe zu erleben. Wir durften sogar einer Privatführung Peters durchs Museum beiwohnen, da gab's manche sehr private Zusatzinfo. Die perfekte Belohnung für 17 regennasse Radeltage einmal längs durch die Republik. Deren private Eindrücke werden hier nicht ausgebreitet. Was aber interessieren könnte:

Sehr zu empfehlen so eine Reise durchs Heimatland, wo alle 2-3 Tage liebe Bekannte wohnen, bei denen man abends die Beine untern Tisch strecken darf. Danke Euch!

Nass war's, wie gesagt: ua zwei Tage in Folge kompletter Dauerschauer, der perfekte Test für die Verkleidungen. Verbesserungs-Wünsche und -Vorschläge wurden nach Rückkehr umgehend an AWS weitergeleitet. Gibt sicher bald wieder eine Entwicklungssession am Starnberger See.

Habe als ansonsten nach Süden orientierter Sonnengläubiger nun endlich einmal das Wind-Thema da oben im Flachland am eigenen Leib kennengelernt. Schon faszinierend, tagelang im Wind zu radeln - begleitet immer wieder von Regenschauern - , wo's mit dem Wind sicher viermal so schnell ginge.

Noch was politisches, das ich mir nicht verkneifen kann: habe mir während des Durchquerens des Landes auch diese "Brille" aufgesetzt: "Wo sind eigentlich die behaupteten 99,?? % nicht genutzte Sonnenenergie, von denen die Regenerativen-Lobbyisten so gerne schwafeln?". Sie sind annähernd nicht vorhanden! Praktisch alles ist Kulturland, wird genutzt, sei's als Mega-Getreidefelder im Osten, stinkende Agrardiesel-Rapsfelder, Wälder, Wiesen, alles wird genutzt, sogar auf den Deichen mähen Unmengen von Wollespendern freiwillig die Rasen, bevor wir sie verspeisen. Bleiben zum Mehr-Sonne-Einfangen gerade mal die Dächer (wird gemacht), die Straßen, die Fußball- und die Golf-Plätze.

Ach ja, das noch, kleiner Leistungsbericht. Da stand im Harz der Brocken so verlockend im Weg. Es war einer seiner wenigen unbenebelten Momente, ich musste da rauf, während die andern weiterzuckelten. Gepäck in die Büsche und los. Bilanz: unter reger Anteilnahme von xxxx Wanderern eine Pferdekutsche, ein Faltrad, drei Mounties und fünf Rennräder, ja was wohl: versägt natürlich.

PS: In Bezug auf den vorletzten Abschnitt kamen Suggestiv-Rückfragen zu meinem gestörten Verhältnis gegenüber den Regenerativen. Dazu ist ja eigentlich genügend in älteren news ausgeführt, mein Lieblingsthema. Hier noch einmal kompakt (wie ich es einem E-atl-Kunden zurückschrieb):

"Gegen alternative Enregieerzeugung bin ich natürlich garnicht! Aber ich verwahre mich vehement gegen diese positivistische Message der Wohlfühlökos, nachdem das schon irgendwie gehen wird, verleugnend meine Einsicht, dass der Umbau auf die Regenerativen nur dann noch einigermaßen erträglich gelingen kann, wenn wir auf Verprassen verzichten. Sonst erwartet uns eben ein Energieengpass, der vielen Menschen das Leben kosten wird. Davor wird man doch warnen dürfen?

Und genau darum finde ich es goldrichtig, mich für diese besseren Fahrräder zu engagieren. Weil die Motormobilität eben das Erste (weil Unnötigste) ist, wo wir das Verprassen am schmerzfreiesten verringern können.

Natürlich müssen die Regenerativen her, aber Verzicht auf Verprassen hat mindestens als flankierende Maßnahme allerhöchste Priorität!"

28.05.2010 Nette Berlinreise gehabt letzte Woche, halb privat, halb politisch; ein bissle Radnabel-PR war dabei. Letzteres begann schon mit der Anreise mit drei faltern im ICE, Bodo als Fotograf und - vor allem - Christophorus waren mit. Das Ganze war eine Gratis-Reise mit den Tübinger Linken zu unserer MDB Heike Hänsel . Als zuallererst in Anti-Kriegspolitik engagierte hat sie die Peace-Fahne jederzeit mit am Start (sie war es auch, die neulich im Bundestag diese Kundus-Plakataktion initiierte, deretwegen die gesamte Linke in der Folge von der Debatte ausgeschlossen wurde. Eine Aktion, die in der islamischen Welt großes Aufsehen erregte).

Straffes Programm, und doch noch Zeit für eigene Unternehmungen, den faltern sei Dank: gleich am ersten Abend Treffen mit den Vor-Ort-Freunden zu den traditionellen Kässpätzles, tags darauf die Ehrenloge in der Philharmonie. Und am Freitag - kurz nach der geschichtsverdächtigen Abstimmung im Reichstag über die Deutschen 150 Mia für den "Rettungsschirm" - gab's dann wirklich dieses kurze Wunschtreffen mit meinem Lieblings-Abgeordneten Hans-Christian Ströbele . Den muss man - hoff ich doch - nicht weiter vorstellen: ehedem RAF-Verteidiger, Urgrüner mit schon zum zweiten Mal einzigem Grünem Direktmandat aus Kreuzberg. Und Radfahrer, darum ging's natürlich bei dem Treff. Aber es war gleich klar: mit einem atl war da nicht zu punkten, gegen so einen Charakter-Schrottgöppel ist nicht anzukommen. Ströbele erzählte auch gleich die Geschichte, wie die unerschütterliche Liebe zu SEINEM Rad endgültig zementiert wurde: zweimal durch Klau getrennt, sich zweimal wiedergefunden, beim letzten Mal durch Mobilmachung der kompletten Berliner Radlerscene mit promptem Erfolg nach nur ein paar Stunden. Nichts läge mir ferner als in so eine Beziehung einzugreifen. Doch Mitleid gab's dann doch keines, als er sich beklagte, dass er sich seit Jahr und Tag bei der Bahn beklage, dass sein Rad nicht im ICE mitdürfe. Gemeinsam mit Henning Zierok (dem Rechtsaußen auf dem Viererbild), Heike Hänsels Mitstreiter und Initiator der "Kultur des Friedens" , verabredeten wir, eine Kampagne loszutreten: "Mandatsträger aufs Rad", mal schauen.

Der Wichtigste auf dem Viererbild ist aber - jedenfalls für mich - der in der Bildmitte, mit dem ich wenig später in der Reichstag-Kuppel posierte - mit Handy: peinlich. Es war das Schönste an dieser Reise, sie mit ihm zu machen. War mein Liebster vor fast einem Vierteljahrhundert, kennt die Werkstatt von ganz früh, ist längst fürsorglicher Familienvater, und doch gehören auch wir ein Stück zusammen. War früher manchmal nicht ganz einfach miteinander, mal mehr für den einen, mal den andern. Inzwischen können wir's einfach genießen.

26.04.2010 Dies ist noch eine Baustelle, soll eine Rückschau auf die SPEZI 2010 vom vergangenen Wochenende werden. Anlässlich derer haben wir endlich mal eben zwei Mini-Filmchen gedreht vom falter-falten und nutzen nun das kostenfreie Werbepotential auf youtube. Hier der erste Versuch der Verlinkung:



Sowie:



Die kopierbaren Echtadressen sind:

http://www.youtube.com/watch?v=fsBEvBX_S4o

Und:

http://www.youtube.com/watch?v=7Ku5pQX1gWo

Unsere Messe-"Neuheit", die halb eigene Trommelbremse (siehe ua news vom 15.02.2010), wurde halbwegs gebührend gewürdigt. Die Frage, wie das Ding denn heiße, überraschte uns zunächst. Nach kurzer Beratung hatten wir die Antwort. Jens, der treue Messekompagnon, meinte, nach "shark" und "delfin" müsst's wieder was fischiges sein, außerdem war die traditionelle Männlichkeit aller Namen nicht verhandelbar. So ward das Konstrukt alsbald "Bremse der Wal" getauft, alles klar??

15.02.2010 Wird eine sehr technische news, hoffe man kann da folgen. Am Ende der letzten angekündigt: hier nun das Happyend der Geschichte mit unseren selbergemachten Bremsen. Für die Neuen hier nochmal knapp die Vorgeschichte: Radnabel steht auf Trommelbremsen, weil 20"-Räder nicht felgengebremst werden sollten, weil a) es ein Felgenüberhitzproblem gibt, b) der Felgenabrieb stärker ist als an großen Felgen und c) es sowieso ein Unding ist, an tragenden Teilen zu raspeln. Bleiben Nabenbremsen, aber doch eher keine Scheibenbremsen, weil die "Schönwetterspielzeug" sind, wie es neulich ein geplagter Winterfahrer nannte, sie halten dem Salz nicht lange stand. Bleiben zuletzt eben Trommelbremsen. Unsere ersten Serien haben wir Anfang der Neunziger stets mit denen der obersten Baureihe von Sachs ausgestattet. Fast nur gute Erfahrungen damit gemacht, viele dieser Bremsen sind immer noch im Einsatz. Schade, dass sie bald danach nicht mehr gebaut wurden. Sachs meinte, Trommelbremsen passen nicht mehr zum sportlichen Image der Firma. Außerdem war damit nicht viel Geld zu verdienen, die Dinger waren preiswert und - wie man jetzt weiß - sie halten viel zu lange. Seit damals kämpfen wir beim Ausstatten in der Hauptsache mit dem Bremsenproblem. Wir machten notgedrungen unsere oben geschilderten Erfahrungen mit Felgen- und Scheibenbremsen. Schließlich begann ich, Sram, dem Sachs-Aufkäufer, in den Ohren zu liegen, sie mögen doch wieder Trommelbremsen ins Programm nehmen. Nach zehn Jahren Generve kam endlich die I-Brake, eine innovative Trommelbremse, auf den Markt, wir dachten, endlich Ruhe zu haben. Doch vor zwei Jahren war dann schon wieder Schluss mit der I-Brake. So reifte der Plan, Trommelbremsen eben selber herzustellen. Letztes Jahr auf der SPEZI zeigten wir die ersten Exemplare unserer Eigenentwicklung: brandneu, aber doch eher noch "Dummies", wie sich bald herausstellte. Wir verwendeten die ausgereiften Trommelbremsträger von Sturmey Archer, seit bald 20 Jahren unverändert so hergestellt, entwarfen eine eigene Niro-Trommel mit auffälligen Kühlrippen, die sich zB auf spezielle SON-Nabendynamos aufflanschen lassen. Mehreres stimmte zunächst noch überhaupt nicht. Da war zum einen, dass die Hebelgeometrie der meisten heutigen Bremshebel nicht zu der von den Bremsträgern passte. Da gab es inzwischen zwei Maßnahmen: a) wir fanden Bremshebel, wo das Verhältnis der Wege zwischen Handhebel und Bremszug einstellbar ist, b) zudem ließen wir für die Bremsträger längere Betätigungshebel lasern, beide Maßnahmen zusammen gewährleisten nun eine harmonische Bremsbetätigung. Zum andern stellte sich heraus, dass die Reibpaarung Nirotrommel mit den Original-Bremsbelägen der Bremsträger nicht passte, diese Bremsbeläge entrissen der Trommel kleine Nirospäne, die sich in den Bremsbelägen festsetzten, kratzende Geräusche kündeten vom raschen Verschleiß dieser Kombination. Wir wussten aber, dass dieses Problem lösbar sein muss, denn alle Scheibenbrems-Scheiben sind aus Niro, da geht das ja auch. Also mussten andere Bremsbeläge die Lösung bringen. Zunächst dachte ich, den benachbarten Scheibenbrems-Hersteller Magura um Rat zu ersuchen. Doch dann kam der Zufall zur Hilfe. Ein befreundeter Kunde stellte die Verbindung zu einer Firma bei Dresden her, wo ua Oldtimerbremsen neu belegt werden. Die kennen sich richtig aus. Wir ließen ein paar Muster-Bremsträger mit Niro-kompatiblen Belägen neu belegen, diese sind seit Herbst im Test: höchst erfolgreich. Inzwischen haben wir eine - für unsere Verhältnisse - größere Stückzahl nagelneuer Sturmey Archer Bremsbeläge direkt vom Auslieferungslager in Amsterdam in die Dresdener Gegend dirigiert, dort werden sie gleich neu belegt, bevor wir sie zu Gesicht bekommen. Also, endlich doch ein Happyend? Wir werden's sehen. Sturmey Archer hat uns versichert, dass sie ihre Trommelbremsträger bis auf weiteres so herstellen werden. Und das Erstaunliche: inkl unserer eigenen Trommel ist diese Brems-Kombi sowas von preiswert, und sie verspricht nun wieder die ersehnte Langlebigkeit. Das Seriöse an der Chose: im Fall (schweizerdeutsch) wären Dynamo, Trommel und Bremsträger jeweils einzeln zu ersetzen.

Und noch etwas Beruhigendes haben wir dabei herausgefunden. Die Sachsen haben uns auch schon ein paar alte I-Brakes neu belegt, gleichfalls mit diesen Nirotommel-kompatiblen Belägen. Somit können wir jetzt auch mit dem Problem umgehen, was wir Kunden anbieten sollen, wenn ihre I-Brakes runtergebremst sind - es gibt die ja nicht mehr neu. Die bekommen schlicht Austausch-Bremsen, und dann mit passenderen Belägen. Denn, das ist doch erstaunlich: Die Weltfirma Sram bestückte ihre I-Brakes, die ja ebenfalls über eine Nirotrommel verfügen, leider mit dafür untauglichen Belägen. Wussten die es etwa tatsächlich nicht besser? Auch da gab es schon das Problem der rausgerissenen Nirospäne, die sich in den Belägen festsetzten. Die Lebensdauer mancher I-Brakes hat gerade bei einem Jahr gelegen. Dies lag weniger an der Belagabnutzung als mehr daran, dass durch das Spänerausreißen der Durchmesser der Trommeln erstaunlich schnell größer wurde. Die zerschundenen I-Brake-Trommeln werden künftig in Sachsen sauber überdreht und die die neuen Beläge dem dann etwas größeren Trommeldurchmesser angepasst. So müssten auch Austausch-I-Brakes künftig langlebiger sein.

Was die Dresdener uns verrieten: herkömmlich Trommeln sind aus Stahlguss. Darin ist Graphit eingeschlossen, der beim Abreiben als Schmierstoff wirkt. Beim eher zähen Niro gibt's keinen solchen Schmierstoff. Die Lösung ist, dass bei Nirotrommeln eben der Bremsbelag die Schmierung übernimmt. Niro-kompatible Beläge beinhalten deshalb Beigaben von Kupfer oder Messing, beide mit bewährten Schmiereigenschaften.

Nun noch das "leider". Die Abhandlung bis hierher bezieht sich nur auf die Vorderbremse, und die ist beim atl die weniger wichtige. Fürs Hinterrad haben wir noch keine ultimative Lösung, stattdessen zwei - nicht ganz schlechte - Varianten. Wer herkömmlich mit Kettenschaltung fahren will, bekommt seit einiger Zeit von uns die Sturmey Archer Trommelbremsnabe mit Kassettenaufnahme empfohlen. Das ist von der Bremse her betrachtet ok, wenn auch die Original-Bremsbeläge eher moderat ziehen. Da gibt's zZ Überlegungen, auch diese Hinterrad-Trommelbremsträger gleich fabrikneu im Osten mit etwas aggressiveren Belägen zu bestücken. Diese preiswerte Nabe ist ansonsten mit ihren Industrielagern und einer gehärteten Achse sehr zufriedenstellend. Außerdem ist die Kassettenaufnahme endlich aktueller Stand. Die alten Sachs-Trommelbremsnaben hatten ja noch Schraubkranzaufnahme. Die fliegen heute weniger deshalb raus, weil die Bremsen am Ende wären, als vielmehr, weil's kaum noch Ersatz-Schraubkränze gibt mit tauglicher Abstufung. Weil aber kaum ein Neukunde noch nach Kettenschaltung verlangt, kommen diese Trommelbrems-Kassettennaben tatsächlich fast ausschließlich bei Neuausstattungen unserer Oldtimer zum Einsatz. Bei der "normalen" Ausstattung unserer Neuräder mit Rohloff-Naben werden wir auf absehbare Zeit das nicht wirklich zufriedenstellende Bremsproblem behalten. Scheibenbremse wollen wir nicht - beim falter hätte die gar keinen Platz. Heutige Trommelbremsen an die Rohloff anflanschen geht ebenfalls aus geometrischen Gründen nicht. Bleiben eben nur Felgenbremsen. Wir verbauen da am gernsten noch Magura HS33, weil deren Bremsbeläge den Felgen nicht so zusetzten, die Hydraulikbremse macht's mehr mit Bremsdruck als mit Schmirgelstoffen in den Belägen. Aber das Thema "Trommelbremse auf Rohloffnabe" bleibt im Hinterkopf, sowas muss reifen.

03.02.2010 Aus gegebenem Anlass nach Jahren wieder was zum Thema atl im Winter. Wer schon genug hat von unserer Eigenwerbung, kann das hier überspringen, sollte sich aber den abgetrennten Abschnitt dieser news weiter unten ansehen. Das dort Umrissene könnte noch wichtig werden... Wir hören zZ fast nichts von unserer Kundschaft, doch das wenige Feedback, das wir erhalten, ist durchweg beruhigend: Auch in einem richtigen Winter fährt es sich bestens mit den atls. Mögliche Probleme des Winterradelns:
a) Kalter Fahrtwind, den halten unsere Verkleidungen delfin und shark effektiv ab.
b) Eis und Schnee, da haben wir ja gut fünf Jahre lang für gescheite Spikes-Winterreifen Lobbyarbeit betrieben und haben sie nun seit drei Jahren (news vom 29.11.2007). Selber benutze ich die Spikes diesen Winter zum ersten Mal. Bin wirklich begeistert, wie problemlos man damit überall durchkommt: null Angst vorm Stürzen (und wenn, könnt's ja kaum schlimm enden mit so einem Lieger).
c) Korrosion durch den Salz, dieses Problem in den Griff zu bekommen, haben wir uns seit vielen Jahren - denke inzwischen sehr erfolgreich - bemüht. Unsere Rahmen sind nach wie vor aus hochwertigem Stahl (einzelne Teile sind inzwischen komplett aus nichtrostendem Stahl), der prinzipiell rosten kann. Da ist effektiver Korrosionsschutz extrem wichtig. Mit unserem Pulverbeschichter haben wir lange experimentiert, seit einigen Jahren verwenden wir nun schon eine Mehrfachbeschichtung, die einfach "hält". Der Konkurrenz sei's hiermit verraten: Nach dem Sandstrahlen bekommen die nackten Rahmenteile zunächst eine Phosphatierung, die verhindert, dass sich der Rost ausgehend von Kratzern unter dem Pulver weiterarbeitet, bis dahin sollte es noch allgemeiner Standard sein. Dann kommt's aber: vor der Deckbeschichtung kommt nun erst noch eine Grundierbeschichtung, die feinsten Zinkstaub enthält, der macht eindiffundierende korrosionsaktive Substanzen unschädlich. Erst darauf kommt die Deckbeschichtung aus Spezialpulver mit wiederum korrosionsschützenden Eigenschaften. Eine kurze Abhandlung zum "rostfreien" Alu: das unedle Alu rostet nur deshalb nicht, weil es sofort an der Oberfläche eine dichte Alumimiumoxidschicht bildet, die das Weiterrosten verhindert. Nun hatte ich gerade gestern ein Gespräch mit unserem Kontaktmann zum weltbekannten schwäbischen Hydraulikbremsen-Hersteller. Der beklagte, dass ihnen der Salz die Stahlschrauben im Alu festbacken lässt. Es entsteht eine chemische Verbindung beider Metalle, dreht man eine festgebackene Schraube gewaltsam heraus, zerstört man unweigerlich das Alugewinde, das Aluteil ist Schrott. Genau dieses Problems wegen gibt es am atl keine Alugewinde. Was man am atl an Aluteilen findet sind: Lenker, Felgen, Nabenhülsen, Rohrschellen, alles gewindelose Teile. Nebenbei: dass Aluminium keine Dauerfestigkeit besitzt, ist der Grund, warum wir am Rahmenmaterial Stahl festhalten, dazu vielleicht später einmal eine eigene news.
d) Bleiben die Komponenten, die wir an unseren Rädern verbauen. Es gibt sie, die wintertauglichen Schaltungen, Lichtanlagen, Bremsen, sind nur nicht billig. Da ist zuallererst die Rohloff-14-Gang-Nabe, die einfach immer tut (naja, wenn's nicht gar zu frostig und das Getriebeöl zu zäh wird: dann solle man's doch einfach etwas verdünnen, wie die Rohloffs neulich verlauten ließen). Diese Nabe kombiniert mit unserer Ketten-Vollverkleidung - und man ist das Problem der vom Rost geplagten Kette los. Lichtanlagen, die ebenfalls immer tun, gibt's bekanntlich von der befreundeten Nachbarfirma SON hier aus Tübingen. Und Bremsen bauen wir ja nun seit letztem Jahr selber: Trommelbremsen auf der Basis des Bremsträgers von Sturmey Archer mit eigenen Niro-Trommeln, die wiederum beispielsweise auf die SON-Nabendynamos angeflanscht werden (news vom 08.05.2009 und 06.06.2009, wie sich das inzwischen weiterentwickelt hat, kommt in Kürze in einer weiteren news). Sagte der Frank, SON-Kollege und Rohloff-falter-Fahrer, doch gerade: Hab vor Weihnachten die Spikes montiert, seitdem fahr ich einfach, null Wartung: so ein langweiliges Fahrrad!

So, nun zum "gegebenen Anlass", da wird's gleich wieder politisch. Ist doch erstaunlich, so ein Winter nach all den Jahren. Es gibt eine noch wenig bekannte Erklärung: Es könnte mit den ausbleibenden Sonnenflecken zu tun haben, dass das mit dem Klimawandel eine überraschende Wendung nehmen könnte. Es ist noch sehr vage, doch beunruhigt die Fachwelt zZ folgendes Phänomen. Es gibt eine lange bekannten Zyklus von ca elf Jahren, wo die Sonne mal viele, mal gar keine Sonnenflecken aufweist. Immer wenn sie viele dieser Flecken produziert, ist ihre Strahlung größer, sie ist heißer, und auch auf der Erde ist es dann wärmer. Das letzte Sonnenfleckentief war vor zwei Jahren. Und seither warten die Astrologen auf eine erneute Zunahme dieser Flecken, doch die lässt nun schon zwei Jahre auf sich warten. Mittlerweile darf man befürchten, dass da vielleicht etwas auf uns zukommt, das es zuletzt in den Jahren zwischen 1645 und 1715 gab. Damals blieben die Sonnenflecken über 70 Jahre komplett aus, das war die letzte Zwischeneiszeit. Es wurde auf der Erde abrupt sehr viel kälter. Die Folgen waren fatal, es gab Hungersnöte, die Bevölkerung schrumpfte. Was wäre, wenn uns jetzt genau so ein Zeitalter unvorbereitet träfe? Zunächst könnte man denken: prima, dann haben wir mit unseren Maßnahmen gegen den Klimawandel ja noch einmal eine Verschnaufpause. Vielleicht, doch ich muss zu bedenken geben: nicht nur bei uns, sondern weltweit würde der Energieaufwand fürs Heizen zunehmen. Das liefe diametral gegen das Vorhaben, die regenerativen Energienetze rasch auszubauen. Denn - ich muss es immer wieder sagen, es ist so wichtig - regenerative Energienetze im großen Stil aufbauen erfordert neben Manpower und Geld eben auch Energie, die muss man irgendwo abzweigen, und dies bei abnehmender Öl- und Gasförderung nach Peak-Oil. Der von mir hier schon mehrfach beschworene Energie-Engpass dürfte sich eher verschärfen. Gab neulich einen ersten Artikel im Spiegel über die ausbleibenden Sonnenflecken, das zu thematisieren rechne ich denen hoch an. Ganz aktuell nun ein Spiegel-Artikel zu falschen (gefälschten?) Prognosen zum ach so raschen Abschmelzen der Himalaja-Gletscher. Offenbar gibt es inzwischen schon ein "auf der Klimawelle Mitreiten", und es ist wohltuend, dass der Spiegel dies aufdeckt. Wie schon oft gesagt: ich halte nicht das Problem des Klimawandels als das letztlich Fatale für die Menschheit, sondern das der Energieverknappung.

06.01.2010 Was fängt man auch an mit diesen langen dunklen Abenden? Man träumt von besseren Zeiten, beispielsweise vom nächsten Sommerabenteuer, besser: man plant das jetzt schon. Es gibt schon länger das Projekt einer Deutschlandquerung - per Rad versteht sich. Vielleicht wird's ja dieses Jahr was: Start in TÜ Anfang August, Ziel am 21. kurz vor der Dänischen Grenze in Fresenhagen. Dort wird dann, wie leider schon seit dreizehn Jahren zwei Tage lang das Rio-Gedächtnisfestival steigen. Wer der Rio Reiser war, das weiß man hoffentlich - oder man mache sich schleunigst schlau, lese zB seine Autobiografie "König von Deutschland", die noch kurz vor seinem Tod 1996 erschienen ist. Hier nur kurz das Wichtigste: Er war in früher Jugend zusammen mit seinen älteren Brüdern Verfasser der ersten Rockoper, später dann der Frontman der "Ton-Steine-Scherben", DER 68-er-Band. Wer kennt nicht die Slogans "Keine Macht für niemand" oder "Macht kaputt, was Euch kaputt macht". Diese Band hat so viel bewegt damals, die Jungs waren zB immer dabei, wenn eine Hausbesetzung anstand, so beim Rauchhaus in Berlin - und eben auch hier in TÜ bei der Besetzung des späteren Epplehauses - noch heute Jugendhaus. Natürlich hab ich sie damals hier verpasst, war noch viel zu brav. Ich hab den Rio erst wahrgenommen, als es mit den "Scherben" schon vorbei war, sie waren schlicht pleitegegangen, weil zu oft klar war, dass sie bei den immer politischen Anlässen für Umme spielten. Rio beschreibt so schön in seiner Biografie, wie er danach eines Nachts aufwachte und den Entschluss fasste, er müsse jetzt "auf den Strich" gehen: Er begann eine Pop-Solokarriere, sein erster Hit - eben "König von Deutschland" - kam sofort auf Platz eins der Charts. Das war im Werkstatt-Gründungsjahr 1986, und es war die erste Kassette, die hier rauf und runter lief, sie hatte der Claus angebracht, mein erster Mitschaffer. Rios neue Songs waren alles andere als Mainstream, sie waren meist politisch, auf eine eingängige Art eben. Mir imponiert bis heute, dass er immer ein Anliegen hatte, in seinen poetischen Texten hat er oft eine pessimistische Sicht auf die Weltentwicklung versteckt. Heute noch kann es passieren, dass ich manche Passage endlich zu verstehen glaube. Andere Songs waren Liebeslieder, die zu den schönsten zählen. Wer's wusste, wusste das: die richteten sich immer an Jungs: Songs wie "Für immer und Dich" oder "Junimond" berühren mich immer wieder, wenn ich sie höre. Hätte die Werkstatt mich damals nicht voll beansprucht, ich hätte dem Größenwahn erliegen können, dem Rio klarzumachen, dass ich da gerne mit meinem E-Bass mitgemacht hätte. Schade, ich habe ihn nicht mehr kennen gelernt. Ich weiß nicht, woran Rio zuletzt eher zerbrochen ist, daran, wohin sich die Welt unaufhaltsam entwickelte, oder an seinen sicher allermeist unerfüllbaren Liebschaften. Ich möchte jetzt einfach mal da gewesen sein, wo er die letzten Jahre gelebt hat, wo er auch begraben ist, einem einsamen Hof ganz da oben, drum diese Tour. Dabei soll im besten Sinne der Weg das Ziel sein. Es gibt so viele Gegenden im Land, wo ich noch nie war. Ich stell mir einen großen Bogen nach Osten vor, da ich vor allem von dort noch fast nichts kenne. Dürften gut 1200 km werden, 60 km am Tag im Schnitt, nicht viel und doch genug, wenn man's in einer Gruppe macht, und ich möcht eben auch Zeit haben zum Verweilen. Wir sind zZ drei oder vier, die das in Angriff nehmen wollen. Ich mach den Plan hier öffentlich, damit sich uns vielleicht noch ein paar mehr anschließen. Wenn man hier auf der Homepage gelandet ist und der Rio einem was bedeutet, dann seh ich keine Gefahr, dass man's nicht drei Wochen mitnander aushalten könnte. Also, wenn wer Lust hat mitzukommen, bitte melden über "Kontakt". Vielleicht machen wir dann vorab mal ein Radl-Wochenende zum Beschnuppern. Wir sind übrigens offen gegenüber "falschen" Fahrrädern, es dürfen alle mit. Aber Vorsicht: es wäre nicht das erste Mal, dass es nach so einer Tour zu Spontankäufen kommt...

09.12.2009 Wird Zeit, diese Bilder-Serie zu eröffnen: " ...wenn ich meinen atl zu sehr liebe ", oder so. Anlass ist die erste Heimkehr eines Frühgeborenen nach siebzehn Jahren. Es ist immer wieder interessant, wie die sich da draußen entwickeln - wie die Eigner liebevoll "ihren" atl erschaffen. Der hier ist ja noch als solcher zu erkennen - gab schon anderes. Er hat's gut erwischt all die Jahre, musste kaum "arbeiten", ist fast nagelneu. Erst beim dritten Besitzer ging's an die Arbeit. Der verpasste ihm den Bonanza-Sitz und war einige Zeit so unterwegs. Nun wollte er aber doch den Rückbau zum amtlichen atl vornehmen lassen. Es kam nicht dazu. Kaum in TÜ angekommen, erblickte unseres Testfahrers Gefährtin - bisher skeptisch gegenüber Liegern - dieses Gefährt, verliebte sich sofort in diese Variation in Alt-Mädel-Rosa, und es war bald klar, dass dem Drittbesitzer eine Viertbesitzerin folgen würde. Jetzt sind wir alle miteinander glücklich und zufrieden mit dieser Schicksalswendung. Frau Viertbesitzerin kommt garnicht mehr raus aus dem Strahlen, Herrn Drittbesitzer drückte eh der Wunsch nach einem neuen atl, einem falter, und wenn's nach ein "bissle" Sparen im Frühjahr dafür reicht, freut's auch die Firma.

15.10.2009 (Im letzten Abschnitt dieser news wurden am 12.11.2010 kleine, aber wichtige Änderungen vorgenommen. Diese sind durch Fettdruck kenntlich gemacht)

Dritter Teil der Trilogie zum Elektrorad, deren ersten und zweiten Teil die news vom 23.02.2009 und 20.04.2009 enthalten. Die hier beschriebene Begebenheit ist nun auch schon sechs Wochen her, wir haben da unsrer Tübinger Lokalzeitung beim Füllen des Sommerlochs geholfen, und nun haben es also auch Fahrräder auf die Kulturseite geschafft! Es gab zunächst wieder einen Artikel zum Thema, wonach sich im Blatt eine Leserbriefdebatte entspann. Daran habe ich mich zunächst mit folgendem Beitrag beteiligt:

" Danke, Ihr Artikel war einer der ausgewogensten unter den inflationär vielen zum Thema. Dennoch blieb auch hier der eigentliche Problembereich ausgeklammert, die jetzt üblichen Lithium-Ionen-Akkus. Abgesehen davon, dass Lithium selten ist, und es diese Akkus nie in großen Massen für alle geben kann, hier zwei erschütternde Zahlen: Akku für ca. 50km Reichweite kostet im Mittel 700Euro und hält im Schnitt 500 Ladezyklen. Aus Platzmangel: detaillierte Rechnung ist auf www.radnabel.de in der news vom 20.04.2009 hinterlegt. Hier nur das Ergebnis: Ladestrom 10Cent/100km, Abschreibung Akku 2,80Euro/100km, Gesamtkosten des Elektrozusatzantriebs 2,90Euro/100km, das 29-fache! Das Wichtige kommt aber noch, die dritte erschütternde Zahl, die Akkuhersteller vermeiden es tunlichst darüber Auskunft zu geben: Wieviel kostete die Energie, die bei der Herstellung eines Akkus bereits in ihm versenkt wurde? Es kursiert dazu aber eine plausible Zahl: Etwa 1/3 des Preises entfällt auf die Herstellenergie. Damit lässt sich nun der tatsächliche Energieverbrauch eines Pedelec überschlagen: 10Cent für Ladestrom plus 93Cent (=1/3 der 2,80Euro Akku-Abschreibung), machen zusammen 1,03Euro auf 100km allein für Energie. Wo ist der Fortschritt? Das schaffen Mofas seit Jahrzehnten, sind ehrlicher und zeigen den verursachten Dreck vor Ort! Einigen wir uns doch darauf: Es gibt immer Nischen, wo neue Technologien sinnvoll einzusetzen sind, Pedelecs für Reiche, Alte, Faule, Kranke, Behinderte, E-Motoren in Lastenrädern. Und: Für einen autofreien OB ist das voll ok und vorbildlich. Aber Elektroräder für alle ist Käse. "

Dazu muss man wohl erklären, dass unser grüner OB heftig mitpusht bei den E-Rädern. " Das schaffen Mofas seit Jahrzehnten, sind ehrlicher und zeigen den verursachten Dreck vor Ort! " schaffte es zum fetten Tagesspruch am Kopf des Blattes. Es gab weitere skeptische Beiträge. Die Verfasser deren zwei forderte ein Herr darauf hin zum Beradeln unseres Hausbergs heraus, um den vermeintlich Flachländern vorzuführen, wie anstrengend 150 Höhenmeterchen seien ohne "Viagra" - also ohne E-Hilfsmotor . Da kam er beim Kollegen Andreas Oehler, Chef-Elektroniker bei den SONs, und mir natürlich genau an die Richtigen. Meine Antwort:

" Auch ich habe mich ja skeptisch zu Elektrorädern geäußert, bin aber nicht von Ihnen, Herr Bering, zum Waldhäuser beradeln herausgefordert. Dennoch möchte ich mich zur Verfügung stellen als Ersatzkandidat für den voraussichtlich verhinderten Andreas Oehler. Der wird wohl noch auf der Eurobike in Friedrichshafen sein in seiner Funktion als Leiter des Fachausschusses Technik beim ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club). In diesem Ausschuss ist das Aufklären über das, was ich am 1. September "erschütternde Zahlen" nannte, zur Zeit wichtiges Thema. Und wir beide stehen diesbezüglich in engem Kontakt. Selber wollte ich am Freitag die 180 km nach Friedrichshafen geradelt sein, gebe das aber gerne drein, um mit Ihnen einmal mehr da hoch zu fahren: Ich wohne ganz da oben seit fast ewig, und ich brauch das Hochradeln als Tagesabschluss fürs Wohlbefinden. Ich hoffe, wir nehmen's mit ein wenig Humor. Machen wir doch ein kleines Fest draus: Wer das lustig findet, soll doch einfach mitkommen: Samstag 16 Uhr Neckarbrücke. Ich bin dann der mit dem dunkelgrünen Lieger aus eigener Produktion. "

Dank moderner Informationstechnik ließ sich Andreas verständigen, so stellten wir uns am 5. September doch beide der Herausforderung. Der zweite Herausgeforderte hatte sich abgemeldet, er sei Busbenutzer und fahre überhaupt nicht Rad. Dafür stellte sich ein anderer wohltrainierter Kandidat ein, er war extra die 10km aus Dusslingen angereist. Und die Presse fand das ganze auch lustig. So erschien am folgenden Montag folgender Artikel in unserem Blatt, auf der Kulturseite, wie gesagt, als Beispiel einer neuen Streitkultur.

In diesem Artikel komme ja ich nur am Rande vor. Der Grund: am Sonntag versuchte die Redakteurin uns Wettfahrer nochmal telefonisch zu erreichen, um zu erfahren, wie unsere Auseinandersetzung beim verdienten Apfelschorle geendet habe. Es war halt Radelwetter, und ich war nochmal über alle Berge - Wahlspruch 317: "Wirklich Wichtige sind manchmal nicht erreichbar". Was ich der Dame gesagt hätte, hätte sie mich erreicht, ist größtenteils bereits in den fettgedruckten politischen news "seit Sommer 2006" und "Super-Frühjahr 2007" enthalten. Es ist halt einfach so: Diese Elektrorad-Kampagne bringt mich richtig auf die Palme. Da bietet man nun seit 20 Jahren gutmütig allen Gutmütigen Räder an, mit denen Autofreiheit zumutbar machbar ist. Und dann kommt da eine Branche daher und versucht abzusahnen mit dieser fraglichen Ökobilanz. Nun, das mit den E-Rädern ist ja vielleicht wirklich nicht soo schlimm, nur: Dass man jetzt den Radfahrern als Versuchskaninchen diesen teuren Akku-Schrott andreht, geschieht doch nur, weil's in hundertfacher Größe in Autos ja nun wirklich kaum jemand zahlen kann. Was man da so liest: Arme-Leute-Autolein mit 30.000-Euro-Akku mit Reichweite 30 Kilometer, dann muss erst mal ein Tag geladen werden. Haha: bei 500 Ladezyklen macht das eine Akku-Abschreibung von 2 Euro pro Kilometer!! Dabei staunt man, dass jetzt sogar die Grünen aufs E-Auto setzen. Was werden da jetzt Steuermittel verbraten fürs Entwickeln effizienterer Batterien, als ob man da nicht schon seit 20 Jahren dran sei: mit diesem dürftigen Ergebnis. Man bedenke, die großen Sprünge macht jede Technologie am Anfang, danach gibt's nur noch kleine Optimierungsverbesserungen. Wir müssen von dieser Akkuforschungs-Förderei also wirklich keine entscheidenden Technologiesprünge erwarten.

(Da fällt mir dieser Klasse-Spruch eines Kunden und freien Fraunhofer-Zuarbeiters ein. Gegen Ende der 10-jährigen Forschungen zur Brennstoffzelle meinte der vor ein paar Jahren: "Was wir hier machen ist schlicht: Forschungsgelder UNSCHÄDLICH". Was ist eigentlich aus der Brennstoffzelle geworden: Eine Technologie für "Superreiche", sie findet heute ihren Haupteinsatz bei den Militärs in U-Booten)

Mit der heutigen Akku-Förderei schaut allenfalls wieder eine Geldelite, dass sie ihre Mobilität von morgen gesichert bekommt. E-Autos erschwinglich für alle wird's nie geben. Wenn doch, dann wären die allenfalls hübsch anzuschauen. Massenweise betreiben würde man sie nicht können, mit welcher Energie denn auch? Wie sähe es denn aus, wenn in ca 25 Jahren alle Autos ans Stromnetz gingen? Über'n Daumen haben wir heute diesen Energiemix: je 1/3 Strom, Verkehr, sonstige (wobei: nimmt man die Industrien, die mit der Herstellung von Verkehrsmitteln befasst sind, zum Verkehr dazu, dann geht etwa die Hälfte allen Energieverbrauchs für die Mobilität drauf - geschenkt). Auf den ersten Blick möchte man meinen, gingen alle Autos ans Netz, dann müsste selbiges auf das Doppelte ausgebaut werden. Die E-Lobby führt zurecht noch den dreimal höheren Wirkungsgrad von E-Motoren gegenüber Verbrennungsmotoren ins Feld und behauptet somit, man müsse das jetzige Netz nur um ein Drittel erweitern. Dabei lässt die E-Lobby natürlich unser Akkuproblem untern Tisch fallen. Wir haben den tatsächlichen Energieverbrauch ja mit dem gut 10-fachen der reinen Ladeenergie überschlagen. Also müssten wir das Netz nicht auf 1 + 1/3 vergrößern, sondern um den Faktor 1 + 10/3 = 4,333 aufgeblähen, oje! Und das ohne Öl, weil's das kaum mehr geben wird, und ohne Kohle, weil's wegen der CO2-Emissionen nicht mehr tragbar sein wird. Leider ist ja heute schon klar, dass es nicht mehr zu schaffen ist, das immer weniger zur Verfügung stehende Öl in gleicher Größenordnung durch regenerative Energien zu ersetzten (das ist wiederum bereits dargelegt in diesen politischen news "seit Sommer 2006" und "Super-Frühjahr 2007". Nur nochmal kurz der Hinweis: Regenerative Netze aufbauen benötigt vorab Energie, die man irgendwo abzweigen muss. Doch wie macht man das in einer Energiemangelgesellschaft nach dem Peak-Oil?). Damit ist doch wohl klar: wenn wir die heutige Netzkapazität bald nicht mehr aufrechterhalten können, dann werden wir's gerade schaffen, diese auf das mehr als das Vierfache zu erweitern! Also Leute, nehmt Vernunft an, das war's mit der Massenmobilität. Die Autobranche hat jetzt alle erdenklichen mobilen Energiespeicher-Medien durchdekliniert. Nach der Akku-Pleite ist von denen kein weiterer Pups mehr zu befürchten, Ende aus vorbei. Sollen wir das Spielchen jetzt noch mit dem Massenflugverkehr durchspielen? Mag mal jemand ausrechnen, wie schwer der Akku eines Interkontinentalfliegers mit nicht 30, sondern 18000 Kilometern Reichweite sein müsste? Wie stark müssten die E-Turbinen (gibt' sowas überhaupt?) für so eine Flugmasse sein und wie schwer dann erst die Mega-Akkus für diese Mega-Turbinen und wie stark erst müssten dann die Mega-Mega-Turbinen sein und endlos so weiter...

06.07.2009 Wohl ohne es zu wissen hat da einer unsere Toleranz gegenüber Minderheiten geprüft. Dem muss man sich stellen. Die Vorgeschichte: Warum das so ist, wird wohl ein Geheimnis des Schöpfers bleiben, wahrscheinlich könnte er es selber nicht recht erklären. Jedenfalls, die jungen atls sind seit jeher alle männlich auf die Welt gekommen. Das verrät ja schon deren Name: DER All-Tags-Lieger. Unsereins kriegt dann schon abstehende Nackenhaare, wenn man immer mal wieder vernehmen muss: "DAS falter", uuaah! Die Begebenheit: Mit dem Thema Transgender - das ist erstaunlich genug und eigentlich erschreckend - sind wir im alltäglichen Leben noch nie in Berührung gekommen. Und nun geschieht das endlich, und dann gleich in der eigenen "Familie". Zugegeben das ist schon hart, da muss man dann doch erst mal schlucken. Also, da holt sich einer seinen atl-Knaben ab, entführt ihn in die Schweiz und mailt am selben Abend noch, seine Familie hätte ihm bereits einen Namen gegeben, einen weiblichen! Die Gechlechtsumwandlung war also vollzogen, der atl kann sich ja nicht wehren. Da war alles zu spät, das kann man dann nur noch so hinnehmen. Wir wollen hier keine öffentliche Anklage erheben und nennen keine Namen. Nur soviel, der Täter war ein VIP unseres Rad-Erfindervereins HPV. Und der Mädchenname ist nun "Desiree" (inkl den zwei fehlenden "accents"). Auf gutdeutsch ist das "die Auserwählte". Und es entschädigt dann doch ein wenig, dass ein HPV-VIP sich einen atl auserwählt.

06.06.2009 Und so ging's inzwischen weiter mit der Selbstbau-Bremstrommel. Der wunderschöne froschgrünen Spezi-Messe-falter, in den wir die allererste eigene Bremstrommel eingebaut hatten, trat noch am So-Abend nach Messeende seine Ausfuhrreise in die Schweiz an, per pedales & ICE (gefaltet!). Es wäre eigentlich höchst unseriös, wenn man eine komplett ungetestete Komponente sofort raus gibt, und gleich noch ins Ausland. Ging aber in diesem Fall klar, denn der Käufer dieses Messe-falters ist ein alter Bekannter, der hier schon mehrfach vorkam: Freund Beat hat sich seinen zweiten (!) falter genehmigt. Er ließ sich schon den ganzen Sonntag nicht nehmen, seinen künftigen Neuen dem interessierten Messepublikum vorzuführen - es gibt für einen Hersteller nichts besseres, als dass die Kundschaft selber die Produkte lobpreist, und Beat war nicht mal der einzige, der sich diesmal auf der Messe dazu hergab. Gebrieft über die "Grünheit" der neuen Bremse machte er sich daheim sofort dran, diese gewissenhaft zu testen. Auf seine Art: Er ist Mathe-Prof, und als solcher entwickelte er eine umfassende Rechenstudie. Seine Studenten dürfen zZ errechnen, welche Maximaltemperaturen sich an der Bremse einstellen bei unterschiedlichen Gefällen und Geschwindigkeiten unter Berücksichtigung der Luftströmungen an den Kühlrippen der Bremse und unter Berücksichtigung anderer Faktoren wie Luftwiderstand des Fahrzeugs inkl Fahrer und Gepäck oder Rollwiderstand der Reifen. Schon wenige Tage nach der Messe kam der Entwurf dieser Studie per Mail, und Beat lieferte gleich erste Ergebnisse seiner Vorab-Berechnung mit. Demnach müsste - was zunächst erstaunt - die Bremse bei ca 18km/h am heißesten werden, langsamer und schneller ist's jeweils weniger dramatisch. 180°C wären demnach maximal zu erwarten, für eine Trommelbremse kein Thema (sobald das Endergebnis dieser Studie vorliegt, wird's verlinkt). Dann machte sich Beat dran, seine Vorab-Rechenergebnisse praktisch zu überprüfen: Wieder ein paar Tage später kam eine Postkarte aus dem Tessin. Darauf stand, er habe nun eine Passabfahrt absolviert, den Simplon, immer nur vorn mit der neuen gebremst. Er hatte ein hochmodernes Temperaturmessgerät seiner Uni mit dabei und konnte damit ermitteln, dass bei dieser 12%-Abfahrt die Bremse nie über 179°C heiß wurde. Also alles in Butter? Ich hatte gleich nach der Messe in meinen Original-Ur-falter (der soll ja so ursprünglich wie möglich bleiben: vorübergehend ) ebenfalls eine solche neue Eigen-Bremse eingebaut. Seither fahre ich damit täglich meine 150-Höhenmeter-Abfahrt zur Werkstatt. Da hat's zuletzt 1/2km eben, an der Werkstatt angekommen ist die Bremse einfach kalt. Und nun gab's am Pfingstwochenende eine Dienstreise in Sachen Bremsentest. Alpenpässe mussten her. Zusammen mit Alexander Urban, Chef der Reutlinger "Fahrradwerkstatt Bruderhaus Diakonie" ging's nun selber in die Schweiz - die Reutlinger haben ja ein neues Falträdle, und ein Highspeed-Downhill stand zum Test an. Da wir den Schöpfer der berühmten Tretlagergetriebe "Florian Schlumpf" , den wir zunächst in Vilters besuchen wollten, verpassten, hatten wir am ersten Nachmittag noch Zeit für ein kleines "Vorpässle", den Kunkelpass, eben mal 1348müM. Aber mal wieder lernten wir: die Kleinen haben's auch in sich. Noch in Bad Ragatz ging's sofort los mit heftiger Steigung, und das hielt an. Bald war's wunderbar einsam, da gab's nur noch vereinzelt merkwürdig unbunte Wanderer: Militärs. Das Sträßle wurde zum Feldweg, zum Waldweg. Oben waren wir die einzigen Gäste der Pass-Alm. Und dann kam's: die Serpentinen-Abfahrt nach Tamins, in den Steilhang gemeißelt, Waldweg(?): Geröllpiste trifft's besser, gefühltes Gefälle: 20%. Gleich war klar, DAS wird der Härtetest für die Bremse, also gib ihr. Alle 500m kurz anhalten zum Temperaturtest mit den Fingern am Nabendynamo (an der Bremse selber hätt's Blasen gegeben, natürlich). Das war mehrere Male völlig unbedenklich. Also weiter, aber von jetzt auf gleich war die Nabe doch bedenklich heiß geworden, und es stank wie heiße Bremsen eben stinken. Eine Auszeit war geboten. Wie gerufen ein kühler Brunnen direkt zur Stelle, also Wasserflasche raus, füllen und (darf man mit Trommelbremsen machen, aber ja nicht mit Scheiben!!) zisch! Nochmal füllen, und weiter ging's. Ca anderthalb km weiter nochmal "zisch", das war's dann (übrigens: genauso haben wir vor 20 Jahren diese (schon wieder, sorry) "Tour-de-Sol"-Gotthard-Abfahrt gemeistert: mit einer Flasche Wasser über die Trommelbremsen). Also: Härtetest nun bestanden oder nicht? Jedenfalls bleibt ein Fragezeichen, ein Extremfall war's aber wirklich. Tags darauf gab's einen "richtigen" Pass, den Albula mit 2312müM - übrigens Weltkulturerbe wegen seiner Bahn-Führung mit den vielen Brücken und Schleifentunnels bis zum großen Tunnel auf ca 1700m. Haha, da waren wir mal wieder unverhofft autofrei: Eigentlich war der Pass zufällig genau an diesem Tag geöffnet worden, und doch war er dann zu wegen Straßenarbeiten, die wir dann tatsächlich weit oben passierten. Doch wirklich gesperrt war's erst ganz kurz vor oben wegen Lawinengefahr, einfach dicht mitten auf einer Brücke. Da durfte man beiwohnen, wie zwei beleibten Motorradlern nur die Umkehr blieb. Wir schauten uns die Resthänge an und beschlossen, so schlimm kann das nicht sein, da kann nicht mehr viel runterkommen. Also, die Räder unter der Absperrung durch und weiter. Wir passierten tatsächlich eine kürzlich erst abgegangene Lawine, die immerhin ganze Bäume mitgerissen hatte. Wieder waren wir im Passrestaurant die einzigen Gäste. Die Herbergsfamilie erklärten uns, dass tatsächlich noch eine kleine Lawine runter müsse, bevor die letzte Gefahr vorüber sei. Aber heute sei's zu kalt für den ersehnten Abgang. So konnten wir die Abfahrt ohne Skrupel antreten. Das gleiche wieder zurück, denn unten wartete Freund Eberhard mit seinem fetten Wohnmobil und guter Abendverpflegung (er war auf dem Heimweg von einem Konzert in Italien). Diese Abfahrt war nun wieder völlig unproblematisch für unsere neue Bremse. Übrigens, am Passfuß hatten wir ein Oldtimer-Motor-Lastendreirad aus den (geschätzten:) 30-er-Jahren bewundert mit der guten alten Springer Federgabel und einer Trommelbremse, die doch erstaunlich an unsere "neue" erinnerte: mit ebensolchen Kühlrippe. Heißt: richtig neu ist das also wieder nicht. Andererseits, als wir nach der Passexpedition wieder unten angekommen waren, stand das Gefährt wo anders. Es fährt also noch: seit fast 80 Jahren! Na, dann werden wir schon nicht ganz falsch liegen mit unserer Bremse.

08.05.2009 Schon wieder zwei Wochen rum seit Germersheim. Da wäre noch was nachzutragen: Waren unsere Heinzmann-atls ja nichts wirklich neues, was neues hatten wir dann doch noch zu zeigen, was brandneues. Und doch war dieses auch wieder eher eins dieser Quasi-Dejavues. Erinnern Sie sich noch an die Germersheim-news von 22.04.2005: "Habemus Dynamem"? Damals hatten die SONs den ersten I-SON fertiggekriegt, den wir dann auf der SPEZI präsentieren konnten. Viel "just-in timer" wär's dieses Jahr kaum noch gegangen, am "just-in-timesten" sozusagen bekamen wir den ersten "ISA"-SON. Es hat gerade noch gereicht, ein Rad draus zu machen, es in den Messe-falter einzubauen und damit hier abends noch wenigstens einmal den Schlossberg runtergebremst zu haben. Tags darauf stand dann in Germersheim - genau wie vor vier Jahren schon einmal (deja vue!) - ein falter am Stand mit einem Vorderrad, das all unseren Wünschen entspricht: gescheite Trommelbremse an Top-Nabendynamo. Nur war diesmal die Bremse nicht mehr Srams I-Brake, denn der war leider ein kurzes Leben beschieden. Ein Nachruf: 10 Jahre vor deren Geburt hatten wir uns um dieselbe gekümmert und waren dann natürlich recht stolz, als es soweit war. Natürlich sahen wir nur das Beste an unserem Baby, es gab wichtige Verbesserungen dran gegenüber den alten Sachs-Trommelbremsen, aber die I-Brake war schlampig gebaut. Sie bremsten am Anfang super, doch schon nach Monaten war Wartung angesagt, wurde das Bremsen unzuverlässig. Und manch eine war nach einem Jahr schon runtergebremst. Wir trösteten uns mit dem "made in china" und dass ein Jahr bremsen für 40 Euro (=Neupreis der I-Brake) schon ok sei. Letzten Herbst kam dann die traurige Botschaft: die I-Brake sei aus dem Programm. Ich habe in Schweinfurt (=Sram Deutschland) mein Bedauern ausgedrückt und unser nach wie vor vitales Interesse an einer hochwertigen Trommelbremse nach Art der I-Brake angemeldet. Danach haben wir erst mal getrauert und gewartet, bis das Problem Trommelbremse für den I-SON virulent wurde. Dann nämlich war die Verzweiflung so groß, dass nun der Mut ausreichte, um zur Tat zu schreiten: Fangen wir doch an, selber Bremsen zu bauen! Es müssen ja nicht gleich komplett die eigenen sein, reicht ja, das Teil, welches fehlt, selber zu machen. Wir hatten den I-SON und wir hatten inzwischen den Bremsträger der guten alten Sturmey Archer Trommelbremse ausgekukt, ein solides Produkt aus der guten alten Zeit. Fehlte das Zwischenteil, die Trommel, der am I-SON aufgeflanscht wird und in der der Bremsträger bremsen soll. Also gab's einen Sonntagnachmittag: das Vorhandene vermessen, die optimale Anordnung dafür finden und dann diese Trommel dazwischen hinein konstruieren. Tags darauf zu den vielbeschäftigten SONs, die nur leicht veränderte Achsstummel fertigen mussten, um den I-SON leicht exzentrisch zu versetzen. Und zum befreundeten Dreher, der sich zZ über jedes Aufträgle freut. Paar Tage später waren die ersten Trommeln fertig: reine Niro-Drehteile mit äußerlichen Kühlrippen, nichts Besonderes. Die SONs machten's mit ihren Achsstummeln spannender, aber man weiß ja, dass man denen vertrauen kann. Das Schöne an dieser Konstruktion ist, dass die I-SONs, die wir in den letzten Jahren rausgaben, nun nicht wertlos werden, wenn die I-Brakes runtergebremst sind. Man kann die Achsstummel einfach austauschen und unsere neue Kreation nachrüsten. Wie es sich gehört besteht diese neue Vorderradnaben-Einheit aus drei Einzelstücken, die bei Altersschwäche getrennt ersetzt werden können. Weil der neue modifizierte I-SON sowohl mit der I-Brake als auch mit Sturmey Archer zu tun hat, haben wir den ISA-SON getauft. Vielleicht gibt's später mal einen reinen SA-SON, der keine Kompromisse der Vorgängerbremse wegen aufweist. Oder, wer weiß, vielleicht bauen uns ja Sram und/oder Sturmey Archer mal eine gescheite komplette SON-Trommelbremse. Betteln wir halt wieder 10 Jahre lang drum.

20.04.2009 Die Spezi naht: unser Jahresauftritt auf der Spezialradmesse in Germersheim am nächsten Wochenende. Wir sind seit langem einmal wieder unter "Neuheiten" gelistet mit den bereits in der letzten news beschriebenen Elektro-atls. Ist uns ein bissle peinlich. Denn schon vor Jahren lautete unser Spezi-Slogan ja: "nichts neues...". Haben dafür gut Prügel bezogen, was uns aber eher in unserer Meinung bestärkt hat, es stehe von den Spezialrad-Konstrukteuren genügend in ausreichender Funktion zur Verfügung. Bevor dies nicht massenweise genutzt wird, bestünde keinen Bedarf, auf Teufel komm raus "Neuheiten" zu kreieren. Und - wie neulich geschildert - ein E-atl ist wahrlich nichts neues, das gab's schon vor 20 Jahren. Was die Fahrzeugtechnik der neuen betrifft, gibt es keine nennenswerten Veränderungen zum damaligen "Tour-De-Sol" - Ur-atl. Einzig beim Akku habe es inzwischen Fortschritte gegeben - dachte ich bis vor drei Wochen. Zugegeben, seit dem Rückbau dieses Ur-atls zum reinen Muskelkraftrad habe ich die Elektrorad-Scene nur am Rande verfolgt. So haben wir nun unsere ersten Heinzmann-Bausätze recht unbedarft verbaut und uns über die handlichen, leichten Akkus gefreut. Wie erstaunt war ich aber, als mir dann ein befreundeter Kunde, Chemiker von Beruf, die Zahl von gerade mal 300 Ladezyklen nannte, die diese tollen Lithium-Ionen-Akkus erleben. Soll das jetzt bitte Fortschritt sein? Na ja, wir hatten schon vor 20 Jahren den Eindruck, auch in dieser Scene wird mit Lug + Trug gearbeitet. Beispielsweise mussten wir auf unseren "Tour-De-Sol" - Geschossen je einen Quadratmeter Solarzellen mitführen, um dem Publikum zu suggerieren, damit könne man sich autark fortbewegen. In Wahrheit hatten wir zwei fette Begleitautos mit 400kg Batterien im Anhänger - prallvoll mit Atomstrom - zum Tourstart mitgebracht. Während der Tagesetappen waren 2 bis 3 Batteriewechsel erlaubt, man fuhr immer full speed. Die leeren Batterien wurden dann mit 20qm Solarzellen auf den Autodächern dürftig nachgeladen. Erst am 5. Tag kamen die ersten nachgeladenen Batterien erneut zum Einsatz - und damit der erste wirkliche Solarstrom. Und siehe da: am 6. und 7. Tag, den beiden letzten, war plötzlich Energiehaushalten angesagt. (Einschub, soll keine Angeberei sein, sondern untermauern, dass wir schon meinen von all dem ein bissle Ahnung zu haben: 1) Unser damaliger Tour-Elektroniker Franz Heim hat's danach rasch zum Multimillionär gebracht in der gehätschelten Photovoltaik-Branche. 2) Da kam damals zum Wochenende immer ein Waldorfschülerchen aus Stuttgart zu uns in die Lehre: der Hannes Neupert verdient heute gutes Geld mit seinem Verein "Extra Energy" und dem weltumspannenden Promoten von E-Bikes). Zurück zu Lug + Trug in der Elektrorad-Scene und dem Lithium-Ionen-Akku. Rechnen wir doch mal selber. Lesen tut man von 500 bis 800 Ladezyklen. Also nehmen wir nicht die 300 des Chemiker-Freunds, nehmen wir die zugegebenen 500. Der Strom, den ich im Netz ziehe, um einen Akku einmal zu laden kostet vielleicht 5Cent. Damit soll man 70km weit kommen, "bis zu 70km" versteht sich, also dann doch nur 50. Aber klingt doch super: 0,10Euro/100km. Muss ich aber die Abschreibung von 1/500 des Akku-Neupreises dazurechnen: stattliche 700 Euro. Durch 500 ergibt 1,40Euro. Tatsächlich kostet mich eine Akku-Ladung also 1,45 Euro, wären 2,90Euro/100km. Die Wahrheit unterscheidet sich um den Faktor 29! Von dieser Wahrheit hört man in der Branche niemanden reden. Meine Rechnung geht aber weiter: üblich ist ja dieses hier gerade betriebene Rechnen mit Geldeswerten. Sie ist aber raffiniert irreführend. Die richtige Rechnung ist die mit tatsächlichen Energiewerten. Denn DAS ist das DAS THEMA unserer Zeit: Energieverbrauch im ausgehenden Öl-Zeitalter (Verweis auf die politischen news, die fettgedruckten). Ich bin noch nicht sehr weit gekommen mit meinen Recherchen darüber, wie dieser eigentlich doch irre Preis für so einen Akku zustandekommt. Trotzdem muss diese Abhandlung jetzt so halbfertig raus vor unserem Spezi-Auftritt. An dieser Stelle sollen dann noch konkretere Zahlen nachgeliefert werden. Erst mal gibt's eine Handelsspanne, ok. Lithium sei selten und teuer, ok. Aber da bleibt noch ein dicker Restbetrag. Und ich muss vermuten, dass ein Gutteil davon daher rührt, dass zur Herstellung des Lithiumgitters eine erhebliche Energiemenge verbraucht wird (ähnlich wie bei der Herstellung von Photovoltaik-Zellen). Diese bereits vorab im Akku versenkte Energie muss der Akku-User auf sein Konto nehmen. Heißt: ein nicht unerheblicher Teil meiner 2,90Euro/100km sind reine Energiekosten, sind also gleichzusetzten mit entsprechendem tatsächlichem Energieverbrauch. Für 2,90Euro kann ich auch gleich drei Liter Diesel kaufen, was nicht heißen soll, mein harmloses E-Bike wäre mit vom Energieverbrauch nix anderes als ein Dreiliterauto. Aber bei einem Verbrauch von 1 bis 2 Litern Dieseläquivalent dürfte man dann doch richtig liegen bei so nem harmlos daherkommenden Fahrrad. Klar, immer noch besser als jedes Auto, die können aber auch einiges mehr. Nun noch einen Blick auf den letzten - tschuldigung - Furz der Autobranche. Angesichts der Ölverknappung sucht die ja inzwischen fieberhaft nach einem neuen Energiespeichermedium. Da war die Brennstoffzelle - nur noch für Nischenanwendung um Gespräch. Dann war da das Verfeuern von Nahrungsmitteln, Sprit aus Weizen uÄ - da haben sie gewaltig eins auf die Finger bekommen bei der Welternährungslage. Und jetzt wollen sie mit den Autos halt auch ans Netz - zeitgleich zum Ausstieg aus Atomkraft und dem Wunsch, keine neuen Kohlekraftwerke mehr zu bauen. Mit Lithium-Ionen-Akkus wie bei den E-Bikes, nur dass die Akkus 100-mal größer sein müssten. Hieße 70.000Euro für nen Akku, der nach 500 Ladezyklen mau wäre. Das könnte ja wohl nur was für Superreiche werden. Wenn man das nach meiner Rechnung mit Energieäquivalenten anschaut, wären das 100- bis 200-Liter-Autos. Und: sowohl Lithium als auch Kupfer für die Motoren reichen nicht für die Masse. Immerhin hat neulich ein Elektroauto-Symposium das Ergebnis gebracht, dass es solche E-Autos in Massen frühestens in 25 Jahren geben könnte, da müsste man noch manche Generation von Akkus abwarten. Ob's Öl wohl noch so lange für alle reicht? Soeben hat das Wissenschaftsministerium wieder immense Geldbeträge für die E-Auto-Forschung bereitgestellt. Es scheint bezeichnend, dass die Politik sich immer wieder an solchen Strohhalmen festhält in der Hoffnung, dass es vielleicht doch nochmal so bequem weitergehen könnte wie bisher. Den Mut, zuzugeben, dass uns wohl bald ein heftiges Rückwärts bevorsteht - das umso mehr weh tun wird, je länger man es hinauszögert - kann sich Politik in einer Demokratie nicht leisten, denn sie muss ja wiedergewählt werden. Da kommen Zweifel auf, ob eine Demokratie die drohenden Probleme meistern kann. Es gibt Beispiele aus der Geschichte, wo nur rigide Maßnahmen eher (öko)-diktatorischer Systeme den Untergang einer Gesellschaft verhindern konnten (ich arbeite mich zZ durch den fetten Wälzer von Jared Diamond "KOLLAPS" Fischer ISBN 978-3-596-16730-2 viel zu billige 9,95Euro, in dem der untersucht, woran es lag, dass Gesellschaften in den letzten 40.000 Jahren bis zur Gegenwart untergingen - oder auch Krisen überlebten , sehr zu empfehlen). Jetzt ist's doch wieder politisch geworden. Ich denke halt, ich muss das nutzten und wenigstens an diesem Ort meine Gedanken öffentlich machen. Vielleicht erreichen sie ja doch ein paar Versprengte. Jedenfalls, den E-atl gibt's jetzt. Es gibt sicher Einsatzbereiche, wo so ein Fahrzeug sinnvoll ist, und E-Radeln ist sicher noch eins der umweltverträglicheren Hobbys. Allerdings werden wir uns die E-ats reell bezahlen lassen, da gibt's keinen Öko-Bonus. Das sei hier mal wieder betont: wer sich einen normalen Muskelkraft-atl zulegt kriegt von uns was geschenkt, dafür reißen wir uns alle Arme aus. Dafür erwarten wir dann auch, dass der anständig genutzt wird: Damit es noch eine Zeitlang weitergeht mit uns Menschen.

Nachtrag vom 01.05.2009: Konnte mich in Germersheim ein wenig umhorchen. Ich traf zunächst den Dietrich Lohmeyer beim Kaffee. Habe ihm gebeichtet, dass wir neulich fremdgegangen sind mit unseren Heinzmann-atls. Er fand das ganz ok, er verwende selber ab und zu Heinzmann-Bausätze, das sei für Freizeitradler der Narrensicherheit wegen die richtige Wahl. Lohmeyer-Antriebe , deren Vorteil in der größeren Effektivität liegt, eignen sich eher für geübte Vielfahrer (übrigens fahren mindestens drei Lohmeyer-atls rum, die allerdings bei denen höchstselbst nachträglich motorisiert wurden). Zu den Akkus meinte er, es gäbe in der Tat chinesische, die es tatsächlich nur auf 300 Zyklen brächten. Und es gäbe eben auch gute Akkus zB aus deutschen Landen, die sowohl er als auch Heinzmann verwenden. Da rechnet man mit 1000 Zyklen, sein privater sei jetzt bei 1100 und bringe noch 80% der Anfangskapazität. Später kam Ken Ching zu uns an den Stand, ein hübscher junger Chinese, den sein Vater extra aus Shanghai nach Germersheim sandte, um Kundschaft für die gemeinsame Firma aufzutun. Sie betreiben daheim ein kleines feines High-Tech-Unternehmen mit 40 Angestellten und bieten eine Produktpallette, die der von Heinzmann sehr nahe kommt. Habe mich mit Ken lange unterhalten auf englisch und sogar deutsch. Meine Hemmschwelle, tatsächlich einmal etwas von so ferne zu bestellen, ist dadurch kräftig gesunken. Wahrscheinlich wird man's dann doch nicht machen, denn die Heizmänner sind ja in Radelnähe im schönen Schönau bei den Stromrebellen im Schwarzwald kurz hinterm Feldberg. Habe den Ken dann auch nach den Ladezyklen ihrer Akkus gefragt. Und er bestätigte die 300 bis 350 ihrer Akkus. Ich danke Ken für seine Ehrlichkeit, und auch Lohmeyers Angaben kann man sicher trauen. Aber auch mit 1000 Ladezyklen wird meine og Rechnung nur graduell besser. Versuchen Sie's mal selber: ersetzen Sie meine 500 durch 1000 Zyklen. Dann erhalten Sie immer noch 50- bis 100-Literautos. Klasse, was!

Nachtrag vom 15.10.2009: Die news von heute vervollständigt die Trilogie zum Elektrorad. Darin enthalten die noch nachzuliefernde Zahl zum Energiekosten-Anteil am teuren Lithium-Ionen-Akku-Preis. Diese Zahl ist nicht endgültig gesichert aber plausibel.

23.02.2009 Neulich gab's sowas wie ein Dejavue. War aber keines, denn fast genau die gleiche Begebenheit trug sich fast genau vor 20 Jahren schon einmal zu: ein noch unlackierter, eben fertigmontierter atl bringt mich in Windeseile meinen allnächtlichen 150-Höhenmeter-Berg hoch, unter reger Mithilfe eines E-Motors. Damals war es der allererste atl-Prototyp, der unlackiert gleich mal antriebstechnisch aufgepeppt wurde für die Teilnahme an der "Tour de Sol 1989" (Solarmobil-Weltmeisterschaft in der Schweiz, siehe die letzte news hier drunter). Also, neu ist das wirklich nicht, was wir da jetzt wieder haben. Neu ist, dass man's jetzt auch kaufen kann. Aus den Erfahrungen dieser Solar-Ralley hatten wir damals mitgenommen: über Elektroantrieb am Fahrrad kann man wieder reden, wenn sich Entscheidendes beim Stromspeicher getan hat. Es hat sich was getan, das Akkugewicht ist inzwischen bei einem Viertel von damals angelangt. Da wird's langsam reell. In den letzten Jahren hatten wir immer wieder mal Anfragen nach E-atls, haben allerlei Varianten durchgespielt, -kalkuliert. Bestellt hatte dann aber doch keiner. So habe ich einem neuerlichen Interessenten mitte letzten Jahres recht deutlich gemacht: wir fangen diesmal erst an zu rechnen, wenn klar ist, dass eine Bestellung draus wird. Und so lief der rege Mail-Verkehr (hat sich freundschaftlich entwickelt, man ist beim Du) im folgenden unter "Betrifft: Bestellung Elekrto-atl". Der Herr outete sich gleich zu Beginn als Freizeitradler, der sich selber was schenken wolle. Wir haben das ja eher selten, den Kontakt mit der Freizeit-Branche. Die Mehrzahl unserer Kundschaft lässt sich in die Schublade Alltagsradler stecken - passend zum alt (=All-Tags-Lieger). Diese Alltags-Branche besteht allermeist aus immer wieder erstaunlich pflegeleichten Zeitgenossen, da wird nicht so schnell gemeckert, die sind schnell glücklich mit dem, was sie von uns kriegen. Und glücklich sind wiederum wir, dass wir es so außergewöhnlich oft mit solchen lieben Menschen zu tun haben. Anders die Freizeit-Branche, die hat zwei andere Vorteile. Der eine ist, dass es bei Ausgaben für Freizeitspaß offenbar kaum Grenzen gibt, da fällt dann auch für uns was ab. Der andere "Vorteil" ist, dass bei Freizeit-Dingen alles aber auch alles stimmen muss. Soll heißen, die Freizeit-Branche lässt sich als eher heikel bezeichnen, da hat man an allem noch was auszusetzen. Meist sind's Luftschlösser die man denen mühsam als solche ausreden muss. Aber manchmal bringt uns das Meckern auch weiter, da werden dann doch kleine Innovationen angeschuckt: diesmal könnte es eine weitere Sitzvariante werden. Wir hatten uns für den neuen Heinzmann-Hinterradmotor entschieden. Es zog sich ewig hin bis die Heinzmänner lieferten. Dann dauerte es gerade mal drei Tage - und schon begab sich og Quasi-Dejavue-Ereignis. Es ist ja heute überhaupt kein Hexenwerk mehr, so einen Bausatz zu installieren. Die Heinzmann-Komponenten passen alle haarscharf in den atl als seien sie nur dafür gemacht, sehr nett. Gerade mal sechs zusätzliche Gewindeösen, zwei Akkuhalte-Bleche und ein Sensorhalter sind der gesamte Zusatzaufwand. Wenn man das einmal hat, lässt es sich leicht kopieren. Heißt, wir können diese Kombination ab sofort anbieten. Und wir können sie auch tatsächlich empfehlen: Heinzmann + atl, der bewährte atl-Fahrkomfort und der starke Heinzmann, das scheint bis auf weiteres die Heirat der Wahl zu sein. Eigentlich ist alles genau wie damals schon. Der Unterschied: der Neue ist auch narrensicher (Rosenmontag). Wir haben ihn eine Weile so unlackiert getestet und letztlich für gut empfunden. Jetzt ist dieser erste E-atl der neuen Generation sauber pulverbeschichtet und kann sich sehen lassen.

Und weil die beiden was miteinander zu tun haben, an dieser Stelle noch ein Bild vom heiligen Original-atl, dem noch handgefeilten eben 20-jährig gewordenen. Er sieht leider inzwischen sehr alt aus, hier seine Geschichte in aller Kürze: Nach der erfolgreichen WM-Teilnahme hatte er Farbe bekommen und fuhr dann noch eine Zeitlang als E-Mobil herum. Dann, während die Vorbereitungen für die erste atl-Serie anliefen, gab's den konsequenten Rückbau zum reinen Fahrrad. So hat der Chef ihn dann jahrelang gefahren. Und es war einfach so wie's wohl häufig ist: kein Serien-atl fuhr sich je so angenehm wie das Original. Dieser erste war im Detail überall ein wenig anders. Aber genau darum hat man ihn früh in Pension geschickt, denn alle möglichen Serien-Anbauteile passten haarscharf nicht dran. Und die wollten wir a) selber getestet haben und b) auch gern selber benutzen. So fand der Original-atl seine Ruhe in einer Garage und harrte dort auf einen fernen Tag, da er als berühmter Erster in ein Museum hätte einziehen sollen. Doch das hat sich vor recht genau einem Jahr erledigt. Frommen Eltern hatten es versäumt, ihren Waldorf-Milchbubis beizubringen, wie man mit Böllern umgeht. Also haben die's selber erforscht. Wurde ein tolles Feuerwerk, war live bei Google-earth zu verfolgen: eine Zeile von zehn Garagen ging in Flammen auf, unsere war eine der mittleren. Wenn unser Hausmeister zwei Tage danach nicht geistesgegenwärtig gewesen wäre, ich hätte den Leichnam nicht einmal mehr zu Gesicht bekommen. Er rief an, ob ich die rostigen Reste nicht noch schnell aus einem Schrottcontauner ziehen wolle. Seither hat der Tote hier in der Werkstatt einen Ehrenplatz. Täglich wird er mehrfach von einer Ecke zur nächsten getragen, er ist halt überall im Weg, aber das ist egal. Bei der Fotosession für den Heinzmann-atl haben wir nun gleich noch ein paar Abschiedsbilder gemacht vom Original, hier eins davon. Zieht's Euch runter, und haltet's in Ehren. Nach einem Jahr Betrauern werden wir jetzt wohl doch bald Platz schaffen für Neues.

15.12.2008 Irgendwann in diesen Tagen müsste es soweit (gewesen?) sein. Die Werkstatt ist ja schon seit dreieinhalb Jahren Twen. Jetzt hat's der atl dann auch geschafft: 20 Jahre AllTagsLieger. Zeit für einen "Rück"-Rückblick: Wie kam's dazu, dass vor 20 Jahren der erste atl dastand? Genau mit diesem Moment endet diese news, sie ist lange genug. Wann war der Beginn vom Anfang? War der nicht lange vor Firmengründung, mitten in meinem Ingenieurstudium: als die Einsicht reifte, jetzt geht's der Erde so schlecht, jetzt muss ihr geholfen werden, und was könnte ich da beitragen. Das Studium hatte ich wegen ganz anderem begonnen. War damals - wie alle - auf dem besten Weg zum Popstar (nach Zwangsjahr als Bundes(wehr)-E-Bassist), hatte nur E-Gitarren im Kopf und schon so manche selber gebaut. Die Eltern meinten, erst mal solide was studieren, und so wurde es der Maschinenbau. Allerdings, um danach richtig Gitarren zu bauen. Hatte was erfunden: wie man bei doppelchörigen Gitarren die jeweils (fast) gleich gestimmten - und direkt nebeneinander liegenden(!) - Saiten sauber getrennt in Stereo verstärken konnte, Raumklang ohne Ende. Das Patentieren konnte ich mir dann sparen, da zeitgleich die Elektronik-Pfriemler tätig waren. Deren "Chorus-Effekt" konnte es ähnlich, nur viel einfacher. Soweit mal dieser Abschweifer (darf man doch mal andeuten, dass es noch anderes gibt außer Fahrrädern). Also, die Energiekrisen I + II waren gewesen, und für mich wurde klar, jetzt ist erst mal nicht die Zeit zum nur schöne Musik machen. Mach ich dann wieder, wenn's dem Planeten wieder besser geht... Und es war ziemlich schnell klar, dass ich mich bei den Fahrrädern festbeiße. An Ökotechnologie gab's damals sonst nur noch die Solartechnik in ihren ersten Anfängen. Das war nix für mich, denn ich muss immer sehen, dass sich was bewegt, Zahnrädchen, Ketten usw. Hätte ich mich damals doch der Solarbranche angeschlossen, wäre ich heute sicher ein gemachter Mann, so, wie diese Branche die Fördergelder nachgeschmissen kriegt, (mein Lamento über diese Tatsache zieht sich ja wie ein roter Faden durch diesen news-Stapel). Mitte Studium war also klar: Ich werde Fahrradbauer. Bemerkt hatte ich zudem schon lange, dass die Maschinenbau-Branche so eindeutig wie keine andere in die andere Richtung arbeitet, dem "Weiter so". Das war für mich abgehakt, und es war klar, ich werde mich selbständig machen müssen. Selbständig war ich dann schon beim Thema meiner Diplomarbeit. Zur Auswahl gab es nur "Weiter so"-Themen. Also schlug ich meinem Prof mein eigenes Thema vor: "Der Fahrradantrieb, Stand der Technik". Denn der Fahrradantrieb war genau das, womit ich mich seit meiner Umorientierung beschäftigte, mit dessen Optimierung, der Verbesserung seines Wirkungsgrads. Ich hatte inzwischen eigene Antriebe entwickelt, Die Ergebnisse brachte ich in die Diplomarbeit ein. Nachdem das Studium 1982 abgeschlossen war, ließ ich mir noch Zeit mit dem Selbständig machen. Denn es gab ja neben der Herzblut-Musik (der mit den Gitarren) noch die "Für Geld"-Musik (die mit dem Fagott, die hauptsächlich in kirchlichem Rahmen stattfand - alter Kalauer: nicht Fa-Gott, sondern Fa-Geld), die mir bereits bequem das Studium finanziert hatte. Fagott spielen, ohne "nebenher" noch studieren zu haben, das war dann schon ne Weile recht bequem. Es war klar, ich leiste mir das eine Zeit lang und lege Geld beiseite für meine spätere Fahrradunternehmung. Waren zuletzt fast vier Jahre, wo ich es mir nochmal gut gehen ließ. Zuletzt wurde dann das Gefühl immer drängender: Jetzt bist Du ja doch der Fagott-Profi, der Du schon so lange nicht mehr sein wolltest. Solange Du nichts anderes tust, lebst Du nicht nur VON, sondern auch FÜR diese Kirchenbeschallerei, diese kirchliche PR-Maßnahme: Musik in der Kirche - und sie ist voll. Höchste Zeit, endlich Radnabel zu gründen. Am 5.5.86 war es soweit. War zeitgleich mit Tschernobyl. Diese Katastrophe hat hier bis heute ihre Spuren hinterlassen: Ich hatte zuvor das Kernstück der Werkstattausstattung gebastelt, das Kleinteilemagazin mit riesigen Vollauszugsschubladen. Die Fächer hatte ich zur Unterteilung mit hunderten abgeschnittener "Axel-Frischmilch"-Tetrapacks befüllt, die ich täglich massenweise aus den Mensa-Mülleimern holte. Und plötzlich trank niemand mehr Milch. Ab sofort gab's nur noch Saft-Tetrapacks. Sind jetzt über 20 Jahre alt - alle immer noch im Einsatz. Radnabel war zunächst eine bescheidene "Platten-Flickerei" als Nebenerwerbsbetrieb. Und auch so gab's anfangs genug Neues zu lernen, die befreundeten, damals noch "alternativen" Fahrradläden halfen dabei. Die waren froh, dass sie lästige Reparaturen einfach zum Dieter weiterleiteten konnten, wollten ihr Geld ohne Dreckfinger machen mit Neuradverkauf. Sie hatten damals noch nicht begriffen, wie gut man mit Reparieren 1-zu-1 Stunden abrechnen kann bei geringen Kosten für das Drumherum, heute finanzieren sie sich hauptsächlich über ihre Werkstätten. So sah mein Alltag in der Folge so aus: morgens Werkstatt-Dreckfinger, nachmittags Musikschule unterrichten, abends + wochenends proben + konzertieren - immer volles Programm. Kaum war ein Jahr verstrichen, tauchte ein vorher Unbekannter hier auf, der Claus, höchst bemerkenswerte Begegnung. Er schaute sich das mal eben an, und dann war klar, er schafft da mit, und zwar ab sofort. Ich hatte kein Vetorecht, denn er wollte kein Geld dafür. So waren wir nun Donnerstag bis Wochenende zu zweit. Der Claus arbeitete daheim in Heidenheim nur noch Halbzeit drei Tage und reiste in der Nacht Mi/Do von dort an, oft auf'm Rad (=120km, später war's schon ein Ur-Lieger, auf dem er dann auch prompt mal im Fahren eingeschlafen ist). Es war eine ganz schöne Zeit. Der Claus brachte eine Ruhe in das Ganze: wenn es bei mir schnell-schnell gehen musste, konnte er mich souverän wieder auf den Boden zurückholen. Wir begannen dann doch mit Fahrradhandel, ganz bescheiden - und natürlich nix normales: Wir boten das an, was es damals an besonderen Rädern gab. Die kamen im wesentlichen von drei Vorgängerfirmen, die es alle längst nicht mehr gibt: Dieter Burmeister, mein Lehrmeister in Berlin, Radius in Münster und Velo-V in Wuppertal. Vor allem mit Velo-V gab's rasch Probleme: die Rahmen hielten im Schnitt ein halbes Jahr, die Garantieabwicklung war zäh. Bald begannen wir, die Rahmen selber zu flicken - und irgendwann durch eigene zu ersetzen. Das sah dann schon etwas nach atl aus, denn die Velo-V -Grundgeometrie war prinzipiell dieselbe: langer Radstand, Lenker vorn, aber noch ohne den praktischen Gepäckträger vorn, und ungefedert. Der "Herr Velo-V", war im Radsport "Wasserträger" gewesen, und wollte es den ehemaligen Kollegen zeigen, indem er nun "das schnellere Rad" baute, das hatte mit Alltagsradeln nichts zu tun. Ich selbst hatte Alltagsradeln damals auch noch nicht entdeckt, hatte mit meinen Fahrradantrieb -Studien auch noch ausschließlich das Thema "Schneller" beackert. Und ich wollte nun meine Antriebs-Variante aus der Studiumszeit einfach mal ausprobiert haben. Konstruktionszeichnungen waren da, musste man halt mal bauen. Also musste eine Drehmaschine her. Und so verbrachte ich meinen zweiten Werkstattwinter damit, mir das Drehen beizubringen und meinen Monsterantrieb einmal zu verwirklichen. Das Ding hatte 18 Kugellager und einen Exzenter intus, wog am Ende 8kg. Aber es fuhr sich dann recht angenehm, war am Anfang immer mal kaputt. Doch ich erinnere mich gerne an die 80km-Schönbuchumrundung mit Christophorus, meinem Liebling von damals. Den Liegerad-Vorgängerfirmen gegenüber war ich zu dieser Zeit noch so hochnäsig zu behaupten, es sei doch ein bissle wenig, nur andere Rahmen zu basteln und das wär's dann schon. Andererseits merkte ich, dass ich als Kleinstbetrieb meinen Antrieb nicht zur Serienreife bringen würde. Dieses Projekt liegt seitdem in der Schublade. Bis zum atl-Erstling gab's dann noch zwei Episoden. Die erste war ein Auftrag von Bekannten, für deren damals 6-jährigen Sohn, der mit kaum vorhandenen Beinen auf die Welt gekommen war, ein Dreirad mit Handantrieb zu bauen. Es sollte mit dem Kind mitwachsen können. Ich überlegte mir eine ambitionierte Konstruktion. Bis der Bub das erste Mal draufsaß, verging fast ein Jahr. Dieses Gefährt beinhaltete manche Vorstudie, die später beim atl Anwendung fand, in erster Linie die Federung betreffend. Und vor allem lernte ich dabei das Löten. Kaum war dieses Dreirad ausgeliefert, begab sich Mitte 88 eine weitere bemerkenswerte Begegnung: Zwei Liegerfahrer treffen sich in der Fußgängerzone - illegal radelnd versteht sich. Es war der Markus aus der Schweiz, den ich tags zuvor in der Zeitung abgebildet sah mit seinem FaTeBa, Töchterle Lina hinten drauf. Ihn, den Werkzeugmaschinen-Reviseur, hatte es nach zweiter Scheidung "frauentechnisch" nach TÜ verschlagen. Ich fragte: "Du bist doch der aus der Zeitung?" Ab sofort belegte er die Werkstatt mit seiner Anwesenheit. Ähnlich wie Claus zwei Jahre davor war auch er in einer Phase der Neuorientierung. Er hatte schon mehrfach mit Eigenkonstruktionen an der Schweizer "Tour de Sol" teilgenommen, der damals maßgeblichen Ralley für Solarfahrzeuge, und war dabei auch schon Weltmeister geworden. Er hatte alle Lust, da im nächsten Jahr wieder mitzumischen. Er ließ nicht locker: wir mussten nächsten Sommer dabei sein. Da war DIE Glaubensfrage der Liegeradler zwischen uns: Lenker unten oder oben? Da gab es nichts zu diskutieren, es war schnell klar, wir mussten jeder sein eigenes Gefährt bauen. Und mir war in dieser Zeit klar geworden, die Zeit sei reif für den atl. Markus baute seinen Untenlenk-Solar-Lieger. Ich entschied mich mal wieder für besonders ambitioniertes: ich wollte den atl-Prototypen bauen - und gleich den Solarantrieb als Bausatz dazu. Mit Elan gingen wir ans Werk. Es wurde ein turbulentes Dreivierteljahr, denn ich hatte immer noch die Musik nebenbei. Mit ach und krach wurden die Dinger fertig, und wir gingen bei der "Tour de Sol 1989" mit unlackierten Aschenputteln an den Start. Wir waren zwei getrennte Teams, Teamchef und Teamfahrer jeweils überkreuz: jeder war des andern Teamchef. Es war ein Riesenspaß. Die Tour führte in einer Woche quer durch die ganze Schweiz inklusive Gotthard-Überquerung. Und wir waren recht erfolgreich: Markus, der alte Hase, trug wieder den Sieg davon in der Kategorie Hybridfahrzeuge. Ich hatte täglich mit Pannen zu kämpfen, da ich vorher mein Fahrzeug nicht mehr hatte richtig austesten können, der Musik wegen. Doch den dritten Rang reichte es trotzdem. Die letzten 30km der Schlussetappe schleppte ich mich mit geplatztem Reifen und halber Kraft ins Ziel - der total zerfetzte Reifen war danach lange Zeit Trophäe in der Werkstatt. Das beste war noch - wir hatten damit überhaupt nicht gerechnet - täglich gab es Etappen-Preisgelder, und weil wir zwei Teams waren gab's die täglich doppelt! So hat sich diese Spaß-Episode am Schluss auch noch gerechnet. Was ich aus dieser Erfahrung lernte war: nach damaligem Stand der Technik waren Solar-Fahrräder eher Umweltverschmutzung als Abhilfe dagegen. Wer der Umwelt Gutes tun wolle, solle sich eben anstrengen und radeln pur (was es aktuell zum Thema Hilfsmotor zu berichten gibt: im kürze, Geduld!). So ging ich im folgenden daran, mal die ersten zehn Vorserien-atls zu bauen. Markus war nach der Tour wieder in die Schweiz zurückgekehrt, inkl TÜ-Frau, aber alsbald kam dann der Ralf in die Werkstatt hereinspaziert und erkor sich diese zu seiner Heimat für die zweite Hälfte seines viel zu kurzen Lebens (traurige news "Im Januar 2005). Und nun ist der atl schon einige Zeit das am längsten - und immer noch - gebaute "Liege"-Rad hierzulande.

22.08.2008 Wieder eine aus der Serie: "Wie sich Probleme von alleine lösen, wenn man lange genug wartet". Vorspann: Das bei uns am meisten vernachlässigte Thema heißt Werbung. Das hat mit der gesunden Abneigung gegen diese Branche zu tun. Da gab es schon mal die Idee, Werbung gehöre schlicht abgeschafft. Ein Nichtangriffspakt sozusagen: alle Anbieter sparen sich Werbeausgaben, und das zu Verhökernde wird entsprechend billiger. Jedenfalls ist es doch pfiffig, sich gerade Nichtbeworbenes zuzulegen. Und so echt zu sparen, nämlich diese quasi Zwangsabgabe an diese armselige Werbebranche, an diese bedauernswerten Kreaturen, die ihr Dasein damit fristen, tagaus tagein Lügen erfinden und verbreiten zu müssen. Was könnte Werbung im besten Sinne sein: Information über Eigenschaften, Qualität, Neuerungen usw von Produkten, Dienstleistungen uA. Soweit wäre sie ja in Ordnung. Doch das war einmal. Werbung ist in rafinierter Symbiose mit Medien schon lange zum wichtigsten Instrument verkommen, womit die Mächtigen uns bei der Stange halten. Da wird uns eingebleut, wie wir zu funktionieren haben, da wird unsere Gesinnung und unser Verhalten manipuliert. Da haben wir gelernt, dass Autofahren sportlich ist und sexy, dass wir natürlich Handys brauchen, dass man schlau ist, wenn man andere übers Ohr haut, dass der totale Wettbewerb - die totale Konkurrenz - das ist, was die Welt jetzt braucht, dass nur der Kahlschlag aller Handelshemmnisse die Welt noch retten kann. Und auch, dass es "populistisch" sei, denen, die uns das alles erfolgreich beigebracht haben, an das zu wollen, was sie uns dafür abgenommen haben: ans Geld, zB über eine Vermögensbesteuerung oder eine Besteuerung von Börsengewinnen. Dass man dieses Börsenwesen endlich ganz abschaffen sollte - diese unanständige Institution, wo das Glück mit dem Unglück anderer gemacht wird - das zu denken sind wir nicht mehr fähig. Dabei führt sich das Börsentum ja zZ selber vor mit dem todbringenden Spekulieren auf Energie und Grundnahrung. Ok-ok, genug des politischen Rundumschlags, aber meditieren Sie ruhig mal weiter über die Schuld von Werbung und Medien am Zustand der Welt...

Zur Entspannung noch was nettes von einem befreundeten Freiburger Fahrradladen zum Thema. Auf dessen Werbepostkarte stehen schlicht ein 4x3 Buchstaben in folender Anordnung:

WER
BUN
GNE
RVT


Zugegeben, auch wir schalten ab und wann kleine Anzeigen (siehe wichtige news "Super-Frühjahr 2007"). Und traditionell kriegen die klassik-atls auch ein kleines Aufkleberchen, welches bei den faltern dann aber nicht recht passen wollte. Also fuhren die bis jetzt anonym herum. War uns gerade recht: british understatement, wer's kennen will, der kennt's. Alle, die's nicht kapieren, hält man sich so vom Hals. Was lagen sie mir alle in den Ohren: Das kannst Du doch nicht machen, so machst Du Dir selber das Geschäft kaputt - oder so ähnlich. Die Antwort war: Ok, wenn mal Zeit ist, kümmere ich mich mal um neue Aufkleber - war natürlich nie Zeit. Statt dessen kultivierten wir das Entfernen oder Übermalen aller Schriftzüge an allem, was wir an die Räder dranbauen. Insbesondere entwickelten wir enormen Ehrgeiz, es zu verschleiern, wenn sich Anbauteile der japanischen Monopolisten-Krake nicht vermeiden lassen. Es ist einfach wohltuend, wenn einem nicht ständig diese immergleichen Schriftzüge ins Auge stechen. Ich habe es einmal in Israel so angenehm erlebt, dass ich die ganzen Werbeschriftzüge übersehen konnte, einfach weil ich die Buchstaben dort nicht lesen konnte. So, und dann war da neulich dieser Kunde aus der Dresdener Ecke. Der meinte beim Bestellen so ganz beiläufig: Also, er könne übrigens auch mal ein paar Aufkleber machen, er sei aus der Branche. Na endlich, so muss das gehen, da hat sich das Warten ja einmal gelohnt. Und was für schöne Kleber das jetzt sind: Ganz schlicht der Schriftzug der Homepage, nicht als Klebefolie, sondern als Einzelbuchstaben, oberedel. In allerlei Farben, da gibt's jetzt Froschgrün auf der Lieblingsfarbe Tannengrün, Froschgrün auf Quitschorange, Orange auf Rot, Rot auf Schwarz, Schwarz auf Silber, Silber auf Picassoblau usw. Wir sind sehr glücklich mit dieser neuen Geschäftspartnerschaft. Man fühlt sich bestens behandelt von einem, der selber einen atl benutzt und ihn zu würdigen weiß (auf Anfrage stellen wir gerne den Kontakt her). Somit ist diese news auch noch eine weitere zum Thema Tauschhandel. Und, verrückt wie man konditioniert ist: kaum ist der Schriftzug drauf, machen die atls doch gleich den Eindruck, als seien sie professionell hergestellt.

09.08.2008 Höchste Zeit, das nachzutragen. Den Richard Haumann bitte ich um Nachsicht, es war das ganze Jahr einfach zu viel los. Dabei war ich des öfteren in Gedanken bei seiner Mammut-Reise und habe mich gefragt, wie's ihm wohl so geht. Jetzt kann man gerade allerorten lesen, dass sie's geschafft haben: Sie sind tatsächlich angekommen rechtzeitig zur Eröffnung der olympischen Spiele: in Peking! Mitte Februar war eine Gruppe von 15 Radlern in Athen beim Ur-Olympia zu dieser 175-tägigen Tour aufgebrochen, die sie durch Griechenland, Türkei, Georgien, Aserbaidschan, Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan, Kasachstan, Kirgistan und zuletzt fast durchs ganze China führen sollte. War des öfteren nicht ganz ungefährlich (immerhin ist gestern Krieg zwischen Russland und Georgien ausgebrochen). "Lebensgefährlich", schreibt Haumann, war es an der kasachischen Grenze. Seine nüchternen Zahlen: 640 Stunden im Sattel, 14.032 km, 93.542 Höhenmeter. Daraus errechne ich die Leistungsdaten: "schlappe" 3,65 tatsächlich gefahrene Stunden pro Tag, bei allerdings stattlichen 22km/h, ergibt tägliche 80km und 535 Höhenmeter. Irgendwo im Kaukasus muss es über einen 5000er-Pass gegangen sein. Wie das ging, will ich dann persönlich noch erzählt bekommen. Bis dahin werd ich's nun endlich wieder mal selber nachlesen auf seinem Reise-Blog http://www.docseidenraupe.blogspot.com. War vor Beginn der Reise mal drauf, als der Blog noch ganz jung war. War nett wie er begann: mit heftigem Gejammer! Die ganze Gruppe musste mit identischen, "normalen" (gesponserten) Trekking-Rädern fahren, was der Ersatzteile wegen auch sinnvoll war. So musste der Richard (ist übrigens der "Arztnachbar" in der news vom 15.10.2007, der sich jetzt auch mal seine Auszeit nahm) 1/2 Jahr auf seinen geliebten atl verzichten. Jetzt schaun wir mal, wie sich der Umstieg wieder zurück anlässt. Könnte ja aufschlussreich sein, sowas hat man ja sonst nie.

Am Welt-Aids-Tag 01.12.2008 nachgetragen: So hat sich die Geschichte weiter zugetragen. Kaum war der Richard heimgekehrt, war seine erste Amtshandlung, dieses China-Bike zugunsten der Aids-Hilfe zu versteigern - der Richard ist hier in TÜ DIE Anlaufstelle von Drogenkranken und Aids-Patienten. Und anschließend gönnte er seinem atl und sich eine Ausstattungs-Aufmotzung, die letztendlich teurer wurde, als das, was das China-Bike noch einbrachte, und das war nicht wenig. Und er sei so froh, seinen atl wiederzuhaben.

09.07.2008 "... Wunder dauern etwas länger". Wie ging dieser nette Spruch noch am Anfang? Jedenfalls, kürzlich haben wir die Richtigkeit dieser letzten Zeile bewiesen. Manchmal dauert's halt, bis für ein dummes Problem eine lächerlich simple Lösung vom Himmel fällt. Dieses dumme Problem betraf den falter, wo man beim Falten immer, wie man's auch anstellte, irgendwie dreckige Finger bekam. Denn, bevor das Rahmen-Vorderteil inkl Tretlager + Kurbeleinheit wegschwenkt, muss die Kette vom Kettenblatt und über die Kurbel geführt werden. Das Kette-anfassen-müssen war das zurecht Meistkritisierte am falter. Es ist behoben, die dreckigen Finger sind von gestern! Hat lange gedauert, was damit zu tun hatte, dass die Chefetage natürlich die wertvollen Prototypen fährt - seit inzwischen bis zu acht Jahren. Die Prototypen haben aber noch keine Schnellspannhebel an den Gelenken, da muss noch zeitraubend geschraubt werden. So hat man dann sowieso das atl-Bordwerkzeug, den 5-er-Inbus, in der Hand, hakt damit in die Kette ein und schmeißt sie so vom Kettenblatt (zudem ist bei diesen Prototypen eine andere Kettensituation gegeben, da sie mit uralten, superguten Kettenschaltungen bestückt sind. Die Kundschaft heutzutage fährt ja fast durch die Bank Rohloff). Soll heißen: die Chefetage kannte zwar zu gut das Problem der Dreckfinger, weil die Kundschaft in ihre Lobeshymnen gelegentlich verhalten kritische Anmerkungen diesbezüglich einbaute. Aber es fehlte der richtige Leidensdruck aus eigener Erfahrung - zudem hat ein Fahrradschrauber sowieso immer Dreckfinger. Die Faltanleitung für die Serien-falter besagte bisher, dass die Kette dann vom Kettenblatt abzunehmen sei, wenn die kettenblattseitige Kurbel (was ein Ausdruck, aber wie soll man's sonst sagen) nach oben zeigt. Nun haben wir hier aber unseren wichtigsten Menschen, den Ewald, unseren Testfahrer, so einer ist Gold wert. Sein Einfallsreichtum, wie man Dinge auch anders anfassen und missbrauchen kann, ist unerschöpflich. Neulich hatte ich Gelegenheit, ihm bei der heiligen Handlung des Faltens zuzuschauen. Und ich bemerkte, dass er das machte mit der kettenblattseitigen Kurbel nach unten zeigend, ohne um Erlaubnis gefragt zu haben. Ja, er mache das immer so, die Kette ginge so viel leichter über die Kurbel. Aha, es war wirklich so. Und plötzlich war klar, dass es so auch keine Dreckfinger mehr zu geben braucht: mit einem kleinen Haken-Werkzeug ist die Kette künftig drüber. War rasch ein Haken-Prototyp gebogen und das Ganze ausprobiert. Klappte auf Anhieb: mit sauberen Fingern. Blieb eine kleine Biegevorrichtung für die Serienhäklein - 5 Gramm - zu basteln. Dieses Haken-Werkzeug bekommt wahrscheinlich in ein kleines Täschchen, das in die falter-Hülle eingearbeitet wird. Wenn gefaltet wird, ist die Hülle mit dabei, und somit auch der Haken.

26.06.2008 So, heute mal was für die "atleten". Weiß schon, gehört großgeschrieben und das "h" fehlt. Soll ja auch ein Wortspiel sein. Gemeint sind atl-FahrerInnen, die den "All-Tags-Lieger" auch als Sportgerät hernehmen. Dürfen sich aber auch alle anderen Radsport-AthletInnen angesprochen fühlen. Einziges Kriterium echter Männer, ob ein Rad was taugt, ist ja, wie Mann damit einen Berg hochkommt. Da grassiert ja das für die meisten Lieger-Konstruktionen nicht ganz unberechtigte Vorurteil, dass Lieger am Berg nix taugen. Das stimmt ja nun bei unserem atl garnicht (versteht man/frau spätestens, wenn er/sie das hierzu auf der "klassik"-Seite unter "Eigenschaften" knapp und technisch dargelegte kapiert hat). Lasst uns die Bergtauglichkeit unserer atls mal wieder demonstrieren, also: In der Schweiz gibt's den Verein "FreiPass" ( www.freipass.ch ) mit Vereinspräsident und allem. Der organisiert jedes Jahr an einem Alpenpass einen autofreien Tag, ein Fest für uns Radler. Dieses Jahr ist der Susten dran, am 20. September. Wird meine vierte Sustenquerung sein, kenne den nur aufm Rad. Die vorletzte Querung war auch schon autofrei. Das war vor ein paar Jahren, kurz nach den heftigen Unwettern dort. Es hatte weit oben eine Brücke weggespült, aber der Radler trägt sein bestes Stück dann einfach durchs Bachbett. Hatte mit Freund Eberhard den ganzen Pass komplett für uns alleine (diese nun schon ein Vierteljahrhundert andauernde Geschichte mit Ebi muss ich jetzt doch mal knapp zum Besten geben, aber Geduld...). Haben für diesen Septembertag noch nichts konkret organisiert. Vielleicht treffen wir uns am Freitagabend auf der Westseite in Meiringen. Dort hat's einen Bahnhof, und man kann zelten. Vielleicht finden wir noch einen Hof zum Nächtigen mit adäquatem Frühstück für diesen Sporttag. Die gepäckfreie Variante zum Passerklimmen wäre dann, dass Zelt usw einfach da bleiben und wir den Pass dann gleich zweimal "machen": hin und zurück, geht nicht gibt's nicht, und ohne Gepäck macht's halt doch mehr Laune. Also, wenn sich wer angesprochen fühlt und gern mit dabei wäre, über "Kontakt" könnt Ihr's kundtun, dann halten wir Euch auf dem Laufenden. Nun also zu Ebi + Dieter: Angefangen hat alles vor - ja wohl - 25 Jahren mit einem Wohnheimfest auf Schloss Solitude, wo damals die halbe Stuttgarter Kontrabass-Hochschulklasse hauste. Am Tag drauf brach diese mit Anhang zu neunt in zwei selberausgebauten VW-Bussen inkl drei Kontrabässen + einem Tandem auf in Richtung Schweden, und ich war mit einer guten Freundin mit dabei - so spontan war man damals, wir kannten uns wirklich nur vom vorangegangenen Abend. Waren heiße Wochen. Einiges später, nach dem "Tour de Sol"-Erfolg mit dem elektromotorbestückten atl-Prorotyp (war 1988 und ist schon so lange her, dass davon hier noch nie die Rede war, das kommt aber auch mal noch mal, ich versprech's) bekam Ebi einen Elektro-atl gebastelt. Mit dem hat er eine Zeitlang versucht, seinen täglichen Dienstweg aus der inzwischen Tübinger Umgebung zu einem der Stuttgarter Orchester, in dem er seither spielt, zu überwinden. Das hat nicht so recht funktioniert, für so eine Strecke waren die damaligen Batterien zu schwer, das Ding fuhr 75km/h, Speichen, Reifen usw waren überfordert. Bald gab's den Rückbau zum reinen Muskelkraft-atl. Und dann hab ich ihn wohl mal zu arg "deklassiert" an einem Pass, und Ebi kam zu dem Schluss: "Rennrad ist eh viel besser" (siehe oben: wie echte Männer Räder bewerten). Seither kämpfe ich mit Ebi diesen Kampf aus, wir sind immer wieder gemeinsam in den Bergen, und oft hat er mir's gezeigt mit seinem Renner - und umgekehrt. Waren oft erbitterte Kämpfe, die wir uns geliefert haben. Die Krönung war 2003. Wir radelten in 19 Tagen von TÜ bis ans Ende Europas, bis Granada in Südspanien, kurz vor Afrika. Habe fast ausschließlich seinen Windschatten genutzt und habe zweieinhalb Wochen fast nur sein Hinterteil gesehen. Hatte keine Lust auf kämpfen, hatte Ferien. An Frankreich - wo in diesem Sommer fünftausend den Hitzetod starben - und Spanien habe ich kaum eine Erinnerung behalten. In einer Sierra in Mittelspanien wären wir dann fast selber verdurstet, als 70km weit kein Dorf und nix mehr kam. Dort hat uns dann ein Kloster mit einer riesen Marienstatue errettet, wäre beinahe wieder gläubig geworden! Wir haben uns damals in dieser Anspannung so gestritten, dass ich einmal sagte, jetzt braucht unsere Freundschaft wohl mal eine Pause. In Granada angekommen schlief ich anderthalb Tage durch in der maurischen Höhlenwohnung von Derk, einem jungen, ehemaligen Orchester-Praktikanten in Ebis Orchester. Dann ging's an die Königsetappe dieser Reise. Hinter Granaga erhebt sich die Sierra Nevada, da hat's die höchste Straße, die unser Kontinent zu bieten hat. Der Veleta hat 3494müM. Bis fast ganz oben kann man fahren. Wir waren jetzt zu dritt, mit Derk, ein ungleiches Trio, mit Rennrad, Lieger und Mounty. Unten fängt's sechsspurig an, bald wird's ruhiger. Nach einer guten Stunde gab's Schwimmen im Stausee, der die Stadt mit Wasser versorgt - inzwischen recht kärglich, die haben dort jetzt richtig Wasserprobkeme. Dann ging's weiter, alles in allem so sechs Stunden immer höher. Hatte die beiden gut im Griff, war gut erholt. Die Straße wird immer schmaler, ist irgendwann für Autos gesperrt. Am Ende war Ebi doch als erster oben, hat aber nicht recht gezählt. Da war wieder das Wasserproblem. Mit Derk war ich lange vornedraus, als wir etwas abseits eine Herberge entdeckten, wo wir uns nochmal bevorraten konnten. An die Abzweigung zurückgekehrt warteten wir auf den durstigen Ebi, 20 Minuten, da kam keiner. Da entdeckten wir schon weit oben ein graues Etwas den Berg hochschleichen. Ebi war also doch schon durch. So war er natürlich nicht mehr einzuholen. War dann auch nicht mehr so wichtig. Es war irre schön da oben, und endlich war's mal wieder eisekalt, endlich mal wieder frieren. Haben viele Bilder gemacht. Hier das Starfoto. Ebi und ich waren auch seither jedes Jahr mal ein paar Tage in den Bergen. Das Kämpfen ist inzwischen nicht mehr so wichtig. Wir wissen seit den damaligen Streits, wo wir uns in Ruhe lassen müssen. Morgen geht's mal wieder auf zur diesjährigen Unternehmung. Freu mich drauf: Das ist ein Teil dessen, wofür ich über's Jahr arbeite.

Später Nachtrag: Aber das war doch recht nett, was der Schweizer HPV-Chef (unser Verein "Human Povered Vehicles" ist ja der Tummelplatz für Fahrradbastler) da im vorletzten Vereinsheftle "Info Bull" über unsere Sustenquerung schrieb. Er hatte sich den Radnablern kurzentschlossen angeschlossen, und, na ja, es hat ihm wohl bissle gefallen mit uns. Habe seine Erlaubnis, seinen Bericht hier zu veröffentlichen.

14.06.2008 Ist das nun positive oder negative Energiebilanz, wenn am Ende mehr Energie da ist als am Anfang war? Und geht das überhaupt? Ein Weltverbesserer schafft's natürlich locker, sich das zurechtzurechnen: Letzte Woche an einem Tag mit der zeitgleichen Auslieferung zweier Radnäbel auf einen Streich zwei Autos abgeschafft! Die beiden Neukunden aus der Freiburger Gegend sind ab sofort autofrei (wird unten noch näher erörtert). Wenn man das Bissle Herstellenergie für zwei Räder gegenrechnet mit Herstellenergie und Sprit für, sagen wir 2 mal 20 Jahre - so lange werden die Räder wohl halten - nicht Autofahren, dann bleibt da schon einiges übrig. So ne Rechnung ist natürlich nicht zulässig. Was hätte da zB ein Umweltminister, wenn er so rechnen dürfte, mit all seinen Transatlantikflügen für eine prima Energiebilanz? Die beiden müssen sich ihre Autofreiheit schließlich künftig tagtäglich selber erstrampeln (aber mit den Radnäbeln ist das ja wiederum gar nicht so furchtbar, dazu hat's ja bereits ausführliche Ausführungen in tieferen news). Sind beide in der Tat Musterexemplare von Wunschkunden (das wiederum ist beinahe die Regel, darüber sind wir sehr glücklich). Den einen, den Christoph, kenne ich schon recht lange. Ist ein Fagott-Kollege, haben vor wohl 20 Jahren ein erstes Mal zusammen musiziert. Er war damals Studentlein dieses gemeinsamen Instruments und lehrt + dirigiert inzwischen an einem Musikgymnasium in der Freiburger Umgebung. Ihn haben die Radnäbel schon lange begeistert, aber er konnte sich sowas bisher einfach nicht leisten. Vor einigen Jahren rief er mich an und beichtete, dass er gerade an einer Homepage für Radnabel bastele und ob's recht sei. Einfach so, wo gibt's denn sowas! Inzwischen hatten sie sich häuslich neu eingerichtet gleich beim Freiburger Bahnhof. Die Karre war verhökert, und nun war locker genug Geld übrig für einen Top-falter. Und nun geht's per Bahn + falter zum Unterricht, die Version morgens hin im Zug und zurück entspannt mit dem Rad. Nach drei Tagen kam die Rückmeldung, die ersten 150km seien drauf. Die Freundin des anderen, von Till, erzählte, als sie zum ersten Mal zum Testfahren da waren, er müsse die Radnabel-Homepage eigentlich auswendig können, so oft wie er sie angeschaut hat. Der Till ist ein noch recht Junger, hat man selten in der Kundschaft. So einer muss alles zusammenkratzen, um sich so ein Rad leisten zu können (bin mir nicht sicher, ob er je ein Auto besaß. Falls nicht, dann ist die Angeberei mit den zwei abgeschaffter Autos sowieso nur halb wahr). Jobbt auf einem Bio-Bauernhof am Kaiserstuhl, ist aber eigentlich Kunsthandwerker. Er baut uA Lampen aus Holz, wo das Licht durch hauchdünnes, handgeschliffenes Furnier durchscheint. Haben einen Deal gemacht, und so kam ich nun zu einer seiner Top-Stehlampen. An dem Tag, als er kam, um die beiden Räder abzuholen, war um die Werkstatt rum ein alljährlicher Kunsthandwerk-Markt, Tills geballte Konkurrenz alle aufs Mal. Ist ja alles wunderschön, was die da erschaffen, aber kaufen tät ich mir sowas nie. Diese Kunsthandwerker-Branche ist ja sowas wie eine revolutionsverzögernde Maßnahme: Da hat die "Kleptokratie" (schönes Wort, hab ich neulich aufgeschnappt) die Möglichkeit, ein wenig ihres zu unrecht erworbenen Zuviel wieder herzugeben für teuren Tand. Und so sichern sie diesen Herzblut-Schöpfern ein kärgliches Überleben. Doch durch Tauschhandel an so ne Lampe zu kommen, das hat doch was: Jetzt kann ich immer, wenn ich sie anknipse dran denken, dass der Till wohl heute wieder auf einem unserer Räder saß. Demnächst gibt's dort am Kaiserstuhl ein Hoffest. Werden wohl was draus machen. Ist dann der Anlass für eine erneute Schwarzwald-Querung, nachdem die letzte eben erst war: In Sachen Musik, Schweiztournee, Dienstreise, alles mit dem Fahrrad versteht sich. Und den Christoph werd ich dann auch wiedersehen.

29.11.2007 Note 1 für dieses Timing: Rechtzeitig zu den ersten Frostnächten sind die neuen 20"-Spikesreifen da. Unsere Lobbyarbeit war mal wieder erfolgreich. Vor vergleichsweise kurzen fünf Jahren haben wir derentwegen begonnen, der Firma Schwalbe immer wieder in den Ohren zu liegen. Nun hat unser Alltagslieger wieder ein Stück Alltagstauglichkeit dazugewonnen. Die Reifen waren ja schon für letztes Jahr angekündigt. Schwalbe sah aber von der Auslieferung nochmal ab wegen Qualitätsproblemen, seriöse Firma eben. Dies war beim letzten Klimaschock-Winter durchaus zu verschmerzen. Wie sich dieses Jahr der Winter anlässt, kommt die Einführung nun goldrichtig. Es ist ein Reifen auf der Basis des Marathon, er heißt dementsprechend "Marathon Winter" und hat die Maße 42-406. Er hat ein moderates Stollenprofil, weist die bewährte Marathon-Pannensicherheit auf und darf bis 5 Bar aufgepumpt werden. Wir haben bereits erste Erfahrungen gesammelt. Weil sich in der 20-Zoll-Fraktion auch Dreiräder tummeln, sind die Spikes so angeordnet, dass auch bei Geradeausfahrt in senkrechter Reifenstellung schon Spikes im Eingriff sind. Dadurch sind die Reifen recht laut. Dennoch ist der Rollwiderstand nicht dem Geräusch entsprechend, er ist nicht spürbar höher als bei anderen Reifen, sehr erfreulich. Diese Reifen dürften unsere Langstrecken-Pendler sehr glücklich machen, vielen Dank an Schwalbe. Der Listenpreis von € 49,50 ist stolz, Spikesreifen sind halt nicht billig - und doch wirkungsvoll.

15.10.2007 Ein weiterer Fernsehtipp, und zwar für Mittwoch 31.10. um 22:30 auf WDR, Wiederholung an Freitag 2.11. ca. 14 Uhr, für Nachzügler als Podcast unter http://www.wdr.de/tv/menschen-hautnah . Die Sendereihe heißt "Menschen hautnah", soll recht populär sein, mit hoher Qualität. Besagte Folge widmet sich einem Freund und Kunden, der einen bemerkenswerten Lebensweg eingeschlagen hat, um Radnabel geht's dabei diesmal nur am Rande. Der Axel war zunächst als Kontrabassist in einem führenden Kulturorchester tätig in einer Stellung, die viele ein Lebenlang nicht erreichen. Es befriedigte ihn aber nicht lange, nur "Taste auf der Klaviatur" launiger Dirigenten zu sein, wie er sich einmal ausdrückte. So kam er nach Tübingen, um Medizin zu studieren. Damals - muss an die 30 Jahre her sein - haben wir uns schon ein wenig kennengelernt. Später eröffnete er zusammen mit seiner Frau eine Praxis für Allgemeinmedizin und hatte bald den Ruf eines besonders fähigen, menschlichen und beliebten Hausarztes. So wurde er auch der Arzt meines Vertrauens, und ich wurde sein Fahrradbauer. Viele Jahre hat er seine Hausbesuche komplett mit dem atl bewältigt, Arztkoffer vorne unter die Haube und los (sein befreundeter Arztnachbar tat's ihm bald gleich. Warum sind die beiden eigentlich bislang die einzigen geblieben, die erkannt haben, wie gut das geht?). Vor gut fünf Jahren vollzog der Axel die nächste Wende in seinem Erwerbsleben: er stellte dieses schlicht ein! Darum geht es nun in dieser Sendung. Mit 50 in den "Ruhestand", Platz machen für den Arztnachwuchs, sich künftig mit viel weniger Geld begnügen. Es war die Zeit, bevor die Hartz-Doktrie das Land in Würgegriff nahm. Nicht dass Axel jetzt nichts mehr tat, nein: er schrieb ein erstes Buch übers weniger arbeiten, jetzt, wo endlich Maschinen die stumpfsinnigen Arbeiten erledigen konnten. Sehr zum Lesen empfohlen dieses Buch, der pure Gegenentwurf zur jetzt praktizierten Arbeitspolitik, habe beim Lesen viel gelernt. Bin stolzer Besitzer eines der wenigen im Eigenverlag hergestellten Urbücher, die noch den ursprünglichen Titel trugen: "Die verlorene Tugendhaftigkeit der Arbeit". Den Titel kassierte später der Verleger zu Ungunsten von "Die Kunst, weniger zu arbeiten" (Axel Braig und Ulrich Renz, Argon-Verlag, ISBN 3-87024-541-7). Das Urbuch schenkte mir Axel, weil ihn, wie er sagte, mein Tun ein Stück weit zu seinem Ausstieg ermuntert hat. Dies ist nun eine Sache, die wir immer mal wieder versuchen, auszudiskutieren. Wenn ich Axel richtig verstehe, nahm er sich dabei die Tatsache zum Vorbild, dass ich tue, was ich will. Da ist ja was dran, die Arbeit hier ist wirklich selbstbestimmt, ursprünglich, vielseitig und was weiß ich alles, macht jedenfalls für sich genommen einfach Spaß. Und doch ist das nur der angenehme Nebeneffekt des Eigentlichen: was ich tue ist, was ich für richtig halte, und das ist ein großer Unterschied zu "ich tue, was ich will". Ich habe mit den Rädern etwas gefunden, wovon ich denke, es muss getan werden. Dieses Thema ist vielleicht mal später eine eigene news wert, zurück zu Axel. Bei seiner Arbeitskritik gibt's keine Meinungsunterschiede. Vielleicht könnte man noch aktuell ergänzen, dass die jetzt grassierende Arbreitswut einhergeht mit Umweltzerstörung, Energievergeudung und dem Klimawandel: Es ist doch so offensichtlich, dass diese Global-Turbo-Wirtschaft genau die falsche Strategie ist, um noch zu retten, was noch zu retten ist... Aber lassen wir den Axel selber zu Wort kommen in diesem Filmportrait. Seit seiner "Pensionierung" hat er noch so manches unternommen. Er erzählt, gefilmt hätten sie ihn recht ausführlich mit einem seiner Radnäbel (ein wirklich guter Kunde hat längst mindestens zwei). Leider war's sein 15-jähriger Oldtimer, nicht mehr ganz repräsentativ, fährt aber wie eh und je.

04.10.2007 Wie der Radnabel-Chef seine Wochenenden durchbringt, wenn er ausnahmsweise nicht durchschafft: Nicht wirklich weltbewegend, aber das vorletzte Wochenende war doch so ein Volltreffer, da mache ich doch gern ein bissle neidisch. Es begann freitagmorgens mit der Auslieferung von gleich zwei faltern an ein in der HPV-Scene recht bekanntes Pärchen inkl. Simultan-Faltkurs in der Sonne auf unserem Jakobsweg-Kirchen-Vorplatz gleich gegenüber. Am Nachmittag gings dann per Zug nach Stuttgart. Immer mal wieder holt mich mein früheres Leben ein. Lange vorm Euro war mein DM-Suchgerät mein Fagott, man konnte damals in den 70/80ern üppig fündig werden. War ein angenehmes Leben, sponsered by Staat + Kirche. Man musste nur zweierlei, mit beidem hatte ich immer schon Schwierigkeiten: die richtigen Töne spielen und nicht weiter nachdenken. Oder man sollte wenigstens den Mund halten, dies nicht zu tun, übe ich immer noch. Irgendwann fiel mir auf, dass ich nur noch zu Regierungs + Gottes Lob in der Karre saß, da darf man sich bei den Schaustellern einreihen: fahrendes Volk eben. Und damals wurden mir Fahrräder wichtig, so zog ich mich allmählich aus dem Musikbetrieb zurück. Den letzten Bruch gab's allerdings erst vor wenigen Jahren. Und dann, wenn sie mit Konzertreisen winken, kommt man halt doch wieder ins Wanken. Und so trifft man mich jetzt doch wieder - vertretbar selten - beim "Kirchenbeschallen". Im Zug dabei waren also: heiliger gefalteter Ur-falter + Delfin-Verkleidung, darin Fagott, Noten, Notenständer, kleine Version der Konzertverkleidung und das Wenige, was man für ein schönes Radelwochenende so braucht. Vom Stuttgarter HBF gings radelnd weiter durch die grüne Lunge hintenrum auf den noblen Killesberg ins Chorheim (ein Benisch-Bau wie der "neue" Bonner Bundestag) eines nicht unbedeutenden Knabenchors, sympathische zweite Bundesliga, würde ich sagen, denn ihr hohes Niveau erzielen die auch ohne extensiven Bildzeitungs-tauglichen Drill. Nach der Probe beschaulicher Biergartenabend in Cannstadt, dem schöneren und ältesten Teil der Stadt. Dort auf dem Heimweg noch die Daimler-Gedenkstätte entdeckt, seine Originalwerkstatt, wo das ganze Unheil begann - sicher von ihm so nicht gewollt. Prächtig gelegen, mitten im Park, sieht aus, als sei da von vornherein viel Geld im Spiel gewesen. Für samstagabend stand ein Konzert in Heilbronn an. Bis dahin den ganzen Tag Zeit für eine der schönsten Raderlebnisse seit langem: immer dem Neckar nach, der schlängelt sich da gemächlich durch's Ländle, sodass man sich einen gemütlichen Tag lang mit der eher kurzen Luftliniendistanz beschäftigen kann. Aber mindestens eine wenn nicht die Perle im Schwabenland, dieser Neckarabschnitt: überall "Drogenanbau", allerorten war man gerade an der Weinlese. Meist gibt's da unten nur schmale Wirtschaftswege, inzwischen gut als Fahrradwege ausgeschildert, und: traumhaftes Frühherbstwetter. Zwischenstopp in Schillers Marbach, dem pferdefreien (die Queen: "...and where are the horses??"). Mittagsmahl auf dem Marktplatz von Besigheim, umgeben von feinstem Fachwerk. Was das Neckartal in diesem Abschnitt allerdings auch birgt, ist ein Gutteil unserer Noch-Energieversorgung: Irgendwann habe ich aufgehört, die Kohlekraftwerke zu zählen, ein Ur-Schwerölkraftwerk war auch noch drunter. Und dann ging's ganz dicht vorbei an Neckarwestheim I + II. Die einzige Wolke weit und breit, was den Kühltürmen da kilometerhoch entströmte, ein unheimeliges Gefühl erzeugend, dabei ist das eigentlich Unheimliche garnicht zu sehen! Vor lauter "ja nicht zu spät kommen" viel zu früh in Heilbronn, dem damals völlig kriegszerstörten. Dort sitzt der Fahrradbauer dann abends in der (ähnlich der Dresdener Frauenkirche wiederaufgebauten) ersten Kirche am Platz und gibt bei einer kammermusikalischen Zwischenmusik (damit die Jungs sich erholen können) den versierten Fagott-Profi. Was ein erhebender Rollenwechsel: "hier die Noten, spiel mal"! Irgendwie ging's, wie in alten Zeiten. Kurz vor Torschluss und jwd dann doch noch ein Hotelzimmerchen gefunden, Berührung mit der normalen Welt: umgeben von Monteuren, die in wichtiger Mission beim Audi-Werk im nahen Neckarsulm hier abgestiegen waren. Folgte der Sonntag, noch ein Radler-Traum-Tag: Schon lange war Hesses Maulbronn auf meiner Wunschliste. Als ehemaliger Bebenhausen-Schlossbewohner wollte ich dieses noch Größere, noch Bedeutendere, und außerdem als Weltkulturerbe geführte doch endlich mal gesehen haben. Der Weg dorthin führt durchs Kraichgau, einer Hügellandschaft, wie das Neckartal vom Weinbau geprägt, in jedem zweiten Ort ein Weinfest. Lange Zeit grüßte noch die Neckarwestheimer Gruselwolke von Ferne. Sehr glücklich war ich in dieser Gegend mit meinen Karten, den Freizeitkarten vom Landesvermessungsamt Baden-Württemberg, sie leiteten mich fernab des MIV-Getümmels beschaulich durch diese stille Kulturlandschaft. Endlich mal in Maulbronn zu sein, war dann schon ergreifend, auch wenn meine betagte Mutter am nächsten Tag meinte, Bebenhausen sei doch viel ursprünglicher. Den amerikanisch/japanischen Kaffee+Kuchen-Trubel dort muss man nicht gutheißen. Eigentlich war mein Plan, dort in unsere "Kulturbahn" zu steigen und bequem heimzuzügeln. Aber es war noch früher Mittag, und bei dem Königswetter jetzt schon in ein geschlossenes Zugabteil zu hocken, konnte ich mir nicht antun, also erst mal weiter bis Pforzheim. Das war dann schon fast daheim, und ich bekam Schwierigkeiten, jetzt diesen Riesen-Umweg per Bahn über Horb zu nehmen. Es war erst 1/2 fünf, also: einen Gang höher schalten und vollends durch per Muskelkraft. Sind dann schon noch 80km, aber das idyllische Würmtal war schon lange nicht mehr dran, also gib ihm. Wollte aber vor Dunkelheit zuhause sein, da gibt's einen Grund, gleich mehr. Kurz in Keplers Weil-der-Stadt gegrüßt und weiter, Sindelfingen, schnell durch's Daimler-Areal, dann Böblingen. Hätten wir's vorher gewusst, hätt's dort ein Wiedersehen mit 'nem ganz Lieben geben können. So war's halt 'ne Woche später - und wieder viel zu kurz. Schon in der Dämmerung ging's in den altbekannten Schönbuch. Da wollte ich eben vor Dunkelheit durch sein, um nicht nochmal sowas zu erleben wie vor Jahren. Dies ist nun der Kurzbericht über den zweiten und - bisher - letzten spektakulären Liegeradsturz meinerseits: War seinerzeit auf dem Heimweg von einer Böblingen-Mugge (=Musikers-Gelegenheits-Geschäft), war schon kurz vor der Geisterstunde. Hatte an den Tagen davor nach den Proben schon immer die Wildschweine da im Goldersbachtal bei ihrem Ausgang gesichtet. In dieser letzten Nacht nun, nach dem Konzert, wollte ich einfach nur noch heim. Gab entsprechend Gummi, was kümmern mich die Säue! An der gleichen Stelle sind sie diese Nacht wieder. Und als ich sie gerade bemerke, kriegt eine Panik, schießt aus dem Graben und erwischt mich so, dass sie wohl unter meinem Rad durchgeprescht ist. Ich sehe mich noch wie bei Asterix in 90 Grad Schräglage durch die Luft fliegen, danach endloses Gerutsche auf dem Splitt, komme endlich zum Liegen, rieche Wildschweinduft und höre da hinten wildes Geschnaube. "Nix wie weg hier" war mein einziger Gedanke, erst einen Kilometer weiter begann ich mich zu sortieren: blauer Fleck am Schenkel, der mich noch wochenlang an diese Begegnung erinnerte, muss wohl der Lenker gewesen sein den ich mir da reingerammt habe, sonst nix! Hatte der Kühle wegen das Verkleidungscape über, der Splitt konnte diesem nichts anhaben, nur am Grundbrett des Verkleidungs-Vorderteils war eine Ecke angebrochen. Dieses Mal keine Säue, hab's geschafft: mit Sonnenuntergang um 1/2 acht daheim. Leute, so geht Mobilität auch. PS: das alles war natürlich Dienstreise, steuerlich voll absetzbar, gell.

09.09.2007 Ist das jetzt Merkels Aufschwung oder vielleicht doch unser erhobener Klima-Zeigefinger? Jedenfalls kaufen sie uns gerade leer wie lange nicht mehr. Überall geht Material aus, Arbeit ohne Ende sogar heute sonntags. Da muss man sich doch wehren, oder! Hatten hier letztens das passende Aha-Erlebnis, als ich einer Interessentin mittels unserer Ausstattungsdatei mit aktuellen Preise aller zur Wahl stehenden Komponenten ihren individuellen klassik zusammengeklickt hatte. Wir waren wie so oft bei der schlüssigen Variante mit Speedhub + I-SON angelangt. Und nun sollte dieser Top-klassik mehr kosten als der Rohloff-falter?? Da war klar, was zu tun ist. Umgehend gab's eine saftige Anpassung beim falter. Es kann halt nicht ewig gut gehen, wenn man mit jedem Verkauf hunderte Euren verschenkt, weil man sich nicht traut, zu verlangen, was man braucht, weil's einem peinlich ist angesichts der Preise der Global-Billiglohn-Konkurrenz. Wenn man dann aber das Gefühl nicht los wird, die Substanz der Firma leidet, dann wird's höchste Zeit, der Tatsache, dass man weiß, dass man gute Arbeit leistet, genüge zu tun. Ja, bauen wir denn etwa nicht die weltbesten Räder? Dass wirklich taugliche Räder, wenn auch schweineteuer, eben doch preiswert sind, wenn sich damit ganze Autos samt deren Unterhalt ersetzten lassen, dazu gibt's hier tiefer schon manche Einlassung in älteren news. Wiederholt sei hier nochmal: Wir sind nicht schuld an der gewollten Massenverarmung durch Hartz&Co. Dass viele unserer Mitmenschen sich schon lange weder Auto noch Radnabel leisten können, tut uns leid.

04.09.2007 Seit Tagen findet im Leserforum der hiesigen Lokalzeitung ein Schlagabtausch um das Fahrradhelmtragen statt. Ausgelöst hat ihn eine guten Bekannten, die sich darüber beschwerte, dass in Berichten über Fahrradunfälle mit schöner Regelmäßigkeit genüsslich sachlich konstatiert wird, dass die RadlerINNEN wieder mal keinen Helm trugen, wenn dem so war. Radnabel mischte nun mit, hier der Beitrag: "Die Debatte beschränkt sich bisher auf gefährliche "Hochräder", die eigentlich längst überholt sind. Zugegeben, hier betreibt der örtliche "Sesselrad"-Hersteller einmal mehr Lobbyarbeit, er darf das: es dient der Wahrheitsfindung. Die bald 20-jährige Erfahrung mit unserer - auch zugegeben - überschaubaren Kundschaft, zu der dafür enger Kontakt besteht, verzeichnet keinen einzigen Sturz, der im Krankenhaus geendet wäre. Wohl sind bald alle unserer KundINNen mal geflogen (meist auf glitschigem Untergrund, wenn die Räder ausbrachen). Das endete für gewöhnlich glimpflich auf dem Hinterteil. In den meisten Gefahrensituationen steigt man/frau instinktiv voll in die Eisen (geht ohne Kopfübersturz dank des tieferen Schwerpunkts und des weit vorn angeordneten Vorderrads), stemmt sich mit den Händen gegen den (klassisch) vorn angeordneten Lenker, sowie mit beiden Füßen auf die Fahrbahn (geht ebenfalls wegen des niederen Sitzens) und kommt so bei unerreicht kurzem Bremsweg sicher zum Stehen. Oft haben wir den Eindruck, andere Verkehrsteilnehmer empfinden unser Verhalten im Verkehr als ungebührlich riskant, ist es nicht: wir haben's im Griff! Unsereins genießt es, sich sommers barhäuptig der Sonne hinzugeben (zum Radeln in der nassen Jahreszeit haben wir andere Antworten zur Genüge). Meine bescheidene private Drohung besteht: Käme einmal eine Fahrrad-Helmpflicht, ich stiege sofort um: auf's Motorrad!"

15.06.2007 Das kennen wir ja ziemlich gut: Da steht man hinter den Maschinen hier in der Werkstatt - dem Nabel der Fahrradwelt, und tagelang verirrt sich kein einziger Zeitgenosse hier herein. Da fragt man sich schon mal: Was treibt die eigentlich um, dass sie es einfach nicht erkennen: das hier schlummernde Potential zur Lösung der größten Menschheitsprobleme aller Zeiten, die da unserer harren. Und dann gibt's auch immer wieder sowas: Da steigt weit hinter Wien ein Jungbauer in den Nachtzug, um gestern morgen nach 15 Stunden hier am Ziel seiner Wallfahrt anzukommen. Trotz österreichischem "Generalimporteur" war es ihm wichtig, einmal selber hierher zu kommen, um die vielen Details zu verstehen und direkt mit uns zu reden. Wir sind solche weiten Anreisen ja ein bissle gewohnt, und wir haben es sehr gerne, wenn wir unsere potentielle Kundschaft persönlich kennenlernen und uns direkt und ohne Zeitdruck austauschen können. Passenderweise war gestern hier nicht wirklich Dringendes zu erledigen, so wurde es diesmal ein ausgiebiger Austausch mit längerer Ausfahrt und Abschiedsbier. Nun, bis hier her ist das sicher noch keine "news" wert. Die mitteilenswerte Essenz dieses Besuchs scheint mir die zu sein. In der Liegeradbranche gibt es ja die klassischen zwei Glaubensfragen: "Lenker oben oder unten" und "langer oder kurzer Radstand". (Glaubensfragen sind - das weiß man spätestens seit Bin Laden - solche, wofür man sich die Köpfe einschlagen muss, oder wo man sich - wenn's den irgend geht - in Ruhe lassen muss. Zu diskutieren gibt's da jedenfalls nichts, allenfalls über den Unsinn von Glauben schlechthin.) Auch wir haben unsere feste Ansicht in diesen beiden Glaubensfragen. Und mehr: wir glauben zu wissen, was richtig ist. Es gibt da nämlich doch Fakten, zB meinen doppelten Rippenbruch vor vielen Jahren beim "Abstieg" von einem Untengelenkten bei 50km/h: Nässe, von den Pedalen abgerutscht, Füße fallen auf die Fahrbahn und werden von dieser nach hinten gezogen, dadurch wird der Oberkörper aus dem Sitz nach vorn gezogen, da gibt's nun keinen Lenker zum Abstützen, also Bauchlandung auf der Fahrbahn, das geht so schnell! Fazit: Untenlenker = Fehlkonstruktion, basta. Der junge Herr nun schickt sich doch an, die Glaubensrichtung zu wechseln. So ein Konvertit ist höchst selten in der Scene - und entsprechend wertvoll, hat er doch Erfahrungen mit unterschiedlichen Liegeradkonzepten. Auf seinem Aussiedlerhof hat er alle technischen Möglichkeiten, so baut sich der junge Kerl seinen ersten Lieger selber. Sein Rad hat natürlich - wie üblich - kurzen Radstand und Untenlenker. Natürlich ist er nicht zufrieden damit. Und natürlich landet er nach längerem Suchen hier bei uns. Und nun setzt er sich hier auf unserer guten alten Test-atl und ist natürlich "verwundert" (das ist wohl das richtige Wort) darüber, wie der abzieht und wie locker das Bergauffahren geht. Das klang gestern wie eine Neuigkeit, solange ist es her, dass das zuletzt einmal jemand bestätigt hat. Aber natürlich wissen wir das schon lange: ist beim Klassik unter Eigenschaften erklärt, warum das so ist.

10.06.2007 Nachzutragen wäre noch, dass das Ergebnis unserer 20-er-Jubiläungstour im letzten Jahr war: da muss was folgen. Ist neulich erfolgt erfolgreich. Unter dem Motto "3x7=20+1" ging's über's Himmelfahrtswochenende einmal entlang des deutschen Abschnitts der (leider) letzten verbliebenen innereuropäischen Grenze. Schweizer sagen ja mittlerweile, wenn sie über den Landweg ihr Land verlassen, sie gingen nach "Europa". Beat, schweizer Freund und guter Kunde, hatte diese Route vorgeschlagen, und wir hatten sie schon im März vorauskundschaftet. Zwischen kurz hinter Bregenz und Basel ist es am südlichen Bodenseeufer und später dem Rhein einlang in erster Näherung einfach flach. Es sollte eine Genießertour werden, erklärtermaßen für alle. Somit war die Sportlerfraktion weitgehend erfolgreich abgeschreckt, Großfamilien und "gerne-auch-mal-Bummler" waren ungestört. Es war wieder eine wohltuend entspannte Sache, auch wenn wir wieder ein schön gemischtes Grüppchen abgaben: vom Opa bis zum Kindergarten, von der Jugendtherapeutin bis zu höheren Töchtern, vom Rabiat-Öko bis zum Polizisten (und das kurz vor Heiligendamm). Längst nicht alle waren mit Radnäbeln unterwegs , da stehen wir drüber (stattlich war die Gruppe der Hase "Pino"s, den ultimativen Papa/Mama + Kind - Tandems). In mindestens drei Fällen zeichnet sich nun ab, dass es sich bald ändern könnte, das mit den "falschen Rädern", so hätte sich dieses Wochenende richtig gelohnt. Geehrt hat uns die erneute Teilnahme der gesamten Prominenz der benachbarten Fahrradindustrie (siehe die Links), die Fa. Schmidt (SON-Dynamo) war stark vertreten, ebenso die Reutlinger Gustav Wernerstiftung, AWS (Verkleidungen) war sogar komplett dabei. Gefreut haben wir uns auch über die Chefriege des TAT, des Tübinger Arbeitslosen-Treffs. Insgesamt waren's wieder so 30 Leute, das ist die Größe, die gerade noch geht, dass am Ende dann alle mal 5 Minuten miteinander geredet haben. Das Wetter am ersten Tag war so richtig im Geschmack von Alfreds AWS-Firma: nur einmal Regen von bis. Familie Radnabel verzog sich unter die Capes, singing in the rain. Die andern nahmen's erstaunlich stoisch, muss man sagen. Die Landschaftsbeschreibungen überspringen wir hier, so wie früher beim Winnetou-Lesen: hinfahren und selberkuken. Erwähnenswert dagegen, dass wir diesmal zum ersten Mal das Schweizer Erfolgsprojekt "Schlafen im Stroh" in Anspruch genommen haben. Sehr empfehlenswert: Schlafsack auf Decke auf Stroh, fertig. Das Schöne: jeder Hof macht's auf seine Art, und bei der Verpflegung legen sie sich richtig ins Zeug. Bei Biowein von vor Ort haben wir denn auch nächteweise die Welt gerettet. Offenbar lässt es sich nun nicht mehr verhindern, dass die Radnabel-tours zur Institution werden, es gibt bereits zwei Nachfolgeprojekte. Noch diesen Herbst will uns der Jens seine Pfalz zeigen mit einer önologischen Tour, eine Zeitlang entlang der Weinstraße (Önologie sei die Lehre vom Weintrinken- oder so), aber dann auch ab in die Berge des Pfälzer Waldes. Und wie's aussieht etabliert sich das Himmelfahrtswochenende als Fixtermin. Da könnten wir nächstes Jahr polizeigeführt im Fränkischen rund um Rothenburg unterwegs sein. Wer von außen Lust verspürt, mal mit dabeizusein und die Sektenmitglieder kennenzulernen, die an die Kraft durch Energiesparen glauben, soll's kundtun, dann kommt, er/sie/es mit auf die Mailingliste. Sicher machen wir nicht nur so Opa-Touren wie diese eben: wir können auch anders!

Super-Frühjahr 2007 "PRIMA KLIMA - ENERGIE OHNE ENDE", dieser Spot unserer neuen Werbeanzeigen könnte Sie hierher gelockt haben. Und nun sind Sie sicher neugierig, was das soll. Jawohl, wir reiten mit auf der Klimawelle: wir dürfen das. Seit Jahren ist dies unsere erste Werbekampagne. Denn wir weigern uns seit jeher, unsere Produkte wie allseits üblich zu bewerben mit Spaß, fun, action..., weil's schlicht verlogen wäre. Werbung, die an die Vernunft appelliert, war aber lange chancenlos. Haben drum längere Zeit nicht mehr per teuren Anzeigen auf uns aufmerksam gemacht, sondern lieber abgewartet, wissend, dass die Zeit für uns arbeitet. Jetzt reden alle vom Klimaschock, freut uns insgeheim, da melden wir uns umgehend zurück. Dann ist jetzt wohl vollends klar, wie der Spot zu verstehen ist: wenn jemand schon lange weiß, dass er Recht hat, und so lange warten muss, bis man anfängt, ihm häppchenweise Recht zu geben, dann darf man dem auch mal so eine sarkastische Flapsigkeit nachsehen. Es ist sicher heilsam, dass viel zu lange hochgekochte "Problemchen" wie Demographie, Rente, Arbeitsplätze endlich ihren wahren Stellenwert hinter dem Klimaproblem finden. Doch bleibt zu fragen: Ist das Klima denn wirklich das drängende, oder gibt es da ein noch deprimierenderes Problem, über das noch immer nicht die Wahrheit gesagt werden kann? Wie ist das denn mit den regenerativen Ersatzenergien, kriegen wir die noch so schnell hochgefahren wie jetzt erforderlich? Nun, machen wir's kurz: die hier tiefer stehende, ebenso fett gedruckte Dauernews seit Sommer 2006 legt nahe, dass der Zeitpunkt wohl bereits verstrichen ist für einen schmerzfreien Umstieg auf diese Energieträger. Das heißt, auf uns wartet eine Ära des Energiemangels - mit allen Konsequenzen - , dadurch verschärft, dass der ungestüme Klimawandel uns zwingen wird, die restlichen fossilen Bestände ungenutzt und unberührt zu lassen. Und was macht die Politik, was ist passiert, seit der UN-Klimabericht die nächsten 13 Jahre als die entscheidenden postulierte? Bald ist ein halbes Jahr vergangen, außer Bewusstwerdung - sicher elementar wichtig - sind noch keine Weichenstellungen wahrnehmbar. Man darf getrost befürchten, dass die Politik am Klimaproblem versagen wird, müsste sie doch radikale Umkehr einleiten und beispielsweise vom gehätschelten Turbokapitalismus Abschied nehmen (dieser hat die Globalisierung "gemacht", deren größtenteils kropfunnötige Warentransfers allein schon 1/10 des Energiekuchens vertilgen sollen). Beim "getrost Befürchten" sollten wir's diesmal aber nicht belassen und nicht nur zuschauen, wie die Politik versagt. Dieser Klima-Energie-Komplex - dieses denkbar unerotischste aller Themen - ist nun wirklich von existentieller Wichtigkeit. Diesmal sollten wir nicht mehr in der alt-"bewährten" Strategie verhaften bleiben: "irgendwie wird's schon gehen", mit dieser haben wir uns genau hierher gebracht. Diesmal sollten wir uns tunlichst auf die sichere Seite begeben, denn solange auch nur die Chance besteht, dass es die Politik vergeigt, spielen wir mit dem Überleben richtig Vieler. Was bleibt zu tun? "SELBER SCHAUEN", dieser zweite Spot unserer Anzeigen hat eine zweite Bedeutung: "was kann ICH tun?". Sicher eine Menge, und plötzlich ist eine alte Tugend wieder aktuell. Ich kann ein Leben führen, das ich vor mir selbst verantworten kann, verbunden mit der Hoffnung, damit zur Nachahmung anzuregen und so Ungeahntes anzuschieben. Wenn die Politik hierzulande es immer noch scheut zu gestehen, dass Energieeffizienz alleine nicht mehr ausreicht und Verzicht auf Energieverbrauch unumgänglich ist: Dann lasst uns eben von alleine damit beginnen: mit dem Verzichten. Und wo? Die hiesige Mobilität schluckt angeblich "nur" knapp 1/4 des Energiekuchens. Unterschlagen wird dabei stets der Anteil des industriellen Verbrauchs für die Herstellung der Mobile. Den eingerechnet sind wir eben doch bei der Hälfte von allem. Also eignet sich für uns - global gedacht, lokal gehandelt - als effektive Erstmaßnahme der Autoverzicht bestens. Diese Einsicht bei Ihnen zu festigen, ist das erste Ziel dieses Textes. Die Autofreiheit muss garnicht so weh tun, sie wird sogar neue Freuden bringen. Wer sie ohne unser Rad wagt und durchhält, genießt unsere Hochachtung. Mit einem Radnabel geht's allerdings leichter, das wissen wir aus langem Selbstversuch und aus dem Feedback vieler glücklicher Kunden. Dabei kann dann doch wieder so etwas wie Genuss aufkommen. Sie dafür zu interessieren ist natürlich eigentliches Ziel dieses Textes.

!seit Sommer 2006! Fette Dauer-news mit Langzeitgültigkeit: Lange danach gesucht, neulich endlich geschenkt bekommen mit Widmung zum 20-Jährigen (news vom 22.06.2006): das neue Buch der Bücher, die Bibel nicht nur der Radnabel-Sekte und anderer Autofreier. Hatte schon länger erwogen, ob ich nicht besser statt immer noch (scheinbar) anachronistisch hierzulande teure Fahrräder zu bauen besser hätte ebendieses Buch schreiben sollen. Nochmal drumrum gekommen, und Richard Heinberg, Kanadier, Journalist, Sachbuchautor, Musiker, Professor, kann's eh viel besser. Ist als interessierter Soziologe sozusagen vom Fach und hat von da aus konsequent weitergedacht. Hat so zu den richtigen Fragen gefunden und sich große Mühe gemacht, die gefundenen Antworten darzulegen und daraus die auf der Hand liegenden Konsequenzen herauszuarbeiten. Heinbergs Buch "THE PARTY's OVER" Untertitel: Das Ende der Ölvorräte und die Zukunft der industrialisierten Welt (Deutsche Fassung: Riemann Verlag München ISBN 3-570-50059-4) liest sich für mich wie 450 Seiten Werbung für unsere Räder. Und doch öffnen sich auch mir, den dieses Thema tagtäglich berufsbedingt begleitet, alle paar Seiten die Augen. So z.B., wenn er zunächst ganz allgemein erörtert, welche Bedeutung Energieflüsse in Ökosystemen haben. Oder, wenn er später den Zusammenhang von Verfügbarkeit von Energie und dem Entstehen und Zusammenbrechen von Großmächten untersucht. So arbeitet sich Heinberg über Grundlagen und Erdgeschichte allmählich zur Kernaussage seines Buches vor: Wir erleben ja zur Zeit diese "unerklärliche" Explosion der Ölpreise (2002 war der nochmal unter 20$ / Barrel, nun, Mitte 2006 sind wir erstmals bei über 80$ /Barrel). Heinberg lässt hier die "Kassandras" zu Wort kommen, jene, welche dem Trojanischen Vorbild gleich die Wahrheit vorhersagen, aber nicht gehört werden. Es sind v.A. abtrünnige, ehemalige Öl-Manager, die das Lügen satt haben. Sie verkünden hier: Wir erleben in diesen Jahren die historische Phase des Allzeit-Höchstförderung von Öl. Soviel wie jetzt wurde nie gefördert, aber mehr wird's ab sofort nie mehr (glücklicherweise, sag' ich). Nein, die Öl-Förderkurve wird nun noch 'ne Weile auf diesem hohen Niveau dümpeln und danach in zunehmendem Maß nach unten zeigen. Das hat diese Ursachen: Schon lange werden nicht mehr wirklich bedeutende neue Ölfelder entdeckt. Die Suchmethoden sind längst so perfekt, dass da nix mehr verborgen bleibt. Die großen Ölfelder sind meist schon soweit erschöpft, dass das Fördern des Restöls immer aufwendiger, auch energieaufwendiger wird (hier muss ich nun - vielleicht etwas ungeschickt platziert - einen Kernbegriff des Buchs einführen, den EROEI = Energy Return on Enery In, also den Quotienten aus der rausgebrachten Energiemenge durch die dafür eingesetzte). Gleichzeitig steigt nun aber die Öl-Nachfrage erst noch stetig weiter. Angebot- und Nachfragekurve schneiden sich, zum ersten Mal kriegen welche kein Öl mehr ab. Wirtschaft reagiert auf sowas höchst empfindlich. Da erwarten uns bereits in den nächsten Jahren einmal mehr Umwälzungen, die man angeblich nicht vorhersehen konnte (haahaa, gähn, sag' ich). Und was nun? Heinberg untersucht im Folgenden eine nach der anderen die Alternativen zum Öl. Die meisten - Kernkraft, Kohle, Fotovoltaik, usw. - kommen dabei schlecht weg, besser allenfalls die Windkraft. Das alles hat wiederum mit dem EROEI zu tun: Wie soll man denn Energie, die eh schon fehlt, abziehen, um sie zur Erschließung anderer Energieträger zu verwenden? Also: Chance verpasst, schade. Unser derzeitiger Lebensstandard wird sich von selbst erledigen. Woran lag's? Ja, man hätt' halt frühzeitig doch verzichten sollen und die dadurch ersparte Energie schon früher und viel massenweiser in die Regenerativen stecken sollen. Man merkt's wohl: da ist einer sauer, jawoll: Unsereiner fühlt sich seit Jahren betrogen, nicht nur um die gebührende Wertschätzung, sondern handfest um's Materielle. Man stelle sich mal vor, eine Regierung hätte die Chuzpe gehabt: "Wir brauchen beim Umstieg auf regenerative Energiequellen - die mit Fördergeld zunächst richtigerweise gepäppelt werden - eben doch auch Verzichtsleistung als flankierende Maßnahme. Und drum fördern wir auch Technologien die das Verzichten erleichtern". Nun, wer will wegdiskutieren, dass am sofortesten, schmerzlosesten und in nirgend sonst möglicher Größenordnung bei der Motor-Mobilität zu verzichten wäre. Wenn man also auch die Muskelkraftfahrzeuge-Technologie gepäppelt hätte - man stelle sich mal vor, man hätte 10.000 Ingenieure jahrelang am atl weiterentwickeln lassen: Wie tät' der dann aussehen, wie billig wäre der jetzt?? Nun gut, jetzt haben wir den Salat. Bei Heinberg geht's nach der verpassten Chance weiter mit dem Abstieg, dem Zusammenbruch. Natürlich können Prognosen da nur noch vage sein. Jedenfalls macht's, diesen Abschnitt seines Buches zu lesen, wirklich keinen Spaß. Es wird letztlich die Masse Energie fehlen, um im Haber-Bosch-Verfahren - der wichtigsten Erfindung des 20. Jh., wie Heinberg schreibt - den Luftstickstoff zu binden und den Böden wieder zuzuführen. Damit wird die Weltbevölkerung von jetzt gut 6 Mrd. schrumpfen müssen, Größenordnung: um zwei Drittel in 100 Jahren, wie auch immer. Jedenfalls leistet es nicht friedlichem Schrumpfen Vorschub, wenn unsere tolle Regierung jetzt wieder Kinderkrieg-Förderung betreibt, um ihr vergleichsweise mickriges Rentenproblemchen kurzfristig zu lösen. Noch zum "(scheinbar) anachronistisch hierzulande teure Fahrräder...": Das mit der unsäglich segensreichen Globalisierung gibt sich dann eh von selber mangels Triebkraft. Solange wird hier weitergekämpft. Also, kaufts's, lests's, tut's Buße. Oder: kaufts'n atl, denn ab sofort gibt's unsre Bibel gratis dazu!

22.06.2006 Nach langer Pause eine neue Verlautbarung. Waren wieder in Winter-Arbeitsklausur, welche sich diesmal auch übers gesamte Frühjahr erstreckte und nun auch noch den Sommeranfang überdauert. Aber das Ziel ist knapp erreicht: die ersten falter der neuen Generation waren draußen noch vor Frühjahrsende. Die nächsten Wochen geht's jetzt wieder Schlag auf Schlag. Außer arbeitsreich war die lange Zeit nicht viel. Um die Jahreswende habe ich die letzten Wochen mit Ralf noch einmal intensiv nacherlebt und erst da richtig gemerkt, wie sehr er mir fehlt (inzwischen bin ich in einer Phase angekommen, wo ich mich dagegen auflehne, dass mir die Erinnerungen schleichend abhanden kommen). Noch ein Ereignis haben wir im Stillen gebührend gefeiert, das 20-Jährige der Firma am 5. Mai. Da kann man schon ein bissle stolz drauf sein. Was hat man da nicht schon an Luftblasen überlebt in den zwei Jahrzehnten. Und wie haben wir's gefeiert: logo, mit einer Radtour. Zusammen mit der Kundschaft und Freunden - zwischen 20 und 30 in wechselnder Besetzung inkl. Kind und Opa - ging's ab Werkstatt für drei Tage in den Schwarzwald. Haben uns stets oben orientiert, fernab von allem Urbanen. War ein Experiment, ein vollauf gelungenes, eine entspannte Genießertour. Hab's schwer genossen. Machen wir mal wieder. Hier sind ein paar Bilder versteckt.

09.11.2005 Juhui, Entwarnung, er ist wieder da, der Cheflieger (siehe letzte News eins tiefer)! Sie war vorhin leibhaftig hier, um ihre Zerknirschtheit zu bekunden, die Sünderin. Damit ihr Berlin-Besuch hier mobil war, hatte sie für ihn das Chefrad geliehen. Wollte es längst zurückgebracht haben, und mein Hirn hatte es als zurückgebracht abgelegt - das Alter? Hauptsache wieder da. Dieser Berlin-Besucher ist insofern bemerkenswert, da er vor kurzem nicht unwesentlich daran beteiligt war, dass Hans Christian Ströbele sein Grünen-Direktmandat verteidigen konnte. Er war vom Lieger nicht wenig angetan und wird´s wohl seinem Chef berichtet haben. Solche Begegnungen machen ein wenig stolz: man hat das Gefühl, halbwegs direkt dran zu sein am Weltgeschehen. Eine Frage blieb in der letzten News offen: Warum fährt der Chef seinen falter nicht auch im Winter, ist der da doch nicht so geeignet? Nun, der Chef weiß es einfach nicht, kann sich nicht immer das Neueste leisten, fährt drum im siebten Jahr den heiligen falter-Prototyp. Und der wird ja wohl mal von mehr Menschen genauer angekukt werden - im Museum - als je Zeitgenossen sich den Chef zu dessen Lebzeiten näher angesehen haben werden. An diesen Heiligen darf also kein Salz dran, und so fährt der Chef im Winter eben seinen guten alten Chef-klassik. Und so kann er bisher nicht wissen, wie sich ein falter im Winter fährt. Er weiß nur, dass er in salzfreien Zeiten sich mit dem falter sauwohl fühlt in allen dann möglichen Lebenslagen.

06.11.2005 Das ist nun die Konsequenz, wenn man zuviel hat: man verliert den Überblick und merkt erst mal garnicht, wenn was fehlt. Wo ist der Chef-klassik-atl geblieben? Seit´s den falter gibt, den neuen Liebling, war er fast nur noch Winterrad und stand sommers oft im Weg, wurde drum meist über´n Tag mit allen anderen Übriggebliebenen vor die Werkstatttür gestellt. Vor ungefähr zehn Tagen hab´ich´s dann bemerkt: an seiner Stelle war´s merkwürdig leer. Wo ist der eigentlich, mein guter alter klassik? Ist er verliehen, wie so oft - mir fiel niemand ein. Hat ihn sich jemand geschnappt, der hier Zugang hat - von den Infragekommenden hat ihn nienand gemopst. Er muss wohl WEG SEIN! Bleibt dieser Fahndungs-Nachruf: Sollte jemandem ein klassik in ozeanblau (meergrün) begegnen, schaut doch mal auf die Rahmennummer 960700 unterm Tretlager. Besondere Kennzeichen: 1) da ist der wertvolle Prototyp des klassik-Faltsitzes mit den Hasenöhrchenlehnen drauf. 2) er hat das TA-68-Zähne-Angeber-Kettenblatt. 3) er hat die gute alte 92/93-Ausstattung, die immer noch funktioniert, weil wir hier an der Quelle zur "Müllverwertung" sind. Schade, dieses Rad hatte den Ruf, am allerbesten zu laufen (logo: Chef-Lieger) und hat als langer Test-klassik so manchen Kunden akquiriert. Hätte ihn, den Vernachlässigten, saugerne wieder, jetzt, wo seine Winter-Einsatzzeit bald begänne. Nachtrag: Hier mal alle inzwischen vermissten atls:

900501
910308
910317
920705
920714
930119
930149
960700
960703
19.06.2005 Wenn Sie nun diesertage hier gelandet sind, gehören Sie wahrscheinlich zu denen, die unserer Seitenaufrufstatistik jetzt mal wieder eine Delle nach oben bescheren. Und Sie landen hier, trotz dem, dass Sie in der "Radwelt" (3/05 Seite 35) den Artikel über den falter gelesen haben. - Spaß beiseite, der ist gar nicht so daneben ausgefallen wie befürchtet. Man muss schon dankbar sein, heutzutage für sowas eine halbe Seite zu bekommen. Übrigens, es ist kein Geld geflossen, und es wurden keine Nachfolge-Werbeanzeigen in Aussicht gestellt. Aber, als vor zwölf Jahren unser klassik hoch gelobt wurde, tat man das noch auf vier eng beschriebenen Seiten. Immerhin, im Gegensatz zu dem, was letztes Jahr in "Aktiv Radfahren" über den falter stand, ist diesmal das Meiste auch korrekt. Dass da gleich zu Beginn unser "Anspruch" thematisiert ist, erfreut uns (das zieht sich hier in den benachbarten Seiten durch als roter Faden). Leider fehlt dann doch zweierlei: Erst mal: Ein Bild vom Faltknäuel, aber das gibt´s hier auf der falter-Seite. Vor allem aber fehlt komplett die zweite Hälfte: Die Verkleidung. Die ist alles andere als unwesentlich. Denn die erst verleiht dem Rad seine Allroundtauglichkeit, macht es bei jedem Wetter und ganzjährig verwendbar. Dann erst geht´s wirklich ohne Auto, DAS ist unser "Anspruch". Natürlich muss in jedem Test auch was kritisiert werden. Leider ist das mit schöner Regelmäßigkeit stets dasselbe: Das mutmaßliche Lenker-Knie-Kollisionsproblem. Es ist schon ein bissle lästig, immer wieder darauf eingehen zu müssen. Es ist das typische Anfängerproblem, fast alle Neu-Probefahrer haben da erst mal Schwierigkeiten. Wenn sie dann ein paar Stunden Gewöhnung haben, ist es gegessen. Wie sonst könnten wir sechzehn Jahre lang unsere Räder so bauen, wenn da wirklich ein Problem wäre? Unsere Lenkgeometrie IST ausgefuxt! Ich glaube, selbst im Suff fahre ich Ihnen einen 2m-Radius-Kringel. Solche Radien gehen sowieso nur im Lauftempo. Dann darf man doch auch die Füße von den Pedalen nehmen, auf die Fahrbahn stellen und sitzend "gehen". Dass dies geht, ist doch gerade ein Vorteil unserer Räder. Und sie sind - wenigstens unbeladen - einfach am Lenker angehoben ausbalanciert, und wegen des tiefen Durchstiegs KÖNNEN sie einfach über dem Rad stehend auf der Stelle gewendet werden, MÜSSEN aber nicht. Nun, leider erreichen die Profitester der Radzeitungen aus Zeitgründen nie diese Gewöhnungsreife. Es ist schon blöd, dass sich so ein Vorurteil nach mehreren Testberichten dann manifestiert. Andererseits: Wir können doch damit leben, wenn es sonst nichts Kritisierbares gibt, und der einzige Kritikpunkt garkeiner ist.

30.04.2005 Und das brachte die diesjährige Spezi dann auch noch. Alljährlich wird unter Zeitnot in der Woche zuvor die aktuelle Ausgabe der Prospekte zusammengeflickt. Unser Messemotto dieses Jahr lautete: "NICHTS NEUES, längst perfekt". So gab es dieses Mal Änderungen fast nur in den Preislisten. Die waren allerdings überfällig. Beim klassik haben wir die Preiserhöhung moderat gehalten. Bei den Verkleidungen hatte es in den zwölf Jahren, seit wir die bauen, nie eine Anpassung gegeben. Deshalb darf die Erhöhung hier schon auffallen. Und beim Falter - das steht in der News vom 20.02.2005 bereits - war eine deutliche Annäherung an unseren tatsächlichen Aufwand notwendig. Natürlich macht man sich so seine Gedanken, ob man mit solchen Preisen noch zeitgemäß ist, wenn die potentiellen Kunden erschreckend schnell verarmt werden (die, bei denen unser Geld landet, fallen ja per se wegen Skrupellosigkeit als Anwärter auf ein autofreies Leben aus). Und doch kann man so hochpreisige Räder nach wie vor guten Gewissens anbieten, denn sie funktionieren. Der atl war von vorn herein als Allrounder konzipiert: nur ein einziges Rad für alle Anwendungen, rasch den verschiedenen Gebrauchssituationen anpassbar, der treue Begleiter in allen Lebenslagen. Man gibt einmal unverschämt viel aus und hat dann ziemlich Ruhe. Bei manchen rückt erst mit so einem Rad ein autofreier Alltag in den Bereich der Zumutbarkeit. Und unsere Vielradler-Kunden sind schnell bei km-Preisen unter 10 Cent angekommen. Ganz stolz sind wir auf unsere Hartz4-Kundschaft. Da gibt´s erstaunliche Existenzen mit erfrischend unüblichen Wertungen. Man ernährt sich kostenlos von dem was beim Vortages-Halbpreisbäcker am zweiten Abend immer noch übrig ist, lebt fast mietfrei im zugigen Gartenhäusle, aber man leistet sich gleich zwei atls! Der Trend geht sowieso zum Zweit-atl, seit´s die falter gibt. Und man munkelt auch schon, diese Räder zu besitzen, sei eine sichere Wertanlage.

22.04.2005 HABEMUS DYNAMEM - oder so ähnlich! Während sich der Rest der Tübinger an einem Papst ergötzt, der in den Sechzigern hier mit dem Radl durchs Städtle fuhr, wird bei uns hurtig eingespeicht und tags darauf in Germersheim (die SPEZI, Spezialradmesse , alljährlich am letzten Aprilwochenende, unser Jahresauftritt) eine Weltneuheit präsentiert. Just in time - wie verabredet - hatte unser befreundeter Nachbar den Prototypen unserer Wunschkomponente Nr1 fertig: den kleinen Spezial SON-Nabendynamo, an dem die I-Brake der Srams angeflanscht wird. Da sind wir nun endlich, das Vorderrad betreffend, wunschlos glücklich. Lange hat´s gedauert. Vor 10 Jahren musste ich anfangen - damals noch bei Sachs - zu nerven. Die hatten gerade den Kahlschlag bei ihren guten alten Trommelbremsen eingeleutet, wegen unsportlichen Images, wie sie sagten. Seit damals lag ich regelmäßig den wechselnden Product-Managern in den Ohren und drängte auf die Nachfolge-Nabenbremse hin. So habe ich den Werdegang der I-Brake aus der Ferne stets mitverfolgt, die konstruktiven Irrwege, bis nun wieder eine altbewährte Trommelbremse daraus wurde - mit vielen echten Verbesserungen gegenüber den alten. Die wichtigste: die I-Brake ist nicht in eine Nabe integriert, sie kann statt dessen an allerlei Naben angeflanscht werden. Und da lag es nahe, bei den Schmidts anzuklopfen und so dem I-SON zum Leben zu verhelfen. Davon testen wir jetzt die ersten zwei Prototypen. Bis in drei Monaten soll die erste Serie über die Bühne gehen. Die Bremse macht bis jetzt einen sehr guten Eindruck. Sie ist weich zu dosieren und hat Reserven, locker bis zum Blockieren. Sie ist äußerst preiswert (made in China) und sicher ähnlich langlebig wie ihre Vorgängerinnen.

13.03.2005 Jetzt müssten wir ja wohl bald durch sein: "Mit dem atl durch den Winter" war dieses Jahr ein ausgiebeger und variantenreicher Selbstversuch, und der verlief rundum zufriedenstellend. Ein All-Tags-Lieger muss eben jeden Alltag bewältigen, nur dann ermöglicht er den gänzlichen Autoverzicht, und nur dann kann sich ein so teures Fahrzeug rechnen! Für die Jahreszeit erstaunlich viele Transportfahrten waren zu erledigen: georderte Rahmen zum Sandstrahlen, Galvanisieren und Pulverbeschichten bringen und wieder abholen. All das erledigen wir mit dem Rad, bei jedem Wetter. Es sind Fahrten in die umliegenden Städte: Rottenburg (15km entfernt), Reutlingen (15km) und Pfullingen (20km). Das Transportgut - bis zu drei Rahmensätze - kommt in eine Kiste, die vorn auf die runtergeklappte Frontverkleidung gestellt und verspannt wird. Wenn´s regnet oder schneit, wird die Kiste wasserdicht eingepackt, und der Fahrer stülpt sich das Cape über (im Spektrum hat´s das passende Bild "Transport im Regen"). Variantenreich waren die diesjährigen Winterfahrten in sofern, dass alle erdenklichen "Straßen"-Verhältnisse vorkamen: feste Schneedecke (herrlich), angetaut Matschiges (der wahre Kampf), getautes wieder Gefrohrenes (Vorsicht) oder Schneeverwehungen (da waren einmal 300m zu schieben). Es war aber nie nötig, auf die geräumten Autostraßen auszuweichen, es war zu machen, wie immer die Radwege abseits in einsamer Natur zu benützen. Alles was einem da begegnete, waren Langlaufskifahrer - und ein einziger Mountainbiker. Ich wollte schon denken, na ja, der hat jetzt wohl doch einen kleinen Vorteil - der tiefer sitzende kommt halt schneller in Schräglage, dafür haben wir doch meist die Füße noch rechtzeitig am Boden. Da, kurz bevor wir aneinander vorbeigefahren wären, machte es wutsch, und er lag im Schnee! Das A&O sind natürlich taugliche Winterreifen, die gibt´s längst auch für die 20"-Fraktion mit erstaunlich guten Rolleigenschaften. Ganz selten hätte man sich Spikes gewünscht. Ich bin Anfang Winter mit der entsprechenden Bitte an Schwalbe herangetreten, die betreuen uns Kleine bestens. Und es könnte sein, dass wir bereits nächstes Jahr unsere 20"-Spikesreifen bekommen. Bleibt zu hoffen, dass der nächste kalte Winter nicht wieder ein Jahrzehnt auf sich warten lässt - aber der versiegende Golfstrom wird´s schon richten??

09.03.2005 Habe gestern eine Gewalttour hinter mich gebracht: 14 Stunden im ICE nach Bremen und zurück an einem Tag, natürlich mit falter + delfin im Gepäck. Dort gab´s zwei Stunden Aufenthalt in der "Zentrale der Macht" beim ADFC und der Redaktion ihrer Vereinszeitschrift RADWELT. Unser "Ressortleiter Öffentlichkeitsarbeit" und Hartz4-Null-Euro-Prakti Bodo, hatte die Chefredakteurin Alexandra Kirsch so lange mit Mails und Telefonaten eingedeckt, dass wir nun tatsächlich dort den falter präsentieren durften. Bodo, der falter+tramp-Pendler zwischen TÜ und HH, kam aus der Hansestadt angereist. Ein exquisites Exemplar des falter hatte ich mitgebracht: auf Kundenwunsch haben wir versuchsweise den Rahmen komplett vernickelt und anschließend mit transparentem Pulver beschichtet, sehr technische Optik nur Metall und schwarz, sehr edel: zukunftsverdächtig, auch die Witterungsbeständigkeit betreffend. Frau Kirsch erklärte sich gleich als technisch nicht kompetent und verwies, obwohl die ganze Zeit anwesend, an einen jungen Kollegen, der sich sehr ausführlich alles erklären ließ und gezielt nachfragte. Wenn auch für ihn Liegeräder bisher eher fremd waren, war er doch vom Faltmaß angetan und redete gleich von Fernreisen usw. Da musste ich dann doch mein Sprüchlein loswerden, dass ich es lange müde bin, dass mir die einschlägigen Zeitschriften immer nur mit Freizeit, Genießen, Spaß und Fun kommen. Frau Kirsch meinte nur, Ernstes und Politisches verkaufe sich nicht. Doch muss sie ja garnichts verkaufen, wenn ihre Zeitschrift zunächst mal alle Mitglieder des ADFC automatisch erhalten. Und ich denke doch, ich bin nicht dessen einziges Mitglied, dem an ERNSTEM RADELN gelegen ist. Der ADFC versteht sich ja wohl schon noch als politischer Verein. Warum muss dann die Vereinszeitschrift dieses Freizeit-Image pflegen, das so weit von den Vereinszielen entfernt ist? Ich als einfaches Midglied wäre z.B. letzten Winter beinahe aus dem Verein ausgetreten, als die RADWELT sich folgendes leistete: zum Thema Radfahren im Winter gab´s ein Titelbild mit zwei Mouny-Yuppies, die vermutlich per Heli auf irgendeinem Alpengipfel ausgesetzt waren, und die nach zwei Metern Radeln sich hatten in den Tiefschnee fallen lassen. Der Humor, sowas witzig zu finden, geht mir ab. Na, mal sehen, was da demnächst in der RADWELT über unseren falter steht...

20.02.2005 Wir haben uns schwer getan, wieder reinzufinden in den Werkstattalltag nach dem Innehalten durch Ralfs Tod (siehe die letzte News unten). Eigentlich waren über die Winterzeit einige Neuentwicklungen geplant: der Serien-Faltsitz für den klassik, der als Prototyp seit zwei Jahren existiert, oder einen Vornelenker für vorn auf das Tandem, damit dieses vollends seriös wird. Diese Dinge sind jetzt erst einmal aufgeschoben. Inzwischen haben wir die zweite Serie vom falter gestartet, nachdem die erste komplett verkauft ist. Das heißt leider: wer nun einen falter möchte, muss sich erst mal gedulden. Bis die Neuen fertig sind, wird wohl wieder ein Jahr vergehen. Falter-Interessenten sind ab sofort eingeladen, sich einzuklinken, das Interesse zu bekunden, testzufahren und rechtzeitig zu bestellen. Und, wer bestellt, ist gebeten, dieses neue Produktionsjahr mit sukzessiven Anzahlungen zu begleiten. Denn - das sei den Neuen hier verraten - einen wichtigen Anteil daran, dass es Radnabel immer noch gibt, hat sicher der Umstand, dass wir uns nie auf Banken-Geier eingelassen haben! Statt dessen haben immer schon die Einlagen der Kundschaft die Firma mit am Leben gehalten. Die falter-Nullserie haben wir mit Ach und Krach überstanden - so ein neues Produkt zu stemmen ist ein rechter Gewaltakt. Die Nachkalkulation zeigt, dass wir jeden falter dieser Erstserie mit 500 Euro bezuschusst haben. Dafür mussten die Käufer erst mal ein paar Kinderkrankheiten in Kauf nehmen, die wir nach und nach behoben haben. Die neuen falter werden der Ausgereiftheit ein gutes Stück näher sein, und wir hoffen, bei der Produktion manches geschickter hinzukriegen. Eine Preiserhöhung um ca. 300 Euro ist wohl reell. Wir möchten uns da aber noch nicht festlegen. Wer dringend alsbald einen atl braucht, kann ja vielleicht mit dem klassik vorlieb nehmen. Den gibt es nach wie vor innerhalb von zwei bis drei Wochen in Wunschausstattung.

im Januar 5 Ein gutes Stück ihrer Seele hat die Werkstatt nun verloren. Noch bevor der atl-Prototyp zu Ende geboren war, kam vor 16 Jahren der Ralf, damals gerade 17-jährig, hier hereingeschneit. Ich habe mich gleich in ihn verliebt. Er konnte dies nicht erwidern, konnte aber damit umgehen, weil er "sowas" schon kannte. Wir gewöhnten uns aneinander, und es wurde eine lange, sehr enge Freundschaft daraus, dem Findelkind wurde ich zum Ersatzvater. Ich bin stolz darauf, dass die Werkstatt ihm ab sofort und nun für fast sein halbes Leben zur Ersatzheimat wurde. Er hatte von Geburt an Schlimmes durchgemacht, war unehelich gebohren zur Adoption freigegeben worden, hatte sein erstes Dreivierteljahr ohne Bezugsperson im Bettchen gelegen, bevor ihn die Schumachers in Wiesbaden adoptierten. Sie haben sich danach 13 Jahre lang alle erdenkliche Mühe mit ihm gemacht, und haben letztendlich kapituliert. Es schloss sich seine zweite Heimkariere an, bis zum therapeutischen Segeln im Mittelmeer und der Rund-um-die Uhr-Einzelbetreuung. Ralf blieb nun bei mir und arbeitete fortan in der Werkstatt mit. Er war begnadet geschickt bei der Metallerei, dem Löten, dem Fahrradschrauben. Die Räder wurden sein Ein und Alles, wenn ihn auch modebedingt mehr die Mounties und BMX-Räder faszinierten. Zusammen - es waren noch andere dabei - knüppelten wir die erste atl-Serie durch. Vielleicht war das seine glücklichste Zeit. Nebenher wurde aber auch das Feiern mit seinen Kumpeln wichtig, das tägliche Feierabendbier gab´s immer früher. Der Werkstatt fehlte es leider bald am gebührenden Umsatz, um Mitarbeiter zu halten. Damals erst, vor 10 Jahren, als ich gezwungen war, die Werkstatt alleine weiterzuführen, wurden seine Probleme mit dem Alkohol sichtbar. Und schon damals redete er über seine Todessehnsucht, wir waren also schon lange vorbereitet. Aber ich hatte für mich beschlossen, ich bringe es mit ihm zu Ende, so oder so. Nun hatten wir zusammen immerhin noch ein Jahrzehnt, mit dramatischen Tiefen, aber auch sehr schönen Zeiten. Zwischen langen Absturzphasen hatte er immer wieder ganz klare Zeiten. Bald hatten wir die Vereinbarung, dass er mir die schlimmen Phasen erspart, dann herrschte Funkstille (war das letztendlich mein Fehler?). Oft habe ich den Beginn der klaren Lebensabschnitte auszulösen vermocht, weil ich diese Funkstille nicht länger ertragen habe: Ich musste nur dort auftauchen, wo er sich mit seinen "Kumpels" aufhielt, und am nächsten Morgen kam er mit klarem Kopf zum Werkstattkaffee. Meist wurden daraus gute Wochen, wo wir viel zusammen waren und zusammen gearbeitet haben. Neben dem Radbauen hat er sein künstlerisches Talent entwickelt, er fing an, aus den Metallabfällen phantasievolle Skulpturen zu schweißen. Meistens waren es Menschen, oft sehr abstrakte, auf den zweiten Blick als solche zu erkennen, die er da erschuf, oder die "Weltkugel", hohl, nur die Kontinente, durch feine Drähte zusammengehalten. Einige Kunstwerke hat er verschenkt an die Menschen, die ihm wichtig waren. Die meisten blieben in der Werkstatt, in allen Ecken stehen originale "Ralfs". Trotzdem ging es mit ihm allmählich bergab, er holte sich nach und nach bleibende körperliche Beschädigungen. Der Moment der entgültigen Entscheidung rückte immer näher. Den letzten Schub gab ihm erst vor Kurzem die Ansteckung mit Hepatitis. Als er mir davon berichte, habe ich ihn ein letztes Mal unter Tränen erlebt. Nun hatte er auch dem Heroin, der bisherigen Horrordroge, nicht länger standgehalten. In diesen Tagen haben wir sehr konkret über´s Ende und das Danach geredet. Das ist erst sechs Wochen her. Er hatte da noch einmal gute Wochen, lief nochmal zu alter Form auf, als er für die Werkstatt und damit für mich ein letztes Mal ein kniffliges Vorrichtungsproblem löste. Dann kam sein letzter Absturz. Und ich habe dieses Mal standgehalten: Zum ersten Mal habe ich ihn über die beschissene Weihnachtszeit alleine gelassen. Mein Plan war, ihn danach mit Hochdruck zur anstehenden, sehr schmerzlichen Hepatitis-Therapie zu drängen. Es hätte den bedingungslosen Alkoholverzicht bedeutet. Ein kleiner Wink in diesen Tagen hätte vielleicht auch diesmal genügt, wieder umzusteuern. Für wie lange? Vielleicht für immer! Der Moment der Entscheidung war jetzt da. Ralf hat Neujahr noch überlebt. Am Morgen danach fand man ihn, es war schon zu spät, noch mit der Spritze in der Hand. Als es nur der Alk war, hatte er zu oft einfach nur Glück, dass man ihn immer wieder gerade noch rechtzeitig irgendwo fand. Nun hat er ein einziges Mal Pech gehabt, einmal reicht. Niemand war da. Ich war nicht da! Sicher hast Du schlimme Dinge gedreht. Für die meisten hast Du im Knast gebüst. Und doch hast Du gekämpft um ein anständiges Leben. Für Viele gab es nur den Ralf als Kotzbrocken, die haben Dich wohl nie weinend erlebt und wie Du versucht hast, hart mit Dir zu sein. Was mag es Dich Anstrengung gekostet haben, Dich immer wieder runter zu dosieren. Du hast es immer für Dich behalten. Wir waren uns einig, dass wir an nichts glauben, weil wir uns nicht selber bescheißen wollten. Es blieb die Hoffnung, dass mit dem Ende auch die Leiden ein Ende haben. Ralf, hast Du jetzt Ruhe? Was wäre ich freudig überrascht, wenn wir uns, wie auch immer, noch einmal begegnen. Es war so schön, dass es Dich gab. 10. November 1971 Ralf Paul Schumacher 2. Januar 2005

02.09.2004 Am Sonntag 05.09.04 gibt's Radnabel auf TV. Mal wieder: Zur Volksbelustigung eignet sich so 'ne Firma ja prächtig. Diesmal könnte es aber halbwegs ernst zu nehmen sein. Da gibt's zur besten Sendezeit nach dem Sonntagsbraten um 13.45 auf ARD die Sendung "Bilderbuch Deutschland", diesmal mit einem Tübingen-Portrait. Haben die Ehre, da dabei zu sein. Die Regisseurin hat mich da beim Interviewteil in Verlegenheit gebracht, als sie nochmal genau wissen wollte, wie das denn jetzt zu verstehen sei, dass, kein Blut im Irak für's Restöl opfern zu müssen, andererseits bedeutet, dann nimmer Auto zu fahren, und dies der ATL vielen erst ermöglichen könnte. Bei ihren späteren Anrufen zum nachrecherchieren beteuerte sie, dass sie mein Gestammel tatsächlich zu senden gedenkt: Ein Lob auf die Öffentlich Rechtlichen!

03.05.2004 Jetzt ist bei Radnabel "Erntedank": Letzten Freitag unternahmen Bodo und ich die lang gehegte Expedition nach Regensburg. Dort ansässig ist die Redaktion der Zeitschrift "Aktiv Radfahren". Wir reisten an per Bahn mit drei faltern + drei kompletten Verkleidungen + Zelt, Isomatten und Schlafsäcken. Bei der Redaktion wurden wir sehr herzlich aufgenommen. Der Chef-Redakteur, Daniel Fikuart, kümmerte sich persönlich um uns und war sehr angetan vom falter, sein Fotograf machte gleich ausführlich Aufnahmen vom roten Erstling in allen Faltstadien. Unser gelber Prototyp ist nun erstmal dort zum Test. Wir haben Grund zur Hoffnung auf eine gute Besprechung in einer der nächsten Ausgaben der "Aktiv Radfahren". Tip: mal reinschauen! Anschließend gab's eine Bilderbuch-Mai-Tour vor Ort, die uns Daniel Fikuart vorschlug, durch Naab- und Vilstal nach Neumarkt, der Stadt der legendären Express-Räder und weiter am Ludwig-Main-Donau-Kanal bis zum Altmühltal und dieses weit aufwärs, bis wir uns irgendwann in den Zug zurück setzen mussten. Unsere Allwetterverkleidungen waren einen halben Tag lang von großem Nutzen!

25.04.2004 Von der "Spezi 2004", der Spezialradmesse in Germersheim, die dort jedes Jahr am letzten Aprilwochenende stattfindet, kehren wir dieses Jahr recht zufrieden heim. Diese Messe ist unser Jahresauftritt, wo wir einem Fachpublikum begegnen. Letztes Jahr haben wir wohl die Messebesucher mit unserer "Bildertapete" über den gesamten Standhintergrund überfordert. Zeigen wollten wir dabei das große Einsatzspektrum der atls, Fahren im Regen, im Schnee, mit großer Ladung, auf Reise... Nur Wenige machten sich die Mühe, diese Vielfalt zu erfassen. Dieses Jahr gab's nur einen frechen Spruch, riesengroß: " No comment see the details ". Dazu erstmals ein Podest, auf dem der rote erste Serienfalter gefaltet tronte, den fahrbereiten gelben Prototypen zu seinen Füßen, und darüber stand "Sieger des Faltliegerwettbewerbs 2002". Wir hatten dieses Mal durchgehend Gespräche mit Interessierten, und die Zeit verging im Fluge. Danke vor allem an Jens und Ewald für die prima Mithilfe.

25.04.2004 Während der "Spezi 2004" fand dieses Jahr ein zweiter Faltliegerwettbewerb statt (2002 ging der erste klar an unseren falter). Dagegen habe ich mich im Vorfeld heftig gewandt, da mir die Wettbewerbskriterien nicht einleuchtend waren: gewertet wurden dieses Mal nur die Faltzeit, das Faltmaß und das Gewicht. Ob und wie die Konstrukte fahrbar sind, spielte keine Rolle, ganz zu schweigen von einer umfassenden Alltagstauglichkeit, wie sie der atl-falter bietet. Bis zuletzt habe ich mir die Teilnahme offengehalten und dann doch beschlossen, die Gelegenheit zu nutzen, unseren falter erneut zu präsentieren. Nun, einen solchen Wettbewerb kann unser falter nicht gewinnen. Aber, unter solchen Bedingungen dennoch den Dritten zu machen, gereicht dem falter zur Ehre! Dokumentiert sind nun seine Faltzeiten von 35s fürs Einfalten und 30s fürs Auffalten. Nächstes Jahr gibt's vielleicht ein Spruchband auf unserem Messestand: "Verlierer des Faltliegerwettbewerbs 2004". Wer uns darauf anspricht, kann sich unsere detailierten Ansichten zu diesem Wettbewerb anhören...

16.04.2004 So, nach Winter-Abtauchen und Produktionsklausur war heute endlich der Stapellauf des allerersten Serien-falters. Der knallrote Kerl gleicht seinem Vorgänger, dem knallgelben letzten Prototypen fast vollständig. Auch er erhielt die Topausstattung mit der Speedhub und dem bewährten Vollkettenschutz. Lediglich kleine, aber für die Faltzeit wesentliche Neuerungen hat es gegeben. Und gebaut ist er nun erstmals unter Serienbedingungen. Die restlichen Exemplare dieser Vorserie gehen nun wohl wie's Brezelbacken. Ein Großteil ist ja längst bestellt. Und ich sage hier mal meinen Kunden einen dicken Dank für's Begleiten - das Vorfinanzieren - dieses Kraftaktes, ein neues Produkt zu stemmen.

23.11.2003 Komme eben heim von der Eröffnungszeremonie einer Dauerausstellung in unserem Tübinger Stadtmuseum. War als Ehrengast geladen, denn da ist nun ein recht dynamisches Bild von mir zu sehen auf dem falter vor unserer Werkstatt. Besonders ehrt mich, dass genau dieses Bild den vorläufigen Schlusspunkt bildet einer Entwicklungsgeschichte unserer Stadt. Im Begleittext zum Bild haben die Macher auch noch den Introtext unseres Klassik-Prospekts (und der Klassik-Internetseite) zitiert: Autofreiheit als Konsequenz von Umwelt- und Energiedebatten. Zu denken gibt mir jetzt schon, dass ich wahrscheinlich der einzige dort ausgestellte bin, der noch quicklebendig ist!

18.11.2003 So, hallo!
Wer das jetzt heute liest, ist wohl eine(r) der ersten, die meinen ersten erfolgreichen Versuch, eine News reinzubasteln, bestätigen können. Dieter Bruno Baumann

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